Letztes Update am Fr, 07.12.2018 13:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Noch ein Jubiläum: Salzburger Dommuseum zeigt Schau zu Max Gandolph



Salzburg (APA) - Vor 350 Jahren - am 30. Juli 1668 - wurde Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg zum Erzbischof von Salzburg gewählt. Anlässlich dieses Jubiläums hat das Salzburger Dommuseum eine Schau über diesen Regenten gestaltet. „Seine neunzehnjährige Regierungszeit hat Salzburg wohl mehr geprägt, als uns heute bewusst ist“, sagte Reinhard Gratz, Direktor des Dommuseums, am Freitag bei der Präsentation.

In vier Kapiteln spürt die Ausstellung der Herkunft des 1622 in Graz geborenen und 1687 verstorbenen Fürsterzbischofs sowie seiner Rolle als Politiker, Mäzen und Erzbischof nach. Gezeigt werden Gemälde, prunkvolle Messgewänder, Kelche und Monstranzen, Musikinstrumente, Münzen und Teile seiner Bibliothek. Max Gandolph stehe für eine Reihe von Verordnungen, die Sicherheit und Lebensqualität in Salzburg erhöhten. Er sei historisch und kulturell sehr interessiert gewesen, habe beispielsweise die Hofbibliothek - die heutige Max-Gandolph-Bibliothek - gegründet, erzählte Gratz. In seine Regierungszeit fällt die Vollendung des Salzburger Doms, die Erneuerung der Kirche St. Johannes am Imberg oder die Gründung der Wallfahrtskirche Maria Plain.

Seine Regentschaft hat aber auch Schattenseiten. Er verwies die Protestanten im Defereggental in Osttirol sowie jene vom Halleiner Dürrnberg unbarmherzig des Landes. Noch schrecklicher waren die Zauberer-Jackl-Prozesse in den Jahren 1675 bis 1679. Zwar wurde der wegen „Schadenzaubers“ gesuchte Jakob Tischler nie gefasst, aber dafür wurden im ganzen Land gegen angebliche Mitglieder seiner Bande - viele Verdächtige waren aus dem Bettlermilieu - Prozesse geführt, bei denen mit Folter Geständnisse erpresst wurden. Insgesamt wurden in dieser Zeit 126 Personen hingerichtet. Für Kinder unter 14 Jahren - und da gab es unter den Opfern nicht wenige - führte man das Fallbeil ein. „Die Rolle des Erzbischofs bleibt dabei weitgehend unklar“, sagte Gratz. Er habe der Justiz ihren Lauf gelassen und sei nicht gegen die Massenverfolgung aufgetreten. Gestoppt wurden die Prozesse erst, als die damit verbundenen Kosten zu hoch wurden.

Viel Geld investierte Max Gandolph in Bücher. „Er war sicher der größte Bücherfreund unter den Erzbischöfen“, sagte Christoph Brandhuber, Leiter des Archivs der Universität Salzburg, mit der die Schau gemeinsam gestaltet wurde. Der Fürsterzbischof kaufte am Buchmarkt alles, was damals gut und teuer war. Alle seine Bücher wurden in weißes Pergament gebunden, mit seinem Wappen gekennzeichnet und mit rotem Buchschnitt versehen. Geschichte, Botanik, Zoologie, Reiseliteratur, Medizin, Kochkunst sowie Romane wie „La Cleopatre“ oder „Don Quijote“ - es gab kaum ein Thema, das nicht vertreten war. Auch die Musik erlebte unter Max Gandolph in Salzburg eine Hochblüte: Er holte Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat an den Hof. „Der barocke Mensch fühlte sich als Spieler auf der Bühne des Lebens“, beschrieb Gratz das damalige Lebensgefühl: „So gesehen war Max Gandolph ein typisches Kind seiner Zeit.“

(S E R V I C E: „Fürsterzbischof Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg - Regisseur auf vielen Bühnen - 1668 - 1687“, 8. Dezember bis 27. Mai 2019, Nordoratorium des Salzburger Doms, Dom Quartier Salzburg, Residenzplatz 1/Domplatz 1a, 5020 Salzburg, www.domquartier.at)




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