Letztes Update am Fr, 07.12.2018 12:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Willi Resetarits 2 - „Wir müssen ein „autoritäres Regime verhindern“



Wien (APA) - APA: Aus der Pension kehrt der Kurtl ja mittlerweile regelmäßig zurück...

Willi Resetarits: „Die Pension wurde 2003 angetreten, nachdem alles, was der 2000 verstorbene Günter Brödl geschrieben hat, veröffentlicht war. Pension hieß: es wird kein neues Ostbahn-Lied mehr geben, weil es keine neuen Brödl-Texte gibt. Dass dann der Pensionist mitunter mehr zu tun hat als vorher, kennt man ja. Das ist ja der allseits gültige Pensionistengruß: ‚Servas, griaß‘ di, habe d‘Ehre, I hob jetzt ka Zeit, weil I bin in Pension.‘“

APA: Im Fall von Ostbahn wurden Petitionen der Fans aufgelegt...

Resetarits: „...der Herr Kurt möge von seinem Sitz am Schafberg in die Niederungen des Praters zurückkehren und er hat sich eine Weile bitten lassen. Aber ab jetzt machen wir es jährlich, bis der Kurti dann vielleicht zu marod ist. Es zeigt sich aber, dass eine Marodheit im Alltag nicht heißt, dass man auf den Brettern marod ist. Wir wissen von vielen Vorbildern, dass die lange auf die Bühne getragen wurden und rausgetanzt sind und danach wieder zurück ins Sauerstoffzelt. Es ist ein wichtiger Teil des Lebens - das Leben auf der Bühne. Das kann man sich nicht aussuchen, das muss leider so bleiben. Wenn man mit Musik infiziert ist.“

APA: Infiziert waren Sie stets nicht nur mit Musik, sondern auch mit dem Engagement für Menschenrechte. 1994 haben Sie das Integrationshaus gegründet...

Resetarits: „Es war einer meiner Lebenswünsche, dass es so etwas gibt und dass es funktioniert. Ein Best Practice Beispiel, wie man in Europa integriert. Und es hat funktioniert. Niemand kann sagen, man weiß nicht, wie man Leute unter würdigen Bedingungen und möglichst schnell in eine eigene Wohnung mit einem Job bringt.“

APA: Das sagen aber viele, dass man das nicht weiß.

Resetarits: „Wir wissen es. Du brauchst ein paar Sachen dafür, vor allem Kontakte zu Gewerbetreibenden, die zu schätzen wissen, was Leute leisten können, die zum zweiten Mal ein Leben aufbauen wollen. Es ist nur so, dass Integration jetzt nicht mehr gewünscht wird. Es hat immer schon das Phänomen gegeben der ‚Doppelmühle‘. Dass man keine Deutschkurs anbietet um dann zu sagen: die wollen ja nicht Deutsch lernen. Das passiert jetzt auf der ganzen Linie. Man steckt junge Leute in Quartiere, betreut sie nicht, lässt sie allein, in der Hoffnung, dass sie straffällig werden. Damit man in der nächsten Wahl wieder viele Stimmen bekommt. Das ist sehr, sehr zynisch und das macht mich sehr zornig. Jetzt nicht, damit ich die Kamera nicht beschädige.“

APA: Sie glauben, das ist strategisch gedacht?

Resetarits: „Rufmord an den Flüchtlingen war das Hauptmovens im Wahlkampf. Kein Satz, wo das Wort Flüchtling vorgekommen ist ohne ein schmückendes Beiwort wie ‚straffällig‘ oder ‚illegal‘. Die freiheitliche Linie ist jetzt: Wir wollen nicht, dass sich jemand integriert, die müssen außer Landes geschafft werden. Und wenn jemand schon integriert ist, hat er eben Pech gehabt und wird trotzdem außer Landes geschafft. Es geht ums Kaputtmachen.“

APA: Aus Opportunismus zur Stimmenmaximierung oder als Ideologie?

Resetarits: „Ich glaube, man will Stimmen maximieren, damit man an die Macht kommt und dass man dann anstrebt, ein autoritäres Regime zu installieren. Das ist es, was wir verhindern müssen. Das schafft man nicht, wenn man daheim am Hintern sitzt und nichts tut außer Sudern. Es heißt jetzt Hintern bewegen, für alle, die nicht wollen, dass man scheibchenweise die Demokratie und die Menschlichkeit abbaut. Immer nur so dünn, dass man noch nicht sagen kann, jetzt ist es so weit. Aber jetzt ist es so weit. Jetzt muss man sich engagieren.“

APA: Wie viel Zuversicht haben Sie da?

Resetarits: „Ich hab‘ immer Zuversicht, aber nur weil es nichts nutzt, keine Zuversicht zu haben. Es ist möglich, und das Mögliche muss Wirklichkeit werden. In meinem Umfeld ist das schon zwei, drei Mal passiert. Bei den Protesten gegen Zwentendorf hat es geheißen, der Zug ist abgefahren. Das schreckt mich nicht mehr. Da fangen wir erst an.“

(Das Gespräch führte Maria Scholl/APA.)




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