Letztes Update am Mo, 26.11.2018 12:35

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


GPA: Junge gehen optimistisch in Arbeitswelt, dann folgt Ernüchterung



Wien (APA) - Junge Menschen sind durchaus optimistisch beim Eintritt in die Arbeitswelt und haben hohe Erwartungen, denen aber schnell Ernüchterung folgt. Zu diesem Ergebnis kommt eine IFES-Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft GPA-djp. Berufliche Wünsche und Realität klaffen oft recht weit auseinander. Zudem zeigt sich, dass es nach wie vor geschlechtsspezifische Diskrepanzen gibt.

„Schon in jungen Jahren befürchten Frauen einen schlechteren Start in die Arbeitswelt als Männer“, sagte IFES-Projektleiter Georg Michenthaler am Montag bei der Vorstellung der Umfrage unter 500 Berufstätigen sowie 300 Personen in Ausbildung (jeweils zwischen 18 und 30 Jahren).

Während 18 Prozent der Männer befürchten, nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung nur schwer eine gute Arbeitsstelle zu finden, sind es bei den Frauen deutlich mehr, und zwar 28 Prozent. Unter den bereits berufstätigen Befragten gaben 22 Prozent der Männer an, dass es schwer war, diesen Job zu finden. Bei den Frauen waren es 29 Prozent.

Auch bei den Wegen, wie eine Arbeitsstelle gefunden wird, gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen finden Jobs am ehesten über Inserate (40 Prozent), Männer über ihr soziales Netzwerk wie Bekannte und Verwandte (34 Prozent).

Grundsätzlich zeigt sich, dass 18- bis 30-Jährige mehrheitlich optimistisch in die Arbeitswelt eintreten. Doch nicht alle Erwartungen werden erfüllt, vor allem in Bezug auf Gehalt, Arbeitszeit und der Vereinbarkeit zwischen Job und Privatleben, ergab die Umfrage. Ein Viertel findet, dass der Job eher weniger bis gar nicht mit den außerberuflichen Interessen und Verpflichtungen vereinbar ist. 42 Prozent würden den Angaben zufolge aufgrund zu langer Arbeitszeit sogar kündigen.

Unterschiede zwischen Wunsch und Realität herrschen auch punkto Bezahlung: Die Hälfte der Befragten sieht ihre Gehaltsvorstellungen nicht erfüllt. Auch hier sehen Frauen ihre Wünsche weniger erfüllt als Männer.

Die bevorzugte Wochen-Arbeitszeit liegt bei 35 Stunden. Tatsächlich arbeiten die Jungen im Schnitt 37,3 Stunden, wobei Männer (39,3) durchschnittlich länger arbeiten als Frauen (35,7). „Das zeigt, dass die Bundesregierung diametral gegen die Interessen der Jungen Politik macht“, sagte die Vorsitzende der GPA, Barbara Teiber, in Anspielung auf das neue Arbeitszeitgesetz, das 12-Stunden-Tage erlaubt. In diesem Zusammenhang forderte Teiber einmal mehr eine Korrektur des Gesetzes zumindest in einigen Punkten. So sollte die Möglichkeit eines 12-Stunden-Tages auf 15 Mal im Jahr beschränkt werden und den Beschäftigten mehr Selbstbestimmung beim Abbau von Zeitguthaben und eine 4-Tage-Woche eingeräumt werden.

Gefragte Jobs seien solche mit gut geregelten Arbeitszeiten und guter Bezahlung, etwa die Pharma- und Chemiebranche, die Elektro- und Elektronikindustrie bzw. die Industrie generell. „Also überall dort, wo die Gewerkschaften stark sind“, so Teiber. Zudem zeige die Umfrage, dass Personen mit Lehre oder Fachschule leichter einen Job fanden als solche mit Matura oder Uni-Abschluss.

In Berufen, in denen die Arbeitszeiten schwierig seien, wie in der Pflege oder der Gastronomie und Hotellerie, gebe es „keinen Run“ von jungen Menschen, räumte Teiber ein.

Die GPA-djp startet mit heute, Montag, eine Aktionswoche vor Schulen, Unis und Lokalen, um Tipps für den neuen Job zu geben und über Rechte zu informieren. „Junge sollen sich nicht unter Wert verkaufen“, sagte Teiber.

~ WEB http://www.gpa-djp.at/ ~ APA244 2018-11-26/12:31




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