Letztes Update am Fr, 23.11.2018 12:44

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brexit - Stichwort: Gibraltar - Felsen des Anstoßes am Mittelmeer



Gibraltar (APA/dpa) - Das britische Gibraltar an der Südspitze der Iberischen Halbinsel ist seit mehr als drei Jahrhunderten ein Zankapfel zwischen London und Madrid. Mit 6,5 Quadratkilometern ist das Gebiet nur etwa so groß wie der Wiener Gemeindebezirk Währing.

Im einst strategisch bedeutenden „Klein-Britannien“ am Eingang des Mittelmeeres leben 35.000 Menschen meist spanischer, portugiesischer oder marokkanischer Herkunft. Der Tourismus ist der bedeutendste Wirtschaftssektor - noch vor den Finanzdienstleistungen in dem Steuerparadies.

Der britische Admiral George Rooke hatte den rund 400 Meter hohen Kalkfelsen 1704 im Spanischen Erbfolgekrieg erobert. Im Friedensvertrag von Utrecht wurde Gibraltar 1713 auch offiziell den Briten zugesprochen. Nach dem Vertrag steht Spanien das Recht des ersten Zugriffs zu. Dieses käme zur Anwendung, falls London auf seine Hoheitsrechte verzichtete.

Dem Bourbonen-König Philipp V. (1683-1746, König von Spanien 1700-1746) wird der Satz zugeschrieben: „Wie mit Dornen in den Füßen müssen wir Spanier leben, solange Gibraltar zu England gehört.“ Madrid erneuerte im Laufe der Zeit immer wieder seinen Anspruch auf Gibraltar, das 1830 britische Kronkolonie wurde.

Als London der Besitzung 1969 eine Verfassung mit Autonomierechten gab, antwortete Spaniens Diktator Francisco Franco (Regierungszeit 1939-75) mit einer Blockade, die erst 1982 gelockert wurde. Spanien hat seine Ansprüche auf das Territorium allerdings bis zum heutigen Tag nicht aufgegeben. So kämpft es dagegen, dass die EU mit dem Brexit-Abkommen indirekt die britische Oberhoheit über Gibraltar festschreibt.

Ein Problem für Madrid ist, dass die Bewohner Gibraltars nichts von einer Vereinigung mit Spanien wissen wollen. Bei einem Referendum im Jahr 2002 stimmten 99 Prozent der Bewohner für einen Verbleib bei Großbritannien. Spätere Versuche der beiden Regierungen, das Problem mit einer gemeinsamen Verwaltung zu lösen, verliefen nicht zuletzt wegen des Widerstandes der Gibraltarer im Sande.

Die Bewohner Gibraltars gelten als besonders stolze Untertanen der britischen Krone. Von der EU-Austrittsbewegung auf der Insel ließen sie sich aber nicht anstecken. Beim Referendum am 23. Juni 2016 stimmten 95,9 Prozent der Stimmbürger für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU. Der Brexit stellt nämlich die wirtschaftlichen Grundlagen Gibraltars infrage, das stark von Einkaufstouristen und Arbeitskräften aus dem benachbarten Spanien abhängig ist. Völlig unklar ist auch, wie es mit dem Finanzsektor Gibraltars nach dem EU-Austritt weiter gehen wird.

Im Altertum galt Gibraltar als eine der „Säulen des Herakles“. 711 wurde Gibraltar von den muslimischen Arabern und Berbern eingenommen. Der Name Gibraltar stammt aus dem Arabischen - Jebel al-Tariq („Berg des Tarik“) -, nach dem maurischen Feldherrn Tariq ibn Ziyad. Die Muslime beherrschten Gibraltar mit einer kurzen Unterbrechung bis zur Wiedereroberung der iberischen Halbinsel durch christliche Mächte (Reconquista) 1492.

Die berühmtesten Bewohner der Kronkolonie am Eingang des Mittelmeeres dürften die dort frei lebenden Affen sein. Nach der Legende bleibt Gibraltar so lange britisch, wie sich die Kolonie der Makaken auf dem Felsen hält.

( 1170-18, 88 x 72 mm)




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