Letztes Update am Fr, 23.11.2018 16:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Otto Waalkes als „Grinch“: „Die achten auf jeden Puster, jeden Atmer“



Wien (APA) - Man kennt ihn als liebenswürdigen Blödler, gern mit Gitarre zur Hand, und natürlich als Faultier Sid in der „Ice Age“-Reihe. Nun hat Komiker Otto Waalkes zwar nicht das Metier gewechselt, aber die Seiten: In der Animationskomödie „Der Grinch“ (ab 29.11. im Kino) zeigt er sich griesgrämig und will nichts weniger als Weihnachten stehlen. Wie das zu seinem Charakter passt, verrät er im APA-Interview.

APA: Sie sind ja für Ihre gute Laune bekannt. Wie schwer war es, sich in den stets schlecht gelaunten Grinch hineinzufühlen?

Otto Waalkes: Es war nicht einfach am Anfang. Ich musste erst den Ausstieg wagen von diesem charmanten Charakter aus „Ice Age“, um plötzlich in diesen kleinen niederträchtigen, hinterhältigen, vermeintlich bösen Charakter einzusteigen. Das hat aber ganz gut funktioniert. Das erkennt man auch im Film: Hinter dieser rauen Schale klopft ja ein weiches Herz. Dieser Gesinnungswandel, der später in Erscheinung tritt, den wollte ich gerne mitspielen. Das war eine große Herausforderung für mich. Die Schwierigkeit ist, dass es miteinander verwächst. Du musst den Zuschauer mit der Stimme überzeugen, dass es ein Wesen ist.

APA: Haben Sie die Buchvorlage oder eine Verfilmung zuvor gekannt?

Waalkes: Ja. Der Realfilm mit Jim Carrey war natürlich ein ganz eigenständiges Werk und hat auch einen ganz anderen Charakter. Hier ist er sehr liebevoll-verspielt, seine Liebe zu Weihnachten blitzt immer wieder durch. Das ist angenehmer und gefällt mir in der animierten Version wesentlich besser - besonders weil Otto mitspricht. (lacht) Es hat mir echt Spaß gemacht, das muss ich zugeben. Wenn du wochenlang in Synchronstudios sitzt, und dann kommt diese Figur. Du sitzt in dem Raum, davor Regisseur und Tonmann, dahinter sitzt eine von Universal, dann noch eine Synchronregie neben dir: die achten auf jeden Puster, jeden Atmer! (verstellt die Stimme, Anm.) ICH HABE EINEN PLAN. Nein, das können Sie besser. ICH HABE EINEN PLAN! Nein, das gefällt uns nicht so. ICH HABE EINEN PLAN, EH EH EH (macht Otto-Lacher, Anm.) Ja, genau! So läuft das ab, dass man immer mehr Otto-Spezifisches einfließen lässt. Man hat mir da ziemlich viel Freiraum gelassen. Es ist ja auch eine sehr schlanke Erzählweise.

APA: Sie sind mittlerweile ein alter Hase im Synchrongeschäft. Bleiben die Aufgaben dennoch spannend und herausfordernd für Sie?

Waalkes: Immer wieder! Das sind Jobs, die man so nebenbei mal mitnimmt - als Bestätigung für das, dass du viel richtig gemacht hast. Es ist auch eine Bereicherung für mich, diesen Wesen einen Geist einzuhauchen. Das Verrückte ist: Es rutscht immer ein neues Publikum nach, neue Schichten, neue Generationen. Das macht das Ganze so langlebig. Das ist schon sehr unterstützend. Ich mache es gern.

APA: Timing ist in der Komik unglaublich wichtig. Wie kann man der Figur einen eigenen Stempel aufdrücken, wenn das Original eigentlich eine englischsprachige Produktion ist?

Waalkes: Sehr schwierig, das ist eine große Herausforderung. Die Amerikaner bekommen den Text vorgelegt, lesen ihn, und danach wird dann animiert. Das ist lippensynchron! Wir bekommen dieses Projekt später zugespielt und müssen versuchen, die Stimme genau darunter zu legen, damit es glaubwürdig ist. Deswegen gehen wir Schritt für Schritt, Take für Take vor. Jeder Atmer, jeder Huster! Du wirst wahnsinnig, aber wir kriegen das hin. Da gibt es Experten in den Synchronstudios, die dir Vorschläge machen. Ich bin ja eigentlich kein Synchronsprecher. Mein Hauptjob ist ja: Ha ha, Hollaäriddi! Das darf man nicht vergessen.

APA: Sie haben auch selbst immer wieder gern zum Zeichenstift gegriffen. Finden Sie es schade, dass heutzutage im Kino und Fernsehen Computeranimationen den Ton angeben?

Waalkes: Ganz im Gegenteil, das ist eine Bereicherung, diese neue Dimension, die hinzukommt. 2D funktioniert auch immer noch, es kommt auf die Inhalte an. Der Rahmen ist derselbe, aber die Inhalte passen sich dem neuen Zeitgeist an. So ist es auch mit dem Humor. Im Rahmen der gesellschaftlichen Veränderungen passiert auch, dass der Humor sich verändert. Das ist immer wieder interessant festzustellen. Beim technischen Fortschritt ist es genauso. Das ist doch wunderbar! Das kann den Inhalt, sofern er gut ist, noch bereichern.

APA: Und wenn wir schon beim Thema Weihnachten sind: Was ist zu dieser Jahreszeit für Sie ein unbedingtes Muss?

Waalkes: Auf keinen Fall fehlen darf ein Kinobesuch des Films „Der Grinch“, denn sonst kann ich sehr böse werden. (lacht) Genau, das ist ein guter Wunsch!

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - www.dergrinch.at)

(A V I S O - Die APA wird voraussichtlich morgen, Samstag, ein Video zum Interview versenden.)




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