Letztes Update am Do, 22.11.2018 22:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Polen - Kaczynski und Walesa vor Gericht unversöhnlich



Warschau (APA/AFP) - Lech Walesa und Jaroslaw Kaczynski haben am Donnerstag eine Schlichtung in einem Diffamierungsprozess zwischen dem ehemaligen polnischen Präsidenten und Nobelpreisträger und dem Chef der konservativen Regierungspartei PiS in Polen abgelehnt.

Bei dem Streit geht es um einen Facebook-Eintrag Walesas, in dem er Kaczynski vorwirft, für die Flugzeugkatastrophe vor acht Jahren verantwortlich gewesen zu sein, bei der dessen Bruder und Staatschef Lech Kaczynski und 95 weitere Menschen, darunter zahlreiche führende Persönlichkeiten des Landes, ums Leben kamen.

Die Vorwürfe seien „besonders beleidigend“ für jemanden, der einen Angehörigen, gar einen eineiigen Zwilling, verloren habe, erklärte Kaczynski. Er hatte sich offen gegenüber dem vom Richter vorgeschlagenen Vergleich gezeigt. Dieser sah vor, dass Walesa seine Vorwürfe zurücknehme, was der aber ablehnte.

Kaczynski versäumte es nicht, Walesa ein „intellektuelles Defizit“ zu unterstellen und als „Gefahr für die Demokratie in Polen“ zu bezeichnen. Der ehemalige Solidarnosc-Chef Walesa beschuldigte seinen Widersacher einmal mehr, beim letzten Telefonat mit seinem Bruder an Bord des Flugzeugs trotz extremer Wetterbedingungen den riskanten Landeanflug im russischen Smolensk „angeordnet“ zu haben.

Kaczynski fordert von Walesa eine Entschuldigung und 30.000 Zloty (7.000 Euro) Schmerzensgeld, zu zahlen an eine gemeinnützige Einrichtung. Das Gericht in Danzig hat eine Entscheidung für den 6. Dezember angekündigt.

Die Kaczynski-Zwillinge waren zwischen 1989 und 1991 enge Verbündete Walesas, der von 1990 bis 1995 polnischer Präsident war. Als Walesa später von ihnen abrückte, warfen sie ihm mehrfach die Zusammenarbeit mit der kommunistischen Geheimpolizei SB vor. Kaczynski vermutet eine russische „Verschwörung“ hinter dem Flugzeugunglück von Smolensk.




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