Letztes Update am Do, 22.11.2018 19:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EZB: Deutsche Konjunkturdelle im dritten Quartal nur vorübergehend



Frankfurt (APA/Reuters) - Der Konjunkturrückgang im dritten Quartal in Deutschland stellt aus Sicht von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet eine vorübergehende Delle dar. „Im dritten Quartal hatten die neuen Emissionstests für die Autoindustrie einen starken Effekt vor allem in Deutschland“, sagte der Belgier in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem „Handelsblatt“.

Die deutsche Wirtschaft war im Sommer erstmals seit dreieinhalb Jahren geschrumpft. „Wir schließen uns aber der Bundesbank an, die davon ausgeht, dass sich die Produktion im vierten Quartal erholen wird“, so Praet.

Insgesamt erwartet Praet für den Euroraum eine Normalisierung des Wachstums. „Man darf nicht vergessen, dass es in den vergangenen beiden Jahren außergewöhnlich hoch war.“ Das habe vor allem am starken Exportsektor gelegen, dieser Impuls sei inzwischen abgeflaut. Der Ökonom wies zudem auf Risiken hin, wie etwa Protektionismus im Handel, Anfälligkeiten in einigen Schwellenländern und Schwankungen auf den Finanzmärkten. Die Gefahren sei aber immer noch weitgehend ausgeglichen. „Es kann ja auch bei einigen Risiken besser laufen als befürchtet.“ So könne ein Brexit-Abkommen die Stimmung verbessern. „Und der Handelskonflikt kann sich schlussendlich entspannen.“

Zu den Spekulationen um mögliche neue Langfristkredite (TLTRO) der Europäischen Zentralbank (EZB), sagte Praet, diese seien 2014 und 2016 aufgelegt worden, um die schwache Kreditvergabe zu stützen. Inzwischen habe sich die Kreditvergabe aber verbessert. „Auf jeden Fall ist es jetzt zu früh, um über einen neuen TLTRO zu entscheiden.“ Die erste Tranche wird Mitte 2020 auslaufen. Praet bekräftigte zudem, dass die Notenbank im Dezember über ihre Reinvestitionen diskutieren wird.

~ WEB http://www.ecb.int ~ APA496 2018-11-22/19:20




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