Letztes Update am Fr, 04.01.2019 15:45

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Robert Menasse 2 - Auschwitz-Rede für Roman „ohne Prüfung verwendet“



Mainz (APA/dpa) - In seinem Gastbeitrag für die „Welt“ (Samstag-Ausgabe) schreibt Menasse, die Information zur angeblichen Hallstein-Rede in Auschwitz habe er bei seinen Recherchen für den Roman „Die Hauptstadt“ bekommen und ohne weitere Prüfung verwendet, „denn für Romane gelten andere Regeln als für Doktorarbeiten. Falls dieses Detail als historisches Faktum missverstanden wurde, tut mir das leid.“

Er könne nicht ausschließen, dass er in Podiumsgesprächen nach Lesungen selbst zu einem solchen Missverständnis beigetragen habe. Der 64-jährige Wiener Autor hatte den Roman, in dem es um das Ansehen der EU geht, 2017 veröffentlicht. Das Werk wurde mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Bereits Ende 2017 warf ein Historiker Menasse vor, Hallstein zu einer tatsächlich gehaltenen Rede falsch zitiert zu haben. Damals reagierte Menasse nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit dem Argument, dass ein Dichter andere Freiheiten im Umgang mit Quellen und Zitaten habe als ein Wissenschafter oder ein Journalist.

Hinsichtlich der geplanten Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille am 18. Jänner an Menasse forderte indes der AfD-Landesverband Rheinland-Pfalz über Twitter, „Zitatfälscher Robert Menasse“ dürfe den Preis nicht erhalten, und fügte hinzu: „Wer zugunsten einer politischen Botschaft Zitate und Ereignisse fälscht, ist lediglich plumper politischer Stimmungsmacher!“




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