Letztes Update am Fr, 23.11.2018 13:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Digitaler Wandel sitzt Bankern im Nacken



Wien (APA) - Der digitale Wandel kostet in den Banken Jobs. Weiter rückläufig sein wird die Beschäftigung voraussichtlich im Zahlungsverkehr, bei Retailkundenbetreuung oder im Treasury. Neue Jobs entstehen bei IT, Datenmanagement oder Produktentwicklung. Die Banken müssen ihre Filialkonzepte überdenken. Um ihre Daseinsberechtigung zu haben, müssen neue Geschäftsmodelle her. Das besagt eine Studie von KPMG.

„Die zündende Idee, wie ein neues Narrativ aussehen soll, sehen wir noch nicht“ beklagten die Vorsitzende der Privatangestelltengewerkschaft GPA-djp, Barbara Teiber, und die Vizedirektorin der Arbeiterkammer Wien, Maria Kubitschek, am Freitag vor Journalisten. Bis jetzt werde hauptsächlich an Arbeitsplätzen gespart, würden Filialen zugesperrt. „Für uns kein nachhaltiges Geschäftsmodell.“ Diese Entwicklung nähre Widerstand bei den Betroffenen und die Skepsis, ob der digitale Wandel gelingen kann.

Im Auftrag von AK und GPA-djp hat das Beratungsunternehmen KPMG zwischen März und August 2018 eine Studie erstellt. Ermittelt werden sollte, in welchen Bankbereichen neue Beschäftigung entsteht und wo es weiter abwärts geht. Vier Technologien - nämlich Künstliche Intelligenz, Biometrie, Blockchain und Cloud - werden nach Angaben des KPMG-Experten und Autors Alexander Lippner Betrieb und Vertrieb und damit die ganze Wertschöpfungskette der Banken beeinflussen.

Kaum ein anderer Wirtschaftsbereich steckt bereits tiefer im digitalen Wandel als die Banken. Monotone und Routine-Arbeiten würden automatisiert. Immer mehr Back-office-Aufgaben können Maschinen erledigen: In der Bilanzanalyse für das Kreditrisiko könne, so prognostiziert die KPMG-Studie, beispielsweise ein Bot Bilanzinformationen sammeln und auswerten, Künstliche Intelligenz die Analyse übernehmen. Was der Bilanzanalyst mit der freiwerdenden Zeit mache, werde von seiner Begabung abhängen, meint Lippner. Er könne die Firmenkundenberatung unterstützen, in andere Branchenzuständigkeiten wechseln oder selber in die Steuerung der neuen Technologie einsteigen. Künstliche Intelligenz werde aber nie Letztentscheidungen treffen, sagte der KPMG-Experte. Dennoch brauche es eindeutige Haftungsregeln in der Mensch-Maschine-Kommunikation.

„Es werden Jobs wegfallen, aber neue Beschäftigungen entstehen“, ist man bei KPMG überzeugt. „Wir sehen, was den österreichischen Markt betrifft, keine revolutionäre Entwicklung, sondern eher eine evolutionäre.“ In den letzten 10 bis 15 Jahren hätten Finanzkrise, regulatorische Flut, Strukturänderungen und Filialschließungswellen viel verändert. Seit 2008 sind in Österreich unterm Strich rund 6.000 Bankjobs abgebaut worden. Die Arbeitnehmervertreter hoffen, dass nach den letzten großen Abbauschritten in Großbanken jetzt der Turnaround erreicht ist. Dazu bedürfe es aber schon jetzt gezielter Maßnahmen, um die Beschäftigungsfähigkeit sicherzustellen.

„Unsere Banken sind keine anonymen High-Tech-Burgen“, sondern bauen auf Beziehungen von Menschen auf, befand die Gewerkschafterin Teiber. Deshalb werde man auch darauf achten, welche Geschäftsmodelle gefördert werden. Aus eigenen Kassen macht gerade die AK in den nächsten fünf Jahren 150 Mio. Euro für zwei „Digitalisierungs“-Fonds locker: Einer wird ein Qualifizierungsfonds, der andere ein Projektfonds, der Innovationen entwickeln hilft. Weil sich die Jobprofile dramatisch änderten, brauche es ganz massive Investitionen in die Qualifizierung von Mitarbeitern. Auch sollte auf unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten abgestellt werden. Unter den Bankmitarbeitern sind nämlich überdurchschnittlich viele ältere Mitarbeiter. Auch Lernzeit müsse Arbeitszeit sein, fordern Gewerkschaft und AK.

Große Tech-Konzerne drängen derzeit ins Bankgeschäft und zwingen die klassischen Finanzhäuser, ihre Geschäftsmodelle zu ändern - und dies in rasantem Tempo, sagte KPMG-Experte Lippner. Ein Muster für innovative Tech-Modelle in einer „Bank 2025“ sieht er unter anderen auch in einer „unsichtbaren Bank“, wo Finanzdienste automatisch im Hintergrund laufen. In Singapur etwa komme eine Lebensmittelhandelskette ohne Bezahlvorgang aus, da das Zahlungssystem mit dem Regalsystem verbunden ist. Betrieben wird das System von einer Bank, die Dienstleister für diese Einzelhandelskette ist. Auch FinTechs machen Banken Geschäfte streitig. FinTechs könnten für Kleinstlösungen Vorreiter sein, nicht aber für den breiten Einsatz. „Es wird kein FinTech die österreichische Bankenlandschaft revolutionieren“, prognostiziert der KPMG-Berater. „Acht von zehn FinTechs wollen mit Banken kooperieren.“

~ WEB http://www.arbeiterkammer.at

http://www.gpa-djp.at/ ~ APA280 2018-11-23/13:30




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