Letztes Update am Fr, 07.12.2018 12:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Starker Anstieg der Zahl türkischer Asylsuchender in NRW



Köln (APA/AFP) - In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl türkischer Asylsuchenden laut einem Pressebericht seit Jahresbeginn stark gestiegen. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ unter Berufung auf den Quartalsbericht des Landesministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration berichtete, lag die Zahl der Flüchtlinge aus der Türkei im dritten Quartal bei 2.494. Im ersten Quartal hatte sie noch bei 560 gelegen.

Die Türkei war damit nach Syrien das wichtigste Herkunftsland. Der deutsche Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) machte die repressive Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für den Anstieg verantwortlich. „Der Grund dafür ist klar und traurig zugleich: Die Politik Erdogans, das Zurückdrängen demokratischer Kräfte, die Beschneidung der Pressefreiheit, die Verhaftung Tausender Menschen und die Entlassung von Zehntausenden vermeintlichen Anhängern der Gülen-Bewegung sind Ursachen dafür“, sagte Stamp.

Die türkische Regierung geht seit dem gescheiterten Militärputsch im Juli 2016 mit großer Härte gegen die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen vor, die sie für den Umsturzversuch verantwortlich macht. Seitdem wurden Zehntausende mutmaßliche Gülen-Anhänger festgenommen oder aus dem Staatsdienst entlassen. Tausende suchten Zuflucht im Ausland, insbesondere in Deutschland, wo die umstrittene Bewegung über ein dichtes Netzwerk verfügt.

Der SPD-Politiker Ibrahim Yetim wies darauf hin, dass viele Flüchtlinge aus der Türkei Staatsanwälte, Richter oder Polizisten seien. Die Landesregierung müsse dafür sorgen, dass die Schutzsuchenden sicher vor Bespitzelung seien, forderte er. Erdogan bezichtigt die Gülen-Bewegung, über Jahre Justiz, Polizei und Militär unterwandert zu haben. Kritiker werfen ihm jedoch vor, die Bewegung selbst jahrelang gefördert zu haben, bevor er sich mit Gülen überwarf.




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