Letztes Update am Fr, 23.11.2018 09:59

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski alpin: Alle jagen beim Speed-Saisonstart in Kanada Beat Feuz



Lake Louise (APA) - Mit der Abfahrt am Samstag in Lake Louise beginnt der Ski-Weltcupwinter auch für die Speed-Herren. Erstmals seit langem gehen nicht die seit Jahren hier dominierenden Norweger als Topfavoriten ins Rennen, vielmehr ist das diesmal der Schweizer Beat Feuz. Für Österreichs Asse wäre ein Podest ein Erfolg, der letzte ÖSV-Abfahrtssieg in Kanada liegt schon acht Jahre zurück.

2010 hat Michael Walchhofer als letzter Österreicher auf der heuer 3.120 Meter langen Piste „Men‘s Olympic“ im Banff National Park triumphiert. Heißestes ÖSV-Eisen ist am Samstag (20.15 Uhr MEZ, live ORF eins) wohl wieder Matthias Mayer. Der Kärntner musste sich Feuz im Vorjahr nur hauchdünn geschlagen geben.

Ein guter Start in die WM-Saison wäre auch Herrenchef Andreas Puelacher äußerst willkommen. „Das wäre sehr wichtig, weil man dann genau sieht, wo man steht. Ich hoffe jedenfalls auf faire Bedingungen“, sagte der Tiroler. Auch wenn beim Saisonstart in Nordamerika immer eigene Gesetze gelten, seien die Ergebnisse dort richtungsweisend, so Puelacher. „Man sieht, wer in Form ist und wer die Favoriten auf der Tour sind. In Europa ist es zwar dann immer etwas anders als hier. Aber es ändert nichts daran, wer die Guten sind.“

Dass Weltmeister Feuz nur schwer zu biegen sein wird, ist auch Puelacher klar. „Er hat diesmal schon im Training beeindruckend gezeigt, wozu er imstande ist. Normalerweise drückt er da ja noch nicht schon so richtig an.“ Unterkriegen werde man sich davon aber nicht lassen. „Wir konzentrieren uns auf uns. Beat ist stark gefahren, aber man muss das ja auch nicht überbewerten.“

Mayer ist in Kanada auch deshalb „heiß“, weil er in Lake Louise schon vier Mal Zweiter geworden ist. „Es wird schön langsam Zeit, dass ich einmal von ganz oben herunter lache“, zeigte der zweifache Olympiasieger Selbstbewusstsein.

Genieren müsse man sich für zweite Plätze nicht. „Das war fast jedes Mal hinter Leuten, die schon 20, 30 Weltcupsiege haben. Ich war vier Mal knapp dran, jetzt braucht es ein saubereres, lockeres Läufl“, sagte der 28-jährige Kärntner, der sich aber für den Super-G am Sonntag mehr erhofft.

Mayer hat zusammen mit Vincent Kriechmayr die letzte Saisonabfahrt in Aare gewonnen. „So anzufangen wie ich im Frühjahr aufgehört habe, wäre natürlich ein Traum“, sagte Kriechmayr, der in Schweden dann auch den Super-G für sich entschieden hatte. Er müsse dennoch am Boden bleiben. „Es war ein schöner Abschluss. Aber der Skisport entwickelt sich weiter, da darf man weder stehen bleiben noch zurückschauen“, warnte der Oberösterreicher.

Immerhin kennt er mittlerweile das Siegergefühl schon mehrfach. „Stimmt. Man lernt viel durch einen Sieg. Ich hoffe, ich auch.“ Die Karten seien am Saisonstart dennoch neu gemischt. „Wir werden alle erst am Wochenende sehen, wo wir wirklich stehen.“

Lake Louise ist für Kriechmayr eine „lässige“ Abfahrt, um in die Saison zu starten. „Nicht die schwerste. Aber du darfst sie auch nicht unterschätzen“, warnte er vor der Strecke mit hoher Durchschnittsgeschwindigkeit und hoher Sturzrate.

Mit Max Franz und Hannes Reichelt hat der ÖSV noch zwei weitere gute Karten, speziell Reichelt schielt aber schon auf den Super-G bzw. auf nächste Woche in Beaver Creek. „Auf dieser Strecke hier habe ich immer was zum Grübeln“, gestand er. Franz meinte: „Ich mag den Hang und die Rennen hier ganz gerne. Um hier vorne dabei zu sein, muss aber sehr viel zusammenpassen.“

Ob es in Lake Louise erstmals seit 2010 ein Wochenende ohne norwegischen Sieg gibt - die „Elche“ haben hier von den jüngsten 11 Rennen 9 gewonnen - , bleibt abzuwarten. Aksel Lund Svindal, mit acht Siegen nach wie vor der „König“ im kanadischen Naturparadies, war im Training trotz Daumenschiene und angeklebtem Skistock schnell, Jansrud probierte viel aus.

Feuz wiederum scheint sich in der neuen Rolle als Papa extrem wohlzufühlen, was vor allem seine Fabelzeit im zweiten Training unterstrich. „Hier stellt er sich auf die Ski und ist schnell. Es geht ihm alles leicht von der Hand“, weiß Reichelt. „Ich hoffe, wir können ihm dann wenigstens später in der Saison lästig werden.“ Für Kanada gelte: „Der Schweizer Wilderer hat die Elche ein bissl vor dem Visier.“




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