Letztes Update am Sa, 08.12.2018 04:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tausende Polizisten rüsten sich für neue Proteste in Frankreich



Paris (APA/Reuters/dpa/AFP) - Etwa 8.000 Polizisten stehen in Paris bereit, um erneute Ausschreitungen bei Massenprotesten gegen die Regierung wie vor einer Woche zu verhindern. Zahlreiche beliebte Touristen-Ziele wie der Eiffelturm bleiben diesen Samstag in der französischen Hauptstadt geschlossen - ebenso wie viele Geschäfte. Insgesamt sind im ganzen Land 89.000 Polizisten und Ordnungskräfte im Einsatz.

Demonstranten haben in sozialen Netzwerken für dieses Wochenende zum „vierten Akt“ aufgerufen, in Anspielung auf die drei vorangegangenen Wochenenden, an denen die sogenannten Gelbwesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und die Steuerpolitik von Präsident Emmanuel Macron protestiert haben. Dabei war es wiederholt zu teils schweren Ausschreitungen gekommen.

Innenminister Christophe Castaner warnte am Freitag vor Gewalttätern und sagte: „Alles lässt darauf schließen, dass radikale Elemente (und) Aufrührer erneut versuchen werden zu handeln.“ Premierminister Edouard Philippe hatte angekündigt, es sollten 89.000 Polizisten und andere Ordnungskräfte eingesetzt werden. 8.000 Sicherheitskräfte werden allein in der Hauptstadt aufgeboten, die am vergangenen Wochenende Schauplatz schwerer Ausschreitungen mit mehr als 400 Festnahmen gewesen war.

Die Behörden wollen in Paris erstmals seit Beginn der „Gelbwesten“-Proteste auch gepanzerte Fahrzeuge einsetzen. Bei der Feier zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs mit rund 70 Staats- und Regierungschefs hatte Frankreich Mitte November rund 10.000 Polizisten in der Kapitale eingesetzt.

Während in Frankreich die Anspannung vor dem Wochenende wuchs, sorgten Videoaufnahmen von einem früheren Polizeieinsatz für Empörung und Betroffenheit. In der Nähe von Paris waren am Donnerstag rund 150 Menschen festgenommen worden, vor allem Schüler, die in Mantes-la-Jolie protestiert hatten. Videos zeigen, wie Dutzende von ihnen in Reihen und unter der Aufsicht der Sicherheitskräfte auf dem Boden knieten oder hockten. Die Hände hielten sie am Kopf oder hinter dem Rücken. Polizeikreise bestätigten die Echtheit der Aufnahmen. Laut der Nachrichtenagentur AFP waren am Donnerstag im ganzen Land rund 700 Schüler bei Protesten vorläufig festgenommen worden.

Die „Gilets Jaunes“ (Gelbe Westen) wandten sich zunächst vehement gegen eine Erhöhung der Benzin- und Dieselsteuern - dieser Schritt wurde von der Regierung für das kommende Jahr ausgesetzt. Der Protest ist jedoch inzwischen viel breiter geworden und richtet sich gegen die Reformpolitik der Regierung und des Staatschefs Macron. Der 40-Jährige hielt sich in den Krisentagen merklich mit Äußerungen zurück und überließ Premier Philippe das Feld.

Innenminister Castaner bilanzierte, der Protest sei zunächst eher friedlich und spontan gewesen. Dann habe sich ein Teil der „Gelben Westen“ aber radikalisiert. „Innerhalb der drei vergangenen Wochen konnten wir sehen, wie ein Monster geboren wurde, das seinen Schöpfern entflohen ist.“

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo teilte mit, es seien aus Sicherheitsgründen rund 2.000 Stadtmöbel abgebaut worden, darunter Schutzgitter für Bäume. Die Sozialistin rief zur Ruhe und zur Vorsicht auf.

Aus Sicherheitsgründen bleiben an diesem Samstag diverse Touristenattraktionen geschlossen. Das Pantheon, die Türme der berühmten Kathedrale Notre-Dame oder das Palais Royal werden nicht öffnen. Zudem müssen Touristen auch auf Besuche des Eiffelturms, der Oper oder einiger Museen - darunter der Louvre und das Musee d‘Orsay - verzichten.

Eine Untergruppe der „Gelbwesten“, die sich selbst als „Sprachrohr der konstruktiven Wut“ sieht, rief am Freitagabend zu friedlichen Protesten auf. „Ich denke, wir müssen jetzt vernünftig sein und auf die Worte unseres Präsidenten warten. Er ist es, der den Schlüssel für dieses Schloss in der Hand hat“, sagte Christophe Chalencon von den „freien Gelben Westen“ nach einem Treffen mit Premier Philippe vor Journalisten. Man wolle keine Revolution, sondern eine Evolution der Gesellschaft - und diese müsse in Ruhe vonstattengehen.

Man habe dem Premier die Botschaften der „Gelben Westen“ übermittelt, sagte Benjamin Cauchy, der ebenfalls an dem Gespräch teilgenommen hatte. Jetzt sei es an Macron, sich so schnell wie möglich zu äußern - „mit dem Herzen (und) mit Emotion“.

Ein prominenter Sprecher der „Gelbwesten“, Eric Drouet, hatte zuvor auf Facebook dazu aufgerufen, an diesem Wochenende nicht in der Innenstadt, sondern auf dem inneren Autobahnring zu protestieren - „wo es nichts kaputt zu machen und nichts zu zerstören gibt, wo wir unsere Wut herausschreien können“. Böller, Sprengkörper und Baseballschläger seien verboten. Mehrere Tausend Menschen zeigten sich interessiert an der Veranstaltung.

Mehr als die Hälfte aller am Wochenende angesetzten Erstliga-Fußballspiele in Frankreich wurden abgesagt. Nach Angaben der Französischen Fußball-Liga (LFP) kann auch die Partie zwischen Olympique Nimes und dem FC Nantes nicht wie geplant am Samstag stattfinden. Zwei Spiele der Handball-Europameisterschaft der Frauen in Nantes wurden vom Samstag auf Sonntag verschoben.




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