Letztes Update am Fr, 23.11.2018 01:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Religionsvertreter: Mehr Dialog für Glaubensgemeinschaften am Balkan



Wien (APA) - Die Balkanstaaten müssen an den Beziehungen zwischen den jeweiligen Religionsgemeinschaften arbeiten und brauchen dabei mehr Hilfe aus dem Westen. Darin waren sich die Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in Wien einig. Die Aufklärungsarbeit sollte bereits in der Schule beginnen und den Kindern die Möglichkeit zum interreligiösen Dialog bieten.

Andrej Cilerdzic, Bischof der serbisch-orthodoxen Diözese Österreich-Schweiz-Italien, glaubt, dass die Balkanländer bei ihrer Vergangenheitsbewältigung Hilfe brauchen: „Ich bin davon überzeugt, dass der Bevölkerung in ex-jugoslawischen Staaten durch Wissenschaft, Tagungen und Workshops geholfen werden kann.“ Ohne Hilfe des Westen würde es allerdings nicht gehen: „Es ist zu viel stecken geblieben, zu viel Schmerz, Erinnerung und Trauma.“

„Der Westen kann uns nur so helfen, indem er die Politiker zwingt, miteinander zu reden,“ meinte Mihail Cekov, Vertreter der evangelisch-methodistischen Kirche von Makedonien, bei der Podiumsdiskussion „Religion und Staat am Balkan. Ein Lernfeld für Europa?“, die von der Stiftung Pro Oriente und dem Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien veranstaltet wurde. „Die Politiker müsste man in einen Raum einsperren und sie nicht rauslassen, solange sie sich nicht geeinigt haben“, schlug Cekov vor.

Auch der religiöse Unterricht in den Schulen sollte wieder eingeführt werden, waren sich mehrere Vortragende einig. „Die Vielfalt, die wir in Europa kennen, ist eine Sache der Erziehung,“ sagte Benjamin Idriz, Imam des Islamischem Forum Penzberg in Deutschland. Idriz hoffte, dass „bereits nächstes Jahr“ auch in den Schulen am Balkan ein interreligiöser Unterricht stattfinden kann. „Religionsunterricht würde einen Unterschied machen,“ stimmte Cilerdzic zu. „Es wird schwer sein, dass sich die Religionen selbst zusammenraufen und über den Nationalismus hinausschauen.“

Der Diplomat Christian Prosl wünschte sich mehr Initiative von lokalen Bevölkerungsgruppen und mehr Geduld vom Westen. „Es macht keinen Sinn, im Westen belehrend aufzutreten. Wir müssen den Staaten auch Zeit geben,“ so der frühere österreichische Botschafter in den USA. Auch die Trennung von Religion und Staat sei wichtig und historisch bewährt: „Seit 1945 gibt es in Österreich mehr oder minder keine Vertreter der Religionen im Parlament und ich glaube, es ist gut so,“ betonte Prosl. „Wir müssen darauf drängen: Religion ist Glaube und keine Ideologie oder schon gar nicht die Macht.“

Hinter den Konflikten müsse man aber auch die „konkreten, machtpolitischen Interessen“ erkennen, gab Gudrun Steinacker, Vizepräsidentin der deutschen Südosteuropa-Gesellschaft, zu bedenken. „Man sollte nicht beschönigen und verherrlichen, was in der Vergangenheit war, sondern akzeptieren, dass andere Religionsgemeinschaft einen anderen Blick auf dieselben Ereignisse haben.“




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