Letztes Update am Fr, 07.12.2018 16:47

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neffen mit Revolver bedroht - Diversion für 88-jährigen Burgenländer



Eisenstadt (APA) - Weil er seinen Neffen mit einem Revolver bedroht haben soll, ist ein 88-Jähriger am Freitag in Eisenstadt vor Gericht gestanden. Der Burgenländer, dem auch ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen wurde, bekannte sich schuldig und willigte ein, sich beim Verwandten zu entschuldigen. Die angebotene Diversion samt Auflage einer zweijährigen Probezeit und Zahlung von 250 Euro nahm der Mann an.

Die Diversion ist noch nicht rechtskräftig: Der Staatsanwalt gab keine Erklärung zum von der Richterin verkündeten Beschluss ab.

Für den 88-Jährigen bedeutete das Erscheinen im Saal Acht des Landesgerichts eine Premiere. „Haben Sie schon irgendwann einmal etwas mit dem Gericht zu tun gehabt?“ fragte ihn Richterin Birgit Falb. „Nein“, gab er zur Antwort.

Staatsanwalt Anton Paukner umriss, was sich Anfang Juli im Bezirk Eisenstadt-Umgebung zugetragen haben soll: Der Pensionist soll im Streit (es ging um ein Gewehr, das der 88-Jährige zurückforderte, Anm.) seinen Neffen bedroht und dabei eine Waffe gezogen haben, die er unbefugt bei sich hatte. Dadurch habe er eine schwere Nötigung begangen.

Sein Mandant sei inhaltlich voll geständig, stellte der Verteidiger des Burgenländers fest. Er habe zwar eine Waffenbesitzkarte gehabt, doch hätte er die Waffe nicht bei sich haben dürfen. Der Anwalt beantragte, den Fall diversionell zu erledigen.

Die Frage, ob er sich schuldig bekenne, beantworte der 88-Jährige mit „Ja“. Das Verhältnis zum Neffen beschrieb er als aktuell „gar nicht gut. Wir haben keinen Kontakt zur Zeit. Wir waren sehr gut, ich habe ihm viel Arbeit geleistet. Heute ist das alles weg.“

Die Richterin schlug in Anbetracht der bisherigen Unbescholtenheit eine Diversion vor. „Der Angeklagte hat Verantwortung für diese Taten übernommen und würde sich gerne bei Ihnen entschuldigen“, schilderte sie dem als Zeugen geladenen Neffen den Stand der Verhandlung. „Ich nehme keine Entschuldigung an“, von einem Mann, der ihn habe „erschießen“ wollen, sei ihm eine Entschuldigung „wurscht“, zeigte sich dieser anfangs unbeeindruckt.

„Es tut ihm auch leid“, wandte Falb ein. „Aber da hab ich nichts davon“, meinte der Zeuge, was wieder den Willen des 88-Jährigen dämpfte, sich zu entschuldigen. „Man muss die Sache ja nicht weiter ausreizen“, gab die Richterin zu bedenken. „Ja, ich nehm‘ sie an, die Entschuldigung“, er könne „damit leben“, sagte schließlich der Neffe.

Somit stand einer diversionellen Erledigung nichts mehr im Wege. Lediglich, als ihm die Richterin mitteilte, dass die Tatwaffe, die sich bei der Polizei befinde, vernichtet werden solle, meinte der 88-Jährige zunächst: „Ich will sie vererben“, stimmte aber gleich darauf zu.




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