Letztes Update am Sa, 24.11.2018 13:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Slayer vor 14.500 Fans in Wien: Feuriger Abschied der Thrash-Instanz



~ --------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA133 vom 24.11.2018 muss es im letzten Satz des dritten Absatzes richtig heißen: „...und Ur-Drummer Dave Lombardo zum ersten Mal ausgestiegen war (2013 dann endgültig).“ Damit wird klargestellt, dass Lombardo beim Wien-Konzert 1994 nicht dabei war. --------------------------------------------------------------------- ~ Wien (APA) - Es war die ultimative akustische Härte: Als sich Slayer am 28. November 1994 bei ihrer Wienpremiere durch eine 19 Songs umfassende Setlist knüppelten, bebte das ohnehin fragil wirkende BA-Zelt bedrohlich. Die Location ist längst Geschichte, die Band demnächst auch. Ihre letzte Tour führte die Thrash-Instanz am Freitag in die volle Stadthalle der Bundeshauptstadt - es wurde ein feuriger Abschied.

Slayer haben Anfang der 80er-Jahre - fast zeitgleich mit den noch ungehobelten Metallica und den britischen Finsterlingen Venom, die man aber nie ganz ernst nehmen konnte - angefangen, Heavy Metal dreckiger, derber, lauter und schneller zu spielen. Schwarze Kluft, Ketten, Stachelarmbänder, wildes Headbangen und ein Schuss Satanismus festigten das Image der Truppe aus Kalifornien. Venom sind bald mehr oder weniger verschwunden, Metallica erzwangen mit dem „Black Album“ den Durchbruch in den Mainstream und Slayer blieben, trotz unterschiedlicher Phasen, immer Slayer.

So war auch beim gestrigen, mit 14.500 Fans ausverkauften, zweitgrößten Konzert der finalen Europatournee keine Melancholie angesagt. Zwar raunte Sänger und Bassist Tom Araya, der seit einiger Zeit aus Gesundheitsgründen sein Haupt nicht mehr wild zur Musik kreisen darf, ein- oder zweimal, dass er sein Publikum vermissen werde, aber sonst ging es knallhart unsentimental zur Sache. „Repentless“ und Feuersäulen eröffneten das Programm, das wie seinerzeit aus 19 Songs bestand, elf davon waren schon 1994 zu hören, als Jeff Hanneman (tot) neben Kerry King die Gitarre malträtierte und Ur-Drummer Dave Lombardo zum ersten Mal ausgestiegen war (2013 dann endgültig).

Spätestens als die Band in der Mitte des Sets bei „Postmortem“ ankam, untermauerten die baldigen Frühpensionisten, dass sie in Sachen akustischer Härte immer noch das Attribut „ultimativ“ verdienen. Wie Slayer das Tempo steigerten, wechselten und das Gaspedal schließlich voll durchdrückten, war eine Lehrstunde für die nächsten Generation von Schwermetallern. King - schlag nach unter „Thrash Metal“ im Lexikon und du findest ein Bild von ihm - und Gary Holt (seit 2011 live dabei) ließen ein Riff-Dauerfeuerwerk vom Stapel, Paul Bostaph drosch gnadenlos auf sein Schlagzeug ein, Araya brüllte - und hinter aller Brutalität steckte musikalische Qualität und Originalität.

So protzig-kräftig Beiträge aus der späteren Schaffensphase der Band daherkamen („Hate Worldwide“ etwa), das ausschließlich aus Songs der ersten fünf Alben bestehende furiose Finale machte den Abschied erst richtig schwer - vom psychotischen „Season In The Abyss“ über „Hell Awaits“ (noch mehr Feuer!) bis zum berüchtigten Speedkiller „Angel Of Death“ (mit Hanneman-Würdigung). Da brachten Slayer ihre Trademarks und Stärken auf den Punkt. Würdiger kann eine Rockband nicht abtreten - sich bis zum Schluss treu und relevant geblieben.

(S E R V I C E - www.slayer.net/)




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