Letztes Update am Sa, 08.12.2018 11:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mehrfacher Szenenapplaus für „Attila“ bei Scala-Saisoneröffnung



Mailand (APA) - Mit einem 15 Minuten langen Applaus, Standing Ovations und einem Rosenregen für die Sänger hat das Publikum der Mailänder Scala am Freitagabend die Saisoneröffnung mit Giuseppe Verdis „Attila“ in einer Neuinszenierung von Davide Livermore gefeiert. Beifall erntete vor allem der russische Bassist Ildar Abdrazakov in der Rolle des Hunnenkönigs. Szenenapplaus gab es bei mehreren Arien.

„Die Qualität der Stimme und die stilistische Intelligenz entsprechen Attilas Größe“, lobte die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ die Leistung des 42-jährigen Abdrazakov, der zum dritten Mal bei einer Scala-Saisoneröffnung auftrat. „Attila wird immer als ‚Geißel Gottes‘ bezeichnet. Doch in dieser Oper zeigen wir, dass er ein Herz hat“, berichtete der Bassist. Auch die spanische Scala-Debütantin Saioa Hernandez, die die Odabella gab, und Fabio Sartori als Foresto, der einzige Italiener in einer Hauptrolle, überzeugten das anspruchsvolle Mailänder Publikum.

Der Turiner Regisseur Davide Livermore schaffte eine filmische, hollywood-ähnliche Kulisse. Er versetzte die Ereignisse aus dem fünften Jahrhundert nach Christus in eine Epoche, die an die 40er-Jahre erinnerte. Livermore setzte intensive Videoszenen für Flashbacks ein, beeindruckend waren die Chöre. „Wunderbare Inszenierung: Unter den Ruinen spürt man das Schicksal, das die Geschichte belastet“, so „Corriere della Sera“.

„Es war wunderbar, ein derart mitgerissenes Publikum zu erleben. Wir hatten das Bewusstsein der totalen und kontinuierlichen Aufmerksamkeit der Zuschauer, die die Aufführung verfolgt haben“, kommentierte Dirigent Riccardo Chailly, der auch Scala-Musikdirektor ist, die Aufführung.

Stolz über den Erfolg des Abends zeigte sich Scala-Intendant Alexander Pereira, der zusammen mit seiner Frau Daniela Weisser de Sosa vor der Aufführung die Stargäste empfing. Mehrere Prominente der neuen Regierung aus Lega und Fünf Sterne-Bewegung, darunter Kulturminister Alberto Bonisoli und Wirtschaftsminister Giovanni Tria, zählten zu den Premierengästen. Ein langer Applaus wurde dem italienischen Präsidenten Sergio Mattarella gewidmet. Anwesend waren auch Staatsoperndirektor Dominique Meyer, Startänzer Roberto Bolle sowie der saudi-arabische Kulturminister Bader bin Farhan al Saud, mit dem Pereira gemeinsame Projekte plant.

2,5 Millionen Euro kassierte die Scala für den Abend. Die Tickets wurden zu einem Preis von bis zu 3.000 Euro verkauft. Attila wird noch bis zum 8. Jänner an der Scala gezeigt. RAI 1 sendete die Premiere live. Auch in mehreren italienischen Kinos war die Aufführung zu sehen. Die Saison der Scala wird traditionsgemäß am 7. Dezember eröffnet, dem Tag des Heiligen Ambrosius, Patron der Stadt Mailand.

Vor Beginn der Aufführung war es zu einer Demonstration Mailänder Linksaktivisten gekommen. Einige von ihnen trugen wie die französischen Demonstranten gelbe Westen. Die Aktivisten skandierten Slogans gegen Innenminister Matteo Salvini und Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron. In Erwartung von Protesten waren vor der Scala-Premiere schärfste Sicherheitsvorkehrungen ergriffen worden.

15 verschiedene Opern, darunter neun neue Produktionen, werden im Laufe der nächsten Saison aufgeführt. Zu den Highlights zählen Verdis „Traviata“ in der Inszenierung von Liliana Cavani und mit Myung-Whun Chung am Pult. Michele Mariotti dirigiert außerdem eine neue Inszenierung von Verdis „I masnadieri“ in der Regie von David McVicar. Aufgeführt werden außerdem Giacomo Puccinis „Gianni Schicchi“ in der Inszenierung von Woody Allen und eine Neuproduktion von „Manon Lescaut“, erstmals an der Scala in der ersten Version des Jahres 1882 präsentiert.

Nach Verdis „Attila“ wird die Scala die Saison 2019/2020 mit „Tosca“ eröffnen. Auch in diesem Fall wird Riccardo Chailly dirigieren. Die Hauptrollen übernehmen Anna Netrebko und Luca Salsi, die bereits am 7. Dezember 2017 die Saison mit „Andrea Chenier“ eröffnet hatten.

(S E R V I C E - www.teatroallascala.org)




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