Letztes Update am Do, 22.11.2018 12:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Diskussion um Kündigung des Linzer Theatervertrages geht weiter



Linz (APA) - Die Diskussion um die Kündigung des Linzer Theatervertrages ist am Donnerstag weiter gegangen. Die SPÖ verlangte in einer Pressekonferenz die Neuordnung aller Finanzströme zwischen Stadt und Land. Ähnlich wie die SPÖ hatte sich zuvor die FPÖ geäußert. ÖVP, Grüne und KPÖ sorgen sich um den Ruf von Linz als Kulturhauptstadt. Auch Kulturschaffende warnen.

Der in Diskussion geratene Theatervertrag betrifft nicht nur die Zahlungen der Stadt für den laufenden Betrieb der Theater- und Orchester Gesellschaft - Landestheater mit seinen Spielstätten sowie Bruckner Orchester Linz (BOL) - sondern auch jene des Landes für das Ars Electronica Center und die Linzer Veranstaltungsgesellschaft (LIVA), die unter anderem für das Brucknerhaus, den Posthof und das Stadion verantwortlich ist. Stefan Giegler, Fraktionsvorsitzender und Kultursprecher der SPÖ Linz, rechnete erneut vor, dass der Saldo aus diesen Finanzströmen für das kommende Jahr an die 5,6 Millionen Euro zulasten der Stadt betrage. Insgesamt bekomme die Stadt aufgrund der komplizierten Verflechtungen 86,5 Millionen weniger als sie an das Land überweist. Die Kündigung des Theatervertrages sei ein Element der Finanzströme um diesen finanziellen Druck auf Linz zu verringern. Dieser Schritt erfolge auch nicht überfallsartig, sondern sei erstmals bei einem Gespräch zwischen Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) angekündigt worden.

„Es ist dringend notwendig, die Finanzströme zwischen dem Land und den Gemeinden neu zu ordnen“, verlangte Giegler. Darüber sollten Gespräche aufgenommen werden. Sie sollten Transparenz herbeiführen und die Belastungen der Gemeinden somit auch von Linz verringern. Giegler will im Kulturbereich weiter mit dem Land kooperieren. Die Stadt stehe zum „Bruckner Orchester Linz“ als Botschafter von Linz, die Leistungen seien unbestritten. Es sei aber ein Landesorchester. Unbestritten sei auch das Brucknerhaus als zentrale Spielstätte des Orchesters.

Zuvor hatte der Linzer FPÖ-Obmann Vizebürgermeister Detlev Wimmer die Quantität und „über weite Strecken auch“ Qualität des kulturellen Angebotes in Linz gewürdigt, jedoch dazu festgestellt: „Auf die Dauer muss man sich das Ganze aber auch leisten können.“ Deshalb dürfte ein Antrag zur Aufkündigung des Theatervertrages im Linzer Gemeinderat am 6. Dezember eine Mehrheit finden.

Für Vizebürgermeister Bernhard Baier und Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (beide ÖVP) ist die Kündigung „nicht nachvollziehbar“, weil „schädlich“. Sie fordern mehr Zusammenarbeit. Auch die grüne Stadträtin Eva Schobesberger sieht ein „kulturpolitisch katastrophales Signal“. Die Gemeinderätin Gerlinde Grünn (KPÖ) lehnt einen Ausstieg aus dem Theatervertrag ab, tritt aber auch für einen anderen Aufteilungsschlüssel ein.

Protest gegen die geplante Kündigung kam in Linz vom Intendanten des Landestheaters Hermann Schneider, vom scheidenden kaufmännischen Direktor Uwe Schmitz-Gielsdorf und vom künstlerischen Leiter des Bruckner Orchesters Markus Poschner. Auch Marie Rötzer vom Landestheater Niederösterreich warnte im Namen der „Österreichischen Intendant*innengruppe“ davor, den „guten Ruf des Linzer Landestheaters durch kulturpolitische Strategiespiele zu gefährden“.




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