Letztes Update am Fr, 23.11.2018 12:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vinzenz Wohlwend wird neuer Abt des Bregenzer Klosters Mehrerau



Bregenz (APA) - Die Bregenzer Territorialabtei Wettingen-Mehrerau hat einen neuen Abt. Künftig wird der bisherige apostolischer Administrator Pater Vinzenz Wohlwend die Geschicke des Klosters leiten. Er war seit dem überraschenden Rücktritt von Abt Anselm van der Linde im Juli 2018 als Leiter eingesetzt. Wohlwend wurde vom Konvent zum Nachfolger gewählt, der Vatikan bestätigte diese Wahl nun.

Die 26 zur Wahl zugelassenen Mehrerauer Mönche traten am 19. September unter Anrufung des Heiligen Geistes zusammen und kürten in freier und geheimer Abstimmung Wohlwend zum Abt. Die Letztentscheidung lag dann beim Papst, der den neuen Abt per Dekret am Freitag bestätigte. Wohlwend ist damit der 54. Abt der Abtei Wettingen und der 11. Prior von Mehrerau. Die Abtweihe werde im Jänner 2019 stattfinden, teilte das Kloster Mehrerau in einer Aussendung am Freitag mit.

Wohlwend bedankte sich „bei meiner Klostergemeinde für das entgegengebrachte Vertrauen“. Im Wissen um die Größe und Bedeutung der neuen Aufgabe habe er die Wahl angenommen und werde sein Amt „in Demut gegenüber Gott und den mir Anvertrauten wahrnehmen“. „Bernhard von Clairvaux sagte: ‚Die Liebe nimmt die Furcht hinweg.‘ Daran möchte ich mich in Hinblick auf all das, was an Neuem auf mich zukommt, halten“, so der neue Abt, der sich zudem für die Unterstützung bedankte, die ihm in seiner Funktion als Administrator entgegengebracht wurde.

Wohlwend wurde am 15. Oktober 1969 als zweites von vier Kindern in Grabs (Kanton St. Gallen) geboren und wuchs in Schaan (Liechtenstein) auf. Von 1981 bis 1989 besuchte er das Gymnasium der Zisterzienser in der Mehrerau. Nach der Matura studierte er Theologie in Salzburg, im schweizerischen Einsiedeln und Benediktbeuern (Bayern). 1990 begann er als Novize in Mehrerau, 1994 legte er die feierliche Profess ab. Von 1997 bis 2009 arbeitete er als Erzieher am Collegium Bernardi, seit 1999 war er dort Religionslehrer. Zum Priester wurde er am 19. September 1998 geweiht. 2009 wurde Wohlwend von Abt Anselm van der Linde als Prior und Novizenmeister beauftragt. Nach dessen Rücktritt im Juli 2018 wurde Pater Vinzenz als apostolischer Administrator eingesetzt.

Der Abt der Territorialabtei Wettingen-Mehrerau steht als Abtpräsens insgesamt 21 Zisterzienser-Klöstern - sieben Männer- und vierzehn Frauenabteien - in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, den USA, Tschechien und Slowenien vor und ist kirchenrechtlich direkt dem Heiligen Stuhl in Rom unterstellt. Der Abt hat eine Rechts- und Verwaltungshoheit, die einem Diözesanbischof vergleichbar ist. Der Mehrerauer Abt hat zudem einen Sitz in der Österreichischen Bischofskonferenz.

Der gebürtige Südafrikaner Pater Anselm von der Linde hatte Mitte Juli 2018 überraschend angekündigt, die Leitung des Konvents in neue Hände übergeben zu wollen. Der Missbrauchsskandal, der auch die Zisterzienserabtei betraf, habe ihn persönlich zutiefst erschüttert und ihn viel Kraft gekostet, so Van der Linde. Der Papst nahm seinen Rücktritt am 1. August 2018 an. Van der Linde blieb bis zur Bestellung eines neuen Abtes de jure im Amt.

Der Ursprung der Abtei geht auf Graf Ulrich X. von Bregenz zurück, der einen päpstlichen Schutzbrief für ein neu zu gründendes Benediktinerkloster erhielt. 1090 übersiedelte das Kloster vom Bregenzerwald an den Bodensee. 1806 wurde es durch die Bayern säkularisiert, in den folgenden Jahrzehnten gingen viele Kunstschätze, Urkunden und Bücher verloren. Erst 1854 kehrte geistliches Leben zurück, als sich der Konvent der 1841 im Kanton Aargau aufgehobenen Zisterzienserabtei Wettingen in Bregenz niederließ. Abt Leopold Hoechle baute die Kirche wieder auf und gründete eine Schule - das heutige Collegium S. Bernardi. Zu den Schätzen der Abtei Mehrerau zählt u.a. die Originalpartitur der Schweizer Nationalhymne („Schweizerpsalm“). Neben ihrer seelsorgerischen Arbeit und der Schule kümmern sich die Mönche auch um klösterliche Betriebe wie den Klosterkeller, eine Energiezentrale oder um eine Schreinerei. Der Wahlspruch der Abtei lautet: „non mergor“ (lat. „ich gehe nicht unter“).




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