Letztes Update am Fr, 04.01.2019 10:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dritte Frau besuchte heiligen Hindu-Tempel im Süden Indiens



Thiruvananthapuram (APA/AFP) - Eine dritte Frau hat einen heiligen Hindu-Tempel im Süden Indiens besucht. Lange Zeit war Frauen im gebärfähigen Alter der Zutritt verboten. Die Frau habe den Sabarimala-Tempel im Unionsstaat Kerala am Donnerstagabend besucht, sagte der Polizist Balram Kumar Upadhyay am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. „Sie ist 47 Jahre alt und kam als Gläubige.“

Die Polizei sei über den Besuch informiert gewesen und habe die Lage beobachtet. Derzeit sei die Situation am Tempel „normal“. Am Mittwoch hatten sich erstmals zwei Frauen heimlich Zutritt zu dem Tempel verschafft, was in mehreren Städten wütende Proteste von Hindu-Hardlinern nach sich zog.

Nach Polizeiangaben wurden bei den Protesten mehr als 750 Demonstranten festgenommen. Die Polizei habe zudem mehr als 600 Menschen vorsorglich in Gewahrsam genommen, sagte ein Sprecher der Polizei in Kerala. In den Städten Palakkad und Kasargod wurde demnach eine Ausgangssperre verhängt.

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern der hinduistisch-nationalistischen Bharatiya-Janata-Partei (BJP) von Indiens Regierungschef Narendra Modi und der linksgerichteten Regierung in Kerala wurden am Mittwoch und Donnerstag ein Mensch getötet und mindestens 15 weitere verletzte. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein.

Der Sabarimala-Tempel auf einem Berg im südindischen Kerala ist einer der heiligsten Tempel der Hindus. Das Oberste Gericht Indiens hatte im September nach einem jahrelangen Rechtsstreit das Zutrittsverbot für Frauen zwischen zehn und 50 Jahren zu dem Tempel aufgehoben. Für Hindu-Fundamentalisten gelten Frauen im gebärfähigen Alter als „unrein“.

Frauenaktivistinnen versuchten seither immer wieder vergeblich, zu dem Schrein für den Gott Ayyappa zu gelangen. Sie wurden jedoch stets von Hindu-Traditionalisten, darunter auch Frauen, abgehalten. Dabei kam es bereits im Oktober zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei, mehr als 2.000 Menschen wurden damals festgenommen.

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