Letztes Update am Do, 06.12.2018 10:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bei Protesten in Kuba: Künstlerin Bruguera dreimal verhaftet



Havanna (APA/AFP) - Die kubanische Künstlerin und Aktivistin Tania Bruguera ist am Mittwoch in Havanna zum dritten Mal innerhalb von drei Tagen verhaftet worden. Die 49-Jährige hatte sich gerade auf den Protest gegen ein von vielen Künstlern als Bedrohung gegen ihre Freiheit und Kreativität angesehenes Dekret vorbereitet.

„Tania wurde verhaftet“, sagte Iris Ruiz, Schauspielerin und Koordinatorin der Kampagne gegen das Dekret, das am Freitag in Kraft treten soll, gegenüber der AFP. „Die Staatssicherheit hatte bereits gewarnt, dass sie festgenommen würde, wenn sie ihr Zuhause verlässt.“

Kurz zuvor hatte Bruguera, die in den USA und Kuba lebt, gegenüber der französischen Nachrichtenagentur erklärt, dass sie im Rahmen der Kampagne gegen das Kulturministerium protestieren werde. Die Künstlerin, die bereits in der Tate Modern in London und im Museum of Modern Art in New York (Moma) ausgestellt hat, sagte, sie sei bereits am Montag festgenommen worden, als sie ihr Haus in Havanna verlassen habe, dann auch am Dienstag, als sie an einer Protestaktion gegen das Ministerium teilnahm.

Diese kurzen Festnahmen, die nur wenige Stunden dauern, sind seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eine gängige Praxis der kubanischen Behörden, um Dissidentenversammlungen zu verhindern. Am Donnerstag wurde das Gebäude des Kulturministeriums von zwei Polizeipatrouillen und Zivilagenten überwacht, sagte ein AFP-Journalist.

„Wir werden weiter protestieren, weil wir gegen dieses Dekret sind. Die Normen und Vorschriften dürfen künstlerisches Schaffen nicht kriminalisieren“, sagte Bruguera. Das Dekret Nr. 349 wurde am 20. April, einen Tag nach der Übernahme von Raul Castro, vom neuen kubanischen Präsidenten Miguel Diaz-Canel unterzeichnet. Nach Angaben der Behörden sollen vulgäre, pornografische, sexistische oder diskriminierende Inhalte in künstlerischen Arbeiten in Kuba bekämpft werden.

In sozialen Netzwerken stark kritisiert, verlangt das Dekret, dass sich Künstler bei einer Kulturinstitution des Staates registrieren müssen, bei der sie um Erlaubnis bitten müssen, ihre Werke zu spielen, auszustellen oder zu vermarkten. Silvio Rodriguez, der berühmteste Sänger der Insel, verurteilte den Text in seinem Blog und schrieb, dieser hätte „demokratischer“ gestaltet werden sollen, unter Mitwirkung der Künstler.




Kommentieren