Letztes Update am Fr, 04.01.2019 16:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Jobmarkt robust - „Beruhigungsspritze gegen Konjunktursorgen“



Washington (APA/Reuters/dpa-AFX/dpa) - Trotz jüngster Anzeichen für eine konjunkturelle Abkühlung in den USA boomt der Arbeitsmarkt so kräftig wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Die Regierung in Washington meldete am Freitag für Dezember 312.000 neue Stellen. Das war das größte Plus seit Februar 2018. Die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote stieg von November auf Dezember von 3,7 auf 3,9 Prozent.

Dies entspricht dennoch de facto der von der Notenbank angestrebten Vollbeschäftigung. Am Freitagnachmittag hat auch Fed-Chef Jerome Powell bekräftigt, die Wirtschaft sei kurz vor der Vollbeschäftigung.

Die US-Währungshüterin Loretta Mester sprach von einem starken Arbeitsmarkt. Trotz jüngster Sorgen an den Märkten über einen möglicherweise zu straffen geldpolitischen Kurs sehe sie die Notenbank „in einer guten Ausgangslage“, sagte die Chefin des Fed-Bezirks Cleveland dem Sender CNBC.

Die doch überraschend robusten Arbeitsmarktdaten für den Dezember gaben der US-Börse Auftrieb. Die Dynamik des Anstiegs der Stundenlöhne nahm im Vergleich zum Vormonat zu, der Stellenaufbau setzte sich fort. Zwar legte die Arbeitslosenquote ebenfalls zu - doch dies sollte, wie Patrick Boldt von der Helaba meinte, „nicht überbewertet werden“.

„Insgesamt zeigt der Arbeitsmarkt die US-Wirtschaft in einer guten Verfassung“, so Commerzbank-Ökonom Christoph Balz. Sollte der Jobmarkt stark bleiben, drohe aber eine Überhitzung. Die Fed wird seiner Meinung zunächst weitere Daten abwarten und im Juni die Zinsen weiter erhöhen. Viele Händler sehen dies jedoch anders: Sie setzen darauf, dass die Notenbank 2019 keine Straffung mehr folgen lässt, um den Aufschwung nicht zu gefährden. Angesichts des Wirtschaftsbooms in den USA haben die Währungshüter den Leitzins zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent erhöht. Es war die vierte Anhebung im Jahr 2018. Zudem hatte sie für 2019 zwei weitere Erhöhungen in Aussicht gestellt.

„Die US-Wirtschaft sendet ein starkes Lebenszeichen“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners über die Job-Daten. Der ebenfalls überraschend hohe Anstieg der Löhne um 0,4 Prozent sei aber ein zweischneidiges Schwert. „Stärkeres Lohnwachstum kann einen stabil hohen Privatkonsum garantieren. Allerdings kann es die US-Notenbank Fed auch zu weiteren Zinsschritten motivieren.“ Spekulationen hierauf gaben dem Dollar Auftrieb.

Die US-Industrie hatte zuletzt überraschend deutlich an Schwung verloren und damit unter Investoren zu Jahresbeginn Sorgen um die Konjunktur geschürt. Für das Schlussquartal 2018 wird von Experten beim Bruttoinlandsprodukt nur noch mit einem Plus von rund 2,5 Prozent gerechnet, da der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelskrieg seinen Tribut fordern dürfte. Zwischen Juli und September 2018 war noch ein Plus beim BIP von aufs Jahr hochgerechnet 3,4 Prozent herausgesprungen. Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow sagte, die Daten vom Freitag würden wahrscheinlich dazu führen, dass die BIP-Vorhersagen nach oben geschraubt würden.

Auch der jüngste Anstieg der Arbeitslosenquote könnte oberflächlich betrachtet als negatives Konjunktur-Signal gewertet werden. Doch dass die Stellenzahl im Dezember stark anstieg und zugleich die Arbeitslosenquote nach oben ging, ist kein Widerspruch in sich. Denn die Basis bilden zwei unterschiedliche Datensätze: eine Arbeitgeberumfrage, aus der Jobzahlen gewonnen werden, und eine Haushaltsumfrage, aus der die Arbeitslosenquote berechnet wird. Dabei spielt auch eine Rolle, dass sich viele Amerikaner wegen der glänzenden Arbeitsmarktlage nun wieder aktiv um einen Job bemühen, die sich zuvor kaum Chancen auf eine Stelle ausgerechnet hatten.

Analyst Bernd Krampen von der NordLB sieht die jüngsten Job-Daten als „Beruhigungsspritze gegen Konjunktursorgen“. Doch dürfte es aus seiner Sicht perspektivisch für die US-Firmen schwierig werden, mehr als 200.000 neue Arbeitsplätze pro Monat zu schaffen. „Erstens ist der Arbeitsmarkt nach fast zehn Jahren Aufschwung in vielen Regionen leergefegt und zweitens begrenzt der zunehmend zu beobachtende Fachkräftemangel einen adäquaten Stellenaufbau.“

Der Eurokurs ist am Freitag nach dem zunächst starken US-Arbeitsmarktbericht deutlich unter Druck geraten. Die Gemeinschaftswährung fiel am Nachmittag bis auf 1,1346 US-Dollar. Zu Mittag hatte sie noch über 1,14 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1403 (Donnerstag: 1,1348) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8770 (0,8812) Euro.




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