Letztes Update am Sa, 05.01.2019 16:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Winterwetter - Lawinengefahr, Evakuierungen, Sperren und Staus



Wien (APA) - Starker Schneefall und teils stürmischer Wind haben am Samstag wie erwartet den Großteil Österreichs in Atem gehalten. Große Lawinengefahr, Straßensperren, Evakuierungen von Ortschaften, abgeschnittene Dörfer und Staus waren die Auswirkungen. Eine Entspannung der Situation war zunächst nicht in Sicht. Im Salzburger Pinzgau wurde eine Person bei einem Lawinenabgang verschüttet.

Die Lawine ging kurz vor 13.00 Uhr bei der Schützingalm in Thumersbach bei Zell am See ab. Ein Einsatz mit Rettungshubschraubern war nicht möglich. So stiegen Bergretter aus Saalfelden und Zell am See sowie Hundeführer-Teams zu Fuß auf, bis sie den Einheimischen unterkühlt, aber sonst unverletzt bargen.

Besonders prekär war die Lage nach wie vor in der Obersteiermark. Es gab neue Straßensperren, vor allem im am stärksten betroffenen Bezirk Liezen. Die Experten beurteilten die Lawinengefahr in den nördlichen Landesteilen weiterhin mit „groß“, also Stufe vier der fünfteiligen Skala.

Laut einem Bericht der Landeswarnzentrale Steiermark wurde etwa die Ennstal Bundesstraße (B320) zwischen Trautenfels und Espang gesperrt. In Wildalpen wurden die Straßen nach Hinterwildalpen und Rothwald gesperrt, ebenso die Hochschwabstraße nach Weichselboden. Hier sind nun rund 100 Personen eingeschneit. In Schladming wurden die Straßen ins Ober- und Untertal gesperrt. Weiters nicht passierbar ist die Straße zwischen Ober- und Unterlaussa in St. Gallen, der Koppenpass zwischen Bad Aussee und Obertraun (Oberösterreich) und im Bezirk Weiz der Pfaffensattel zwischen Semmering und Rettenegg.

Die bereits in den vergangenen Tagen verfügten Straßensperren, etwa jene ins Sölktal, blieben weitgehend aufrecht. Mehrere Ortschaften sind somit weiter eingeschneit und nicht über Straßen erreichbar. Die Straße auf die Planneralm wurde am Vormittag vorübergehend geöffnet, um eingeschlossenen Touristen die Abreise zu ermöglichen. Im Laufe des Tages kamen mehrere Straßensperren dazu, so die Straße über den Triebenpass zwischen Trieben und St. Johann am Tauern (Bezirk Murtal), weiters die Verbindungsstraße zwischen Döllach und Ketten nahe Liezen und die Zufahrt nach Zwanzenbichl (Gemeinde Landl).

In der Ortschaft St. Johann am Tauern in der Gemeinde Pölstal wurden wegen der großen Lawinengefahr 14 Häuser evakuiert. Die Menschen wurden in der Gemeinde untergebracht. In Hohentauern waren rund 550 Personen eingeschlossen. Insgesamt waren in der Steiermark 1.500 bis 1.700 Personen durch Sperren nur erschwert bis gar nicht erreichbar, ernste Versorgungsengpässe gab es aber zunächst nicht.

In den eingeschneiten Gemeindeteilen von Sölk arbeiteten die Feuerwehrleute an der Trinkwasserversorgung, weil die Hauptwasserleitung beschädigt war. Sorge bereitete den Feuerwehren, dass viele Hydranten eingeschneit waren.

Die winterlichen Straßenverhältnisse sorgten auch für Unfälle. Bei Mürzzuschlag etwa wurde ein 26 Jahre alter Pkw-Lenker verletzt. Laut Polizei war er am Samstag gegen 2.30 Uhr auf einem Forstweg stecken geblieben. Als er versuchte zurückzuschieben, geriet der Pkw über die Böschung, überschlug sich mehrmals und kam nach rund 40 Metern zum Stillstand.

Auch in Kärnten gab es Unfälle. Auf der mit Schnee bedeckten Hochrindl Landesstraße kam am Freitag gegen 16.30 eine 24-jährige Klagenfurterin mit ihrem Pkw ins Schleudern und krachte gegen einen Baum. Die Verletzte wurde ins Klinikum Klagenfurt eingeliefert.

Mit einer Entspannung der Lawinensituation war vorerst nicht zu rechnen. Laut Prognosen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik sollen die Schneefälle wie auch der Wind in der Steiermark am Samstag wie am Sonntag anhalten, auch für den Kärntner Bezirk Spittal ist weiterer Neuschnee vorhergesagt. Die Lawinengefahr in den nördlichen Teilen der Steiermark und im Nordwesten Kärntens bleibt groß bzw. erheblich (Stufe vier bzw. drei). In der Steiermark könnte sie bis zum Sonntag noch ansteigen.

Das Wetter und der Rückreiseverkehr aus den Weihnachtsferien sorgten für zahlreiche Staus. Hauptbelastet waren nach Angaben des ÖTC die Verbindungen von Ungarn Richtung Deutschland, speziell in Nieder- und Oberösterreich. So wurde die Wiener Außenringautobahn (A21) am Vormittag wegen hängen gebliebener Lkw gesperrt. In Oberösterreich behinderten hängen gebliebene Lkw den Verkehr auf der Innkreisautobahn (A8) Richtung Suben, mehrere Kilometer Stau waren die Folge, so der ÖAMTC. Behinderungen und Staus gab es auch auf der Westautobahn (A1) im Seengebiet.

Am Nachmittag sperrte die Asfinag die Tauernautobahn auf der Salzburger Seite des Katschbergtunnels in beide Richtungen. Aus Richtung Villach wurde die Autobahn am Südportal des Katschbergtunnels gesperrt. Autofahrern wurde empfohlen, die Dauer der Sperre - von mehreren Stunden war die Rede - abzuwarten. Die Katschberg Bundesstraße (B99) war zunächst noch mit Schneeketten befahrbar, allerdings verschlechterten sich die Verhältnisse. Auch auf der Turracher Straße (B95) herrschte Schneekettenpflicht.

Schon davor war die Rückreise über die A10 nur schleppend vorangegangen. Dazu reichte vom Grenzübergang Walserberg der Stau zeitweise bis über den Knoten Salzburg zurück. Es staute abschnittsweise auch auf der Loferer Straße (B178) und Salzachtal Straße (B311). In Tirol brauchten Autofahrer unter anderem auf der Fernpass-Strecke (B179) Richtung Bayern etwa eine Stunde länger. Zusätzlich verschärft wurde die Situation durch zahlreiche Streckensperren wegen Lawinengefahr.

In den beiden westlichsten Bundesländern Tirol und Vorarlberg blieb die Lawinengefahr am Samstag weiterhin angespannt. Bis Sonntag soll sie weiträumig die Stufe 4 erreichen. In besonderen Lagen in Tirol war dies bereits der Fall. Die Meteorologen erwarteten bis Sonntagfrüh „erhebliche Neuschneemengen“, hieß es in den beiden Lawinenwarndiensten von Samstag. In Osttirol und in den südöstlichen Teilen Nordtirols an der Grenze zu Salzburg war bereits am Samstag Stufe 4 ausgegeben worden. Die zweithöchste Warnstufe soll bereits am Samstagnachmittag in weiteren Teilen Nordtirols gelten. Denn verbreitet sollten 40 bis 70 Zentimeter Schnee fallen, lokal könnten es auch mehr sein.

Die Feuerwehren waren in Niederösterreich von den teils starken Schneefällen und den damit verbundenen widrigen Straßenverhältnissen gefordert worden. Bis zum frühen Nachmittag wurden die Helfer bereits zur mehr als 90 Verkehrsunfällen gerufen. Bei einem Frontalzusammenstoß im Bezirk Gänserndorf kam eine Person ums Leben, weitere vier wurden verletzt.




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