Letztes Update am Mo, 07.01.2019 15:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


E-Mobilität - Förderpaket erfährt durchwegs positive Aufnahme



Wien (APA) - Auf durchwegs positive Reaktionen stößt die vom Verkehrs- und Umweltministerium geplante Förderung des Kaufs von Elektrofahrzeugen in den Jahren 2019 und 2020 mit insgesamt 65,5 Mio. Euro. „Es ist sehr wertvoll, dass die Förderung von Fahrzeugen als auch von Hardware fortgeführt wird“, sagte Birgit Wildburger, Sprecherin von Smatrics, einer österreichweiten Betreiberin von E-Ladestationen.

Die Ankaufförderung könne wesentlich zur Marktdurchdringung von E-Autos beitragen, sind die Automobilimporteure überzeugt. Anders als in anderen Ländern werde die Förderung in Österreich auch sehr gut angenommen, so der Sprecher der Importeure, Günther Kerle, in einer Aussendung. Insgesamt seien seit dem Start der Förderung 2016 über 14.000 Anträge eingegangen.

Die Neuzulassungen von E-Fahrzeugen bewegen sich laut Kerle aber noch auf einem niedrigen Niveau - mit steigender Tendenz. Von Jänner bis November 2018 sind demnach knapp 6.200 reine E-Autos in Österreich neu zugelassen worden. Das entspricht nur 1,9 Prozent der Gesamtzulassungen. Wie viele davon über die geförderte Obergrenze beim Anschaffungspreis von 50.000 Euro fielen, lässt sich aus den Statistikdaten nicht ablesen. Der Anteil der Elektroautos am Gesamtbestand beträgt 0,4 Prozent.

Die Automobilimporteure gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren eine Vielzahl an neuen E-Modellen auf den Markt kommen wird, die aufgrund ihrer erhöhten Reichweiten durchaus auch alltagstauglich sein werden.

Laut Wildburger ist noch eine gewisse Förderung der E-Mobilität erforderlich, damit eine kritische Schwelle überschritten werden kann. Sehr wertvoll sei in diesem Zusammenhang, dass auch die Ladeinfrastruktur einbezogen wird: „Denn die erste Frage nach dem Ankauf eines E-Autos ist die Frage, wo kann ich laden“, so die Smartics-Sprecherin im APA-Gespräch. Das Unternehmen ist eine Kooperation von OMV, Siemens und Verbund sowie Betreiberin des ersten österreichweit flächendeckenden High-Speed-Ladenetzes.

Begrüßt wird von Wildburger auch, dass das Thema der Installation von Ladestationen in Mehrfamilienhäusern - zumindest teilweise - in das Förderpaket einbezogen wird. Die Zustimmung von Mitbewohnern sie hier bisher ein Thema gewesen. Und auch in den Bauordnungen sei das Thema Ladestationen noch nicht verankert.

Die Radlobby Österreich zeigt sich besonders darüber erfreut, dass es nun auch bundesweit eine Förderung von E-Lasträdern für Private in Höhe von 400 Euro geben soll. „In Wien ist diese Förderung 2018 sehr gut angenommen worden. Innerhalb von wenigen Monaten waren die Fördergelder vergriffen“, berichtete Roland Romano, Sprecher des gemeinnützigen überparteilichen Vereins, im APA-Gespräch.

Romano spricht sich zudem dafür aus, dass in die Bundesförderung für E-Transporträder auch normale Lastenräder, also ohne Motor, miteinbezogen werden, da es derzeit keine bundesweite Transportradförderung gebe.

Mit der geplanten Höhe der Förderung zeigt sich Romano grundsätzlich zufrieden. E-Lastenräder gebe es ab 2.500 Euro bis etwa 5.000 Euro. Ein herkömmliches Lastenrad koste zwischen 1.000 und 2.000 Euro.

Viel wichtiger als die jeweilige Höhe der Förderung sei, dass die entsprechenden Budgetsäcke auch gefüllt seien, damit das Fördervolumen nicht schnell vergriffen sei und nur wenige Leute zum Zuge kommen, betonte Romano.

Beim Thema E-Mobilität würde Romano überhaupt stärker auf E-Fahrräder setzen. „E-Autos sind eher eine Randerscheinung, E-Fahrräder haben zehn Mal mehr Absätze, die Revolution findet im Fahrradbereich statt.“ Hier gebe es auch noch Luft nach oben, jedenfalls beim Transportfahrrad, das ähnliche Kapazitäten wie ein Kraftfahrzeug habe.

Positiv sei, dass jetzt auch private E-Lastfahrräder gefördert würden, so der Radverkehrsbeauftragte der Stadt Wien und Geschäftsführer der Mobilitätsagentur Wien, Martin Blum. Bisher sei das nur für Unternehmen und Vereine der Fall gewesen. Auch er hält eine Ausweitung auf normale Lastfahrräder für wünschenswert. Dies sei auch in Wien so gewesen. Bei der Höhe der Förderung gebe es zwar Luft nach oben, aber es zähle auch das Signal zur Unterstützung.

Bedauerlich findet Blum daneben, dass bei der Förderschiene im Rahmen von klimaaktiv nur noch Städte und Gemeinden mit weniger als 30.000 Einwohner etwa beim Ausbau von Radwegen gefördert würden und größere Städte damit wegfielen.

Zwar begrüßt auch der Autofahrerklub ÖTC in einer Aussendung das geplante Förderpaket und sieht darin ein wichtiges Signal zur Erreichung der CO2-Ziele im Verkehr, gleichzeitig ortet der Mobilitätsclub aber auch staatlichen Handlungsbedarf bei alternativen Kraftstoffen: „Wenn wir den Anteil der Beimengung von biogenen oder synthetischen Kraftstoffen zum herkömmlichen Diesel oder Benzin steigern, sparen wir damit massiv CO2 aus fossilen Quellen für die gesamte Fahrzeugflotte ein. Das heißt: Auch Altfahrzeuge stoßen weniger Klimagase aus“, so der ÖAMTC-Interessenvertreter Bernhard Wiesinger in einer Aussendung.

Das CO2-Einsparungspotenzial durch alternative Kraftstoffe wird mit bis zu 89 Prozent beziffert. Die jetzt beschlossene E-Autoförderung bringe mit maximal 0,07 Millionen Tonnen jährlicher CO2-Reduktion nur ein Vierzehntel der Mindestvorgaben der EU in punkto Beimengung von biogenen Kraftstoffen, betont der ÖAMTC.




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