Letztes Update am Sa, 08.12.2018 09:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pressestimmen zur Wahl der neuen CDU-Vorsitzenden



Hamburg (APA/dpa) - Zahlreiche internationale Zeitungen kommentieren am Samstag die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Nachfolgerin von Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze der deutschen CDU:

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Kramp-Karrenbauer wird sich von Merkel lösen müssen. Ansätze gibt es. Kramp-Karrenbauers Ton unterscheidet sich vor allem in Fragen der inneren Sicherheit. Der Staat müsse stark sein gegen kriminelle Clans und gegen ‚autonome Chaoten‘. Doch den Worten werden Vorschläge folgen müssen. Auch Merkel hat vor ihrer Wahl zur Kanzlerin für eine deutsche ‚Leitkultur‘ getrommelt. Später hat sie vergessen, was das eigentlich ist.“

„Berliner Zeitung“:

„Was ist eine konservative und Erfolg versprechende Politik in dieser Zeit? Ist es tatsächlich das Erbe Merkels, das bei Kramp-Karrenbauer gut aufgehoben ist? Oder ist nicht auch ein Wirtschaftsliberalismus, den Friedrich Merz für die Grundlage alles Bewahrenswerten hält? Das Ergebnis zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer war so knapp, dass es schwer sein wird, Merz‘ Gedankenwelt in der Partei nicht auch ernsthaft zur Kenntnis zu nehmen. Wahrscheinlich gehören beide Welten zur CDU, beide sind konservativ.“

„Stuttgarter Zeitung“:

„Diese Entscheidung birgt das geringste Risikopotenzial für den Übergang am Ende der Ära Merkel. Sie offenbart, was ohnehin schon alle wussten: Die CDU ist eben keine revolutionäre Partei. Alle anderen Entscheidungen hätten bedeutet, dass Merkels Zeit auf eine Weise endet, die man neudeutsch ‚disruptiv‘ zu nennen pflegt. Man könnte auch unharmonisch dazu sagen. Wer die Frau von der Saar jedoch schlicht für eine Art Merkel 2.0 hält, würde ihre Ambitionen unterschätzen, ihr eigenes Profil verkennen.“

„Guardian“ (London):

„Die Partei stand vor einem Dilemma. Entweder den Kurs von Merkel beibehalten - die entschlossen war, die politische Mitte zu sichern, und die CDU zur Befürworterin der Homoehe, des Mindestlohns und einer Frauenquote in der Politik gewandelt hat - oder weiter nach rechts rücken, um Wähler zurückzuholen, die sie an die AfD verloren hat. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Partei wohl eine sicherere Option gewählt. Nicht zuletzt, weil sie wahrscheinlich eine bessere Beziehung zu Angela Merkel im Kanzleramt haben wird als Friedrich Merz, der als jemand gesehen wird, der einen Groll gegen Merkel hegt. Kramp-Karrenbauers Sieg ist ein Zeichen dafür, dass die Partei auf dem von Merkel eingeschlagenen Weg weitergehen will.“

„Le Figaro“ (Paris):

„Annegret Kramp-Karrenbauer ist wenig bekannt in Frankreich - außer vielleicht im Osten des Landes, der gute regionale Beziehungen zum Saarland unterhält. (Ihre Wahl ist) eine gute Nachricht für Emmanuel Macron (französischer Staatspräsident, Anm.). Falls der Präsident die Proteste der ‚Gelbwesten‘ übersteht, kann er darauf hoffen, dass das neue deutsche Duo sich daran machen wird, auf seine europäischen Vorschläge zu antworten. Angela Merkel wird von ihrer Thronfolgerin nicht aufgehalten werden, und diese selbst weist eine Neigung zum Deutsch-Französischen auf.“




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