Letztes Update am Fr, 07.12.2018 15:20

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Migration - Ruandas Präsident Kagame kritisiert Europa



Kigali (APA) - Europa hat es nach Ansicht des ruandischen Präsidenten und derzeitigen Vorsitzenden der Afrikanischen Union (AU), Paul Kagame, verabsäumt, rechtzeitig mit Afrika über das Thema Flucht und Migration zu sprechen. Es brauche vor allem Investments, um den Menschen eine bessere Lebensperspektive zu bieten, so Kagame am Freitag bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Kigali.

„Was wir heute tun, hätten wir schon vor langer Zeit machen sollen“, betonte der ruandische Präsident nach einem rund zweistündigem Gespräch mit Kurz, bei dem unter anderem das für 18. Dezember geplante EU-Afrika-Forum in Wien vorbereitet wurde, das auf bessere Wirtschaftsbeziehungen abzielt. „Aber meiner Meinung nach ist es nie zu spät.“

Die europäische Flüchtlings- und Migrationspolitik wirke für ihn aus der Ferne betrachtet wie „Brandbekämpfung“ - und manchmal werde damit kein Feuer gelöscht, sondern ein neuer Brand gelegt, meinte Kagame, der Ruanda seit 2000 mit harter Hand regiert.

Zwar sei Europa nicht alleine an der derzeitigen Situation Schuld. Doch habe der Kontinent in der Vergangenheit für eine lange Zeit andere eingeladen, zu kommen. So sei der Eindruck entstanden, „was für ein Problem auch immer du hast, ganz egal welches es auch ist, komm zu uns ins Paradies (nach Europa, Anm.), so der Präsident. „Und natürlich sind sie gekommen“, bis Europa damit überfordert gewesen sei.

Würde Europa nur „einen Bruchteil“ dessen ausgeben, was es für die Versorgung von Geflüchteten in Europa ausgibt, könnte in Afrika viel erreicht werden, gab das 61-Jährige Staatsoberhaupt zu bedenken. In der Vergangenheit hatte Kagame oftmals Kritik an westlicher Entwicklungshilfe geübt und sich etwa für Investitionen in Infrastruktur ausgesprochen, wie es etwa auch China verfolgt.

Afrikanische Regierungen müssen ihrer Bevölkerung aber auch „klar machen, dass es besser ist, im eigenen Land zu bleiben“, merkte Kagame an. Dafür wiederum sei die Verbesserung der Lebensbedingungen unerlässlich.




Kommentieren