Letztes Update am Fr, 04.01.2019 08:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kulturhauptstadt 2024: Kultur als „new Salt“ für das Salzkammergut



Bad Ischl (APA) - Neben Dornbirn und St. Pölten bewirbt sich das Salzkammergut mit Bad Ischl an der Spitze als „Europäische Kulturhauptstadt 2024“. Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hält die Budgetierung für unrealistisch und ist gegen eine Bewerbung. Der Projektverantwortliche Stefan Heinisch sieht „Salzkammergut 2024“ als Außenseiter. Wie er dennoch punkten möchte, erklärt er im APA-Interview.

APA: Glauben Sie trotz Außenseiterrolle, dass das Projekt „Salzkammergut 2024“ eine Chance hat?

Stefan Heinisch: Mitte Dezember ist die 60-seitige schriftliche Bewerbungsunterlage in Druck gegangen, die bis Ende des Jahres eingereicht werden musste. Die Präsentation des Konzepts ist am 30. Jänner in Wien. Dann wird entschieden, ob wir auf die Shortlist kommen und weiter im Rennen um den Titel bleiben. Falls wir es nicht in die europäische Liga schaffen, wird mit Plan B weitergemacht. Das heißt, wir arbeiten dann regional, formulieren den Kulturentwicklungsplan für das Salzkammergut aus.

APA: Schmälert die Aussage des Landeshauptmannes, dass er eine Bewerbung wegen der unrealistischen Budgetierung von lediglich 21 Millionen Euro nicht befürwortet, die Aussichten, in die nächste Runde zu kommen?

Heinisch: Das ist natürlich schon ein kleiner Dämpfer. Wir wollten das Thema Budget eigentlich erst im Februar mit dem Land im Detail verhandeln, nämlich dann, wenn feststeht, dass wir die nächste Bewerbungsstufe erreicht haben und unser Konzept von einer europäischen Jury als erfolgversprechend beurteilt wurde. Offenbar ist es uns bisher aber noch nicht gelungen zu vermitteln, dass es auch mit einem Basisbudget von 21 Millionen Euro geht und nicht wie bei Linz ‚09 (2009 war Linz Europäische Kulturhauptstadt, Anm.) über 60 Millionen Euro benötigt werden, wovon das Land ein Drittel übernommen hat. Aber wir sind bei allen Workshops etwa mit Vertretern von bisherigen Kulturhauptstädten immer bestärkt worden, dass unser Konzept, das ohne Investitionen in kulturelle Neubauten auskommt, spannend und machbar ist. Dennoch ist Eile bei den Verhandlungen geboten, denn wir haben den bisher beteiligten und den noch interessierten Salzkammergut-Gemeinden versprochen, dass sie bis Mai 2019 den Budgetplan für den Zeitraum 2020 bis 2025 vorliegen haben.

APA: Statt Kultur im urbanen Raum steht bei Ihrer Bewerbung eine Region im Fokus.

Heinisch: Genau, und das birgt auch gewisse Strukturschwächen gegenüber einer Stadt: Drei Bundesländer (OÖ, Steiermark und Salzburg) und ein ländlicher Raum mit einer Kleinstadt sind bei uns Austragungsort. Aber genau das wollen wir ja mit unserer Bewerbung auch thematisieren und Lösungsansätze für die künftigen Herausforderungen der Region bieten.

APA: Die wie lauten?

Heinisch: Einerseits wollen wir die Vielfalt der Kultur und der Geschichte des Salzkammergutes zeigen, das schon immer wegen der Salzwirtschaft eine Region von europäischer Dimension war. Dazu zapfen wir die DNA der Hallstattkultur an, gehen 7.000 Jahre zurück. Gleichzeitig spielen wir mit dem Begriff der Enklave, denn unsere Bewerbung mit Bad Ischl ist die erste einer inneralpinen Kleinstadt mit unter 15.000 Einwohnern. Außer der Tradition von Salz ist die Region aber auch vom Wasser geprägt. Wir wollen das Thema Sommerfrische an den Salzkammergutseen neu denken.

APA: Denken Sie da auch an Hallstatt, das ja schon unter dem Andrang der Touristen leidet?

Heinisch: Vor allem Hallstatt erlebt derzeit wie auch andere europäische Städte eine sehr intensive Form des Tourismus. Für nachhaltigen Kulturtourismus gäbe es sicher noch Entwicklungsspielraum, was wir im Zuge der Bewerbung thematisieren und fördern. Die Kraft des Wassers und des Salzes allein ist aber zu wenig, um die Probleme im ländlichen Raum mit der Abwanderung junger, gebildeter Menschen und der Überalterung der Gesellschaft - um nur zwei Beispiele zu nennen - zu lösen. Daher sehen wir die dritte Kraft, die Kultur, als großen Hebel. Sie ist das „new Salt“. Dieses neue Salz ist eigentlich unsere Geschichte, die wir in der Bewerbung erzählen. Es soll ein offeneres, zeitgenössisches Kulturkammergut entstehen, das nicht mit verkitschten Themen wie der Kaiser in Bad Ischl im Historischen verhaftet bleibt. Mithilfe der dritten Kraft solle die verkrustete Enklave Salzkammergut aufgebrochen und stärker mit Europa vernetzt werden.

APA: Es sind aber auch schon Gemeinden aus der Region abgesprungen. Gmunden, die Wolfgangsee-Gemeinden Strobl, St. Gilgen und St. Wolfgang haben einen Rückzieher gemacht.

Heinisch: Der Kern für die Bewerbung besteht derzeit aus Bad Ischl und rund 20 Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark. Dabei handelt es sich um Mitglieder von den drei Leaderregionen Inneres Salzkammergut, Traunstein und Ausseerland. Sie alle haben gemeinsam mit Gmunden und den Wolfgangsee-Gemeinden 2017 den Auftrag erteilt, einen Kulturentwicklungsplan zu erstellen, um vernetzte Kulturarbeit im Salzkammergut zu etablieren und über den kommunalen Tellerrand der Gemeinden zu blicken. Daraus hat sich dann die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt entwickelt. Gmunden hat Anfang des Jahres schnell Nein gesagt, zeigt sich jetzt aber wieder gesprächsbereiter. Die drei Wolfgangsee-Gemeinden sind hinsichtlich der Bewerbung sehr vorsichtig, sehen sich nicht als Kulturhauptstadt sondern als ländliche Region, die für Städter eine Urlaubsregion ist.

(Das Gespräch führte Kerstin Scheller/APA)

(S E R V I C E - https://www.salzkammergut-2024.at/)

(A V I S O - Diese Meldung ist Schluss einer Mini-Serie über die österreichischen Bewerbungen für die Kulturhauptstadt 2024. Vorgestern machte St. Pölten den Auftakt, gestern folgte „Dornbirn plus“.)




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