Letztes Update am Do, 22.11.2018 12:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gärtner im Friendship-Park: Dan pflegt US-mexikanische Freundschaft



Tijuana/Washington (APA/dpa) - Meist wollen Mexikaner in die USA, um dort zu arbeiten. Aber es geht auch andersrum - „Gringo“ Dan lebt in Tijuana und pflegt dort ehrenamtlich die Freundschaft zwischen beiden Ländern. Derzeit gibt es aber immer mehr Hürden dafür.

Dan Watman klebt die Erde der US-mexikanischen Freundschaft unter den Fingernägeln. Vier Tage pro Woche buddelt, gießt und harkt der 36-Jährige den binationalen Garten am Grenzzaun zwischen Tijuana und San Diego. Im Alter von fünf Jahren zog er mit seiner Familie von New York nach Kalifornien, jetzt lebt er auf der mexikanischen Seite der Grenze. „Ich mag Tijuana lieber als San Diego“, sagt der Spanischlehrer. „Ich fühle mich fast als Mexikaner.“ Einen mexikanischen Pass hat er aber noch nicht.

Ab 2007 entstanden die ersten Flächen des Gartens, der Teil des Friendship-Parks an der Grenze ist. Angelegt sind sie in Kreisen - eine Hälfte auf der mexikanischen Seite, die andere auf der amerikanischen. Es sollte ein einziger Garten sein, erklärt Watman. Nicht einer für Mexikaner und einer für „Gringos“, wie US-Amerikaner in Lateinamerika genannt werden. Deshalb seien sie in einem Kreis verbunden. Mittlerweile umfasst der Garten auch Beete mit Tomaten, Chilis und Salat, an dem sich Bedürftige einfach bedienen können.

Die Grenze zu den USA ist in Tijuana allgegenwärtig - der Grenzzaun zieht sich quer durch die Großstadt, bis an das Meer. Die nächstgelegene US-Stadt San Diego liegt rund 30 Kilometer Luftlinie entfernt. Viele Amerikaner kommen auf die mexikanische Seite, um einzukaufen oder zu feiern. Watman zog nach eigenen Angaben auch in die Stadt, weil das Leben dort günstiger ist als auf der US-Seite.

Das erste Mal verschlug es ihn während seines Studiums nach Tijuana. Um neue Kontakte zu knüpfen, schloss er sich der Gruppe „Freunde des Friendship-Parks“ an, die einen Austausch zwischen Mexikanern und Amerikanern fördert. Der Friendship-Park war 1971 eröffnet worden, bis in die 1990er-Jahre konnten sich dort Menschen treffen - ohne von einem Zaun getrennt zu sein. Nach Errichtung der Barriere konnten sich die Menschen durch die Lücken begrüßen. Im Jahr 2009 wurde auf der US-Seite ein zweiter Zaun gebaut, die Fläche des Gartens war nur noch am Wochenende zugänglich, wenn ein Tor geöffnet wurde.

Seit mehrere Tausend Migranten aus Mittelamerika Tijuana erreicht haben, verstärken die USA die Sicherung ihrer Grenze. Der Zaun und auch Grenzübergänge wurden mit Stacheldraht zur Festung gemacht. Derzeit bleibe auch das Tor im Friendship-Park aus Sicherheitsgründen geschlossen, sagt Watman. Die Pflege des Gartens auf der US-Seite sei deshalb nicht regelmäßig möglich. Die Freundschaft zwischen Mexiko und den USA haben sich aber trotzdem nicht geändert, so der Hobby-Gärtner. Sie sei sogar wichtiger geworden, sagt Watman.




Kommentieren