Letztes Update am Fr, 07.12.2018 10:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kosovarisches Sondergericht lud erstmals Ex-UCK-Kämpfer vor



Prishtina (Pristina)/Den Haag (APA) - Das Sondergericht für Kriegsverbrechen während des Kosovo-Krieges (1998-1999) hat nun einen ersten ehemaligen UCK-Kämpfer vorgeladen. Wie die Tageszeitung „Zero“ am Freitag berichtete, soll Rrustem Mustafa alias „ Kommandant Remi“, einer der einst bekanntesten Befehlshaber der kosovarischen „Befreiungsarmee“, am 14. Jänner 2019 angehört werden.

Das bestätigte sein Anwalt Arianit Koci in Prishtina. Chris Bennet, Sprecher der Sonderstaatsanwaltschaft, konnte dem kosovarischen Blatt gegenüber zunächst jedoch keine Angaben zum Stand etwaiger Ermittlungen oder der Vorwürfe machen.

Mustafa war während des Kosovo-Krieges für die UCK-Einheiten im Norden des Kosovo zuständig. Im Oktober 2009 war er in Prishtina bereits zu einer vierjährigen Haftstrafe wegen illegaler Festnahmen und unmenschlicher Behandlung von gefangenen Zivilisten verurteilt worden. Eine Festnahme Mustafas hatte im August 2002 zu Ausschreitungen in Pristina geführt, bei denen Dutzende Demonstranten, aber auch Polizisten verletzt wurden.

Die Bildung des Sondergerichts wurde durch einen Bericht des früheren Sonderberichterstatters des Europarats, Dick Marty, angeregt. Zur Präsidentin des Gerichts wurde 2016 die bulgarische Juristin Ekaterina Trendafilowa gewählt. Sein Chefankläger ist seit Juli dieses Jahres der US-Jurist Jack Smith.

Das Gericht hat seinen Sitz in Den Haag, ist allerdings ein Bestandteil des kosovarischen Justizsystems, weshalb seine Gründung auch vom kosovarischen Parlament beschlossen worden war.




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