Letztes Update am Do, 22.11.2018 15:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Caner-Prozess - Zweitangeklagter sieht die Schuld bei Credit Suisse



Wien (APA) - Im Betrugsprozess rund um die Milliardenpleite des Immobilienkonzerns Level One Group im Jahr 2009 am Straflandesgericht Wien nutzte heute der Anwalt des Zweitangeklagten sein Eingangsstatement für eine lange Ausführung, warum sein Mandant unschuldig und die Verantwortung für die Vorwürfe bei der Credit Suisse zu suchen seien.

Begleitet wird das Verfahren von einer ganzen Armada von Anwälten, die durchaus mit dem Großaufgebot beim derzeit pausierenden „Grasser-Prozess“ zu vergleichen ist. Nachdem zuletzt bereits der Erstangeklagte, der Level-One-Group-Chef Cevdet Caner (45), und Staatsanwältin Martina Semper ihre Versionen Richter Michael Tolstiuk vorgestellt hatten - und dabei denkbar weit auseinanderlagen - stand heute einmal mehr die Credit Suisse im Mittelpunkt der Ausführungen. Das renommierte Institut war die Gläubigerbank der Level One.

Der Verteidiger des Zweitangeklagten zeichnete heute das Bild eines Rechtsanwalts, der eine ganz normale anwaltliche Tätigkeit für die Level One ausgeführt habe. Sein Mandant sei keinesfalls, wie angeklagt, Teil einer kriminellen Vereinigung, sondern hatte damals eine gutgehende Rechtsanwaltskanzlei. Die Vorwürfe der Staatsanwältin seien zum Teil „untergriffig“.

Sein Mandant habe ganz normale Honorarnoten zum üblichen Stundensatz gestellt. Er habe im Jahr 2005 mit dem Kunden Level One lediglich 50.000 Euro Umsatz erzielt, und das sei nicht viel, wie die anwesenden Anwälte bestätigen könnten. Der angeklagte Rechtsanwalt habe keine Organfunktion bei „irgendeiner“ der betroffenen Gesellschaften „und null Eigeninteresse“ gehabt. Und obendrein blieben ihm noch 20 Prozent seiner Forderungen aushaftend.

Bei den Tätigkeiten der Level One habe es sich um ein „nachhaltiges Geschäftsmodell“ gehandelt, das laufend von der Credit Suisse und ihren Beratern geprüft worden sei, so der Anwalt. Auch stimme es nicht, dass sein Mandant - wie von der Staatsanwältin behauptet - „wertlose Plattenbauten“ im ehemaligen Ostdeutschland erworben habe. Es seien auch Villen darunter gewesen. Es habe keine geschönten Gutachten gegeben, vielmehr habe man sich auf Gutachten der Credit Suisse verlassen.

Weitere Verteidiger schlossen sich dem Vertreter des Zweitangeklagten an und betonten - neben der Unschuld ihrer Mandanten - die lange Verfahrensdauer inklusive der finanziellen und psychischen Belastungen für die Angeklagten.

Dem in St. Pölten geborenen Cevdet Caner, der zuvor im IT- und Telekom-Geschäft tätig war, und den weiteren fünf Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft teilweise schweren gewerbsmäßigen Betrug, betrügerische Krida, Verabredung zu einer kriminellen Organisation und Geldwäsche vor. Caner hatte mit finanzieller Unterstützung der Credit Suisse und ohne über nennenswertes Eigenkapital zu verfügen in Ostdeutschland ein Immobilienimperium aufgebaut. 2009 folgte die Pleite mit 1,5 Mrd. Euro Schulden. Er weist jede Schuld von sich.

Am kommenden Montag wird das Verfahren im Wiener Straflandesgericht fortgesetzt, ein Ende ist vorerst nicht absehbar.




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