Letztes Update am Fr, 23.11.2018 09:26

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Laura Gibson und Dan Mangan: „Unsere Alben sind wie Zeitkapseln“



Wien (APA) - Das Album ist tot, versuchen derzeit Musikmanager und -experten sich und dem Publikum einzureden. Man sieht im Streamen einzelner Songs das Geschäft. Singer-Songwriter wie Laura Gibson und Dan Mangan, die beide am Donnerstag beim Blue Bird Festival in Wien auftraten, zeigen aber, wie viel Kraft in der doch nicht ganz toten Kunstform liegt. „Alben sind eine Art Zeitkapsel“, sagten sie im Interview.

Die 39-jährige Musikerin aus Oregon veröffentlichte kürzlich ein fantastisches Album: „Goners“ basiert auf Verlust und Schmerz, ist dunkel und intensiv, berührt und packt den Hörer wie ein gutes Buch den Leser - dieser will ja auch nicht nur einzelne, losgelöste Kapitel kennen. „Wenn man eine wirklich gute Idee hat, kommt man mit einem Song nicht aus“, meinte Gibson im Gespräch mit der APA. „Alben bieten Platz, Ideen intensiver nachzugehen. Und außerdem steht ein Album immer für eine bestimmte Zeit im Schaffen und Leben eines Künstlers. Man kann beim Hören immer wieder dorthin zurückkehren.“

Schon aus Sturheit bleibe er dem Album verbunden, schmunzelte Mangan und stimmte damit seiner Kollegin zu. „Ich bin ja mit Alben großer Künstler aufgewachsen.“ Aber er glaube auch an dieses Format: „Man schreibt über einen längeren Zeitraum Songs und fasst sie dann auf einem Album zusammen - das ist nicht nur für den Künstler, sondern auch für den Hörer spannend.“ Auf seiner aktuellen Arbeit „More Or Less“ verlässt sich der 35-Jährige aus Kanada erneut nicht auf Gewohntes. Nach einer Formel zu arbeiten, ist eben für beide Musiker undenkbar.

„Immer wenn ich glaube, mit einer klaren Idee an eine Sache heranzugehen, gehen die Lieder dann in eine ganz andere Richtung“, erzählte Gibson. Ihr Kollege berichtete über die Entstehung von „More Or Less“ ähnliches: „Ich stand über ein Jahr lang mit meinem Produzenten in Kontakt und habe ihm regelmäßig Demos geschickt. Er hat mich stets zum Weitermachen und tiefer Eintauchen ermuntert. Die meisten der Songs auf dem Album wurden erst am Schluss geschrieben. Mein Album ist ganz anders geworden, als ich am Anfang dachte. Man darf sich nicht auf eine Idee versteifen, das wäre nicht ehrlich.“

Mit „Goners“ geht Gibson konsequent ihren Weg der Selbstverwirklichung fort. Würde sie einen Druck spüren, Erwartungen befriedigen zu müssen, würde sie „dabei scheitern“, sagte sie. „Das würde nicht zu meinem Naturell passen. Ich könnte mich auch nicht wiederholen. Die Freude liegt darin, mich selbst herauszufordern und zu überraschen. Ich bin der glücklichste Mensch, wenn ich im Studio Dinge ausprobieren und erforschen kann - und dann dabei etwas herauskommt.“

Zwischen „schwierigeren“ Stücken findet man auf Gibsons Werken stets ein paar eingängigere Songs, die den Einstieg in das jeweilige Album erleichtern. „Das passiert meistens intuitiv“, betonte die Amerikanerin. „Ich hab so viele ruhige, intensive Songs. Da versuche ich immer, ein paar flottere, aufbauendere Lieder dazwischen einzustreuen. Ich habe allerdings früh gemerkt, dass mich die Leute genau deshalb mögen, weil ich so leise bin. Ich bin so unabhängig vom Radio, da kann ich alle Gedanken an die nächste Single weit nach hinten drängen.“

Auch wenn „Goners“ und „More Or Less“ grundverschieden sind, funktionieren sie gut miteinander und erinnern an Geschwister von unterschiedlichem Charakter. Dan Mangan findet das nur logisch: „Laura ist auf der Bühne der selbe Mensch wie später im Bus. Ich verfolge die selbe Philosophie: Ich schlüpfe nicht in eine Rolle, ich bin am liebsten auf der Bühne ich selbst. Wir zielen beide darauf, unsere Seele in unsere Lieder zu übertragen. Auch wenn unsere Stimmen und Songs anders sind, gibt es doch eine Verbindung zwischen uns.“

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - www.lauragibsonmusic.com; https://danmanganmusic.com)




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