Letztes Update am Sa, 24.11.2018 12:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukraine entzog Russland-treuem Kloster das Nutzungsrecht



Kiew (APA/dpa) - Das ukrainische Justizministerium hat dem Moskauer Patriarchat das Nutzungsrecht für das orthodoxe Kloster Potschajiw in der Westukraine entzogen und damit Kritik in Russland ausgelöst. Der Leiter des Außenamts des Patriarchats, Erzpriester Nikolai Balaschow, sagte am Samstag der Nachrichtenagentur Tass: Dies deute „auf den Beginn einer Verfolgung von orthodoxen Mönchen in der Ukraine“ hin.

Die Regierung in Kiew will über eine Kirchenvereinigung eine von Moskau unabhängige orthodoxe Kirche schaffen. Die russisch-orthodoxe Kirche wehrt sich dagegen. Skrupellose Politiker versuchten Gläubige, in eine glaubensferne Organisation zu drängen, sagte Balaschow. Trotz der Entscheidung des Justizministeriums bleibe die Nutzung des Klosters rechtmäßig.

Das maßgebliche Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel unterstützt die Wiedervereinigung der in drei Kirchen gespaltenen ukrainischen Orthodoxie. Es plant, einer vereinten Landeskirche die Autokephalie (Eigenständigkeit) zu verleihen. Angesichts des Krieges in der Ostukraine zwischen von Moskau unterstützten Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen war der Ruf nach einer von Russland unabhängigen orthodoxen Kirche lauter geworden. Die bedeutendste Spaltung der Orthodoxie in der Ukraine besteht seit 1991, als sich im Zuge der Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion das Kiewer Patriarchat in Konkurrenz zum Moskauer Patriarchat gründete.

Das Kloster Potschajiw bestand auch zu Sowjetzeiten fort. 2003 hatte der damalige ukrainische Ministerpräsident Viktor Janukowitsch das Gelände für 49 Jahre zur kostenlosen Nutzung dem Moskauer Patriarchat übergeben. Am Freitag hatten die ukrainischen Behörden diese Übergabe für „gesetzeswidrig“ erklärt, ohne Details zu nennen.

Das unter Denkmalschutz stehende Kloster in Potschajiw etwa 100 Kilometer östlich von Lwiw (Lemberg) gehört zu den vier heiligsten Orten der Russischen Orthodoxen Kirche. Den Ehrentitel „Lawra“ tragen sonst nur noch das Dreifaltigkeits-Kloster in Sagorsk bei Moskau, das Höhlenkloster in Kiew und das Alexander-Newski-Kloster in St. Petersburg. 2014 nach dem Sturz Janukowitschs hatten ukrainische Nationalisten vergeblich versucht, in das Kloster einzudringen. Nun wird ein neuer Versuch einer gewaltsamen Übernahme befürchtet.




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