Letztes Update am Fr, 23.11.2018 13:26

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Kultur schafft urbane Zukunft“: Einreichungsstart für „Graz 2020“



Graz/Wien (APA) - Das Rennen um die Zukunft ist eröffnet. Gestern, Donnerstag, Abend wurde in der steirischen Landeshauptstadt die Ausschreibung für das „Graz Kulturjahr 2020“ rund 150 Exponenten aus der Grazer Kunst- und Wissenschaftsszene vorgestellt, heute präsentierten der Grazer Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP), Kulturjahr-Manager Christian Mayer sowie Beiratsmitglieder ihre Ideen vor Journalisten in Wien.

„Kultur schafft urbane Zukunft“ ist das Motto, unter dem Graz Einzelpersonen und Institutionen einlädt, sich in konkreten Projekten Gedanken darüber zu machen, „wie wir in 20 oder 30 Jahren in Graz leben wollen“, wie es Riegler formulierte. Angesichts einer rasch wachsenden Stadt (laut dem Stadtrat von 220.000 auf 285.000 Einwohner innerhalb der vergangenen 15 Jahre) wolle man die Menschen einladen, „mit uns zu diskutieren, wie die Stadt der Zukunft aussehen soll“. 17 Jahre nach dem Kulturhauptstadtjahr 2003 sei es „wieder einmal Zeit, innezuhalten und Fragen zu stellen“. Man habe aber kein neues Festival initiieren wollen.

„5 Mio. Euro frisches Geld“ - und damit ein Zehntel des normalen Budgets für Kultur- und Wissenschaft - stehen für den seit gestern laufenden Call als Programmbudget zur Verfügung, weitere 700.000 Euro sind laut Riegler für Organisation und Marketing vorgesehen. Obwohl Nachhaltigkeit bei den Projekteinreichungen ein wesentliches Kriterium ist, sind in den Folgebudgets noch keine Kosten für aus dem Kulturjahr entstehende neue Initiativen vorgesehen, „aber wir bemühen uns darum, das Kulturbudget im Verhältnis zum Gesamtbudget wieder steigen zu lassen“, sagte der Stadtrat, der einen Anteil von rund 5 Prozent und künftige Steigerungsraten von 3 Prozent anpeilt: „Das Bekenntnis dazu gibt es.“

Die Einreichfrist endet am 18. März 2019. Bis Juni will der Programmbeirat - darunter Droschl-Verlagsleiterin Annette Knoch, Monika Pessler, die Direktorin des Sigmund Freud Museums, MAK-Generaldirektor Christoph Thun-Hohenstein und Darrel Toulon, der Ex-Ballettdirektor der Oper Graz - über die Einreichungen entschieden haben. „Wir werden sehr viel Sitzungszeit miteinander verbringen“, meinte Mayer, der sich jedoch auf keinerlei Prognosen, die voraussichtliche Zahl der dann zur Umsetzung empfohlenen Projekte betreffend, einlassen wollte. Im Juli sollen die Projekte dann in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause beschlossen werden.

„Im Hinblick auf die Komplexität unserer Lebenswelt und der Dependenzen unserer Alltagsrealitäten ermutigt das Grazer Kulturjahr 2020 zur Entwicklung visionärer Ideen und Entwürfe“, heißt es im Ausschreibungstext. Die im Call angesprochenen Themen reichen von „Migration und Diversität bis hin zu den Auswirkungen der Digitalisierung“: „Die Menschen sind mit vielgesichtigen, teils stark gegensätzlichen Alltagsrealitäten konfrontiert, insbesondere im Hinblick auf soziale und kulturelle Unterschiede, begrenzten und leistbaren Wohnraum, Klimawandel und Schutz vor Umweltkatastrophen, Entwicklungen in Bildung, Gesundheit, Mobilität, erneuerbarer Energieversorgung, Ernährung, digitalen Raum u.v.m.“

Christian Mayer sprach zwar von einem „Bottom-up-Prozess“ bei der Ideenfindung, betonte aber auf Nachfrage: „Es ist kein Bürgerbeteiligungsprojekt!“ Gesucht sind „innovative, interdisziplinäre und/oder partizipative Projekte aus Kunst und Wissenschaft“, die auch der Diversität der Stadt gerecht werden. Der Call richte sich vor allem an die Grazer Szene. Lokale Partner vorausgesetzt, ist man aber auch für nationale und internationale Einreichungen offen. Besonders erwünscht sind Kooperationen. Für die beiden großen Stadtentwicklungsprojekte Reininghaus und Smart City erhofft sich Riegler inhaltliche und zukunftsweisende Anregungen, will aber das Kulturjahr 2020 nicht vorzugsweise dort stattfinden lassen: „Da werden wir möglicherweise ein eigenes Budget brauchen.“

(S E R V I C E - www.kultur.graz.at/2020)




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