Letztes Update am Sa, 24.11.2018 17:56

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukrainer erinnern an Hungersnot vor über 80 Jahren



Kiew (APA/dpa) - In der Ukraine ist mit Kranzniederlegungen und Gedenkfeiern an die große Hungersnot der Jahre 1932/33 mit mehreren Millionen Toten erinnert worden. Präsident Petro Poroschenko stellte am Samstag am Mahnmal für die Hungertoten Kerzen auf und legte Blumengebinde nieder.

Die historische Verantwortung für die Hungersnot liege bei Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion, schrieb Poroschenko auf seiner Facebookseite. „Dieses Verbrechen hat keine Verjährungsfrist.“ Russland habe jüngst erneut die Ukraine angegriffen. Doch diesmal werde es dem Kreml nicht gelingen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen.

Das Verhältnis zwischen beiden Ländern ist wegen der 2014 von Russland annektierten Krim und der Ostukraine, wo Moskau aus westlicher Sicht die prorussischen Separatisten militärisch unterstützt, zerrüttet.

Nach den Worten Poroschenkos will die Ukraine ein vollwertiges Mitglied der EU und der NATO werden. Eine entsprechende Aufnahme in die Verfassung ist vom Gericht und vom Parlament in erster Lesung bereits bestätigt worden. Es werde keine Hungersnot (ukrainisch „Holodomor“) mehr geben, versicherte Poroschenko.

Ukrainische Wissenschaftler schätzen die Zahl der Hungertoten zur Hochphase der Kollektivierung der Landwirtschaft auf drei bis vier Millionen. Getreidevorräte der Bauern wurden eingezogen, um den damals aufgestellten Plan zu erfüllen. Wegen der Weltwirtschaftskrise und der damit verbundenen niedrigen Agrarpreise konnten nicht die festgeschriebenen Exporterlöse erzielt werden. Nach Kiewer Lesart wollte Sowjetdiktator Josef Stalin mit der Aktion Millionen ukrainische Bauern als Träger des ukrainischen Nationalismus kleinkriegen.

Kiew strebt eine internationale Anerkennung der Hungersnot als Genozid am ukrainischen Volk an. Kritiker des Vorhabens verweisen auf die parallele Hungersnot in Kasachstan und Südrussland mit über vier Millionen Toten.




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