Letztes Update am Di, 08.01.2019 13:14

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nordkoreas Machthaber Kim besucht vor Gipfel mit Trump China



Peking/Pjöngjang (APA/dpa/Reuters) - Bei seinem vierten China-Besuch in nur einem Jahr will sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping über seinen Kurs gegenüber den USA abstimmen. In einem Sonderzug traf Kim am Dienstag in Peking ein, wo er bis Donnerstag bleiben will.

Die Visite erfolgt vor dem Hintergrund der stockenden Verhandlungen über eine atomare Abrüstung des isolierten stalinistischen Staates, der unter massiven Sanktionen leidet. Die Gespräche dienen Kim der Vorbereitung für das Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump, das trotz mangelnder Fortschritte bei der Abrüstung in den kommenden Wochen stattfinden soll. Ort und Zeitpunkt sollen „möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft verkündet“ werden, hatte Trump am Sonntag in Washington gesagt. Es gibt Spekulationen, dass der Gipfel in Vietnam stattfinden könnte. Auch war in US-Berichten von Indonesien oder der Mongolei die Rede.

„Wir sind immer der Überzeugung, dass es höchst hilfreich ist, wenn die USA und Nordkorea in Kontakt miteinander stehen“, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Geng Shuang, vor Journalisten. „China hat immer unterstützt, dass Nordkorea und die USA ihren Dialog fortsetzen und positive Ergebnisse erzielen.“ Als enger Nachbar unterhalte China freundschaftliche Beziehungen zu Nordkorea, sagte der Sprecher.

Nachdem ein mysteriöser Sonderzug am Montagabend über die nordkoreanische Nordgrenze bei Dandong nach China gefahren war, bestätigten beide Regierungen am Dienstag den Besuch. In sozialen Medien kursierten Videos von einem Autokonvoi mit einem hohen Staatsgast und einer Motorradstaffel, der vom alten Pekinger Bahnhof durch die Innenstadt rollte.

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Es wird angenommen, dass Nordkoreas Machthaber an diesem Dienstag 35 Jahre alt wurde. Sein Geburtsjahr ist unklar. Die Geburtstage der früheren Machthaber Kim Il-sung und Kim Jong-il - sein Großvater und Vater - werden in Nordkorea immer groß gefeiert. Bei dem jungen Führer ist das heute anders. Er wird bei seiner Reise von seiner Frau Ri Sol-ju sowie dem Chefunterhändler für die Verhandlungen mit den USA, Kim Yong-chol, begleitet.

Die südkoreanische Regierung begrüßte den China-Besuch Kims. Ein Beamter des Außenministeriums äußerte in Seoul die Hoffnung, dass die Gespräche in Peking zu einer vollständigen atomaren Abrüstung und der Schaffung eines permanenten Friedens auf der koreanischen Halbinsel beitragen könnten, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Bei ihrem historischen ersten Gipfel im Juni in Singapur hatten sich Trump und Kim allgemein auf das Ziel einer atomaren Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel geeinigt. Doch konkrete Zusagen, bis wann das nordkoreanische Atomwaffenarsenal abgerüstet werden soll und wie die Gegenleistungen der USA aussehen könnten, blieben bisher aus. Nordkorea will vor allem eine Lockerung der internationalen Sanktionen. Als größter Handelspartner spielt China bei der Umsetzung der Strafmaßnahmen eine Schlüsselrolle. Trump hatte am Sonntag noch einmal bekräftigt, dass die Sanktionen voll aufrechterhalten werden, bis Fortschritte bei der Abrüstung gemacht werden.

Der erneute Besuch Kims in Peking demonstriert die starken Beziehungen zwischen Nordkorea und China. Beide hatten im Korea-Krieg (1950-53) Seite an Seite gegen die USA und Südkorea gekämpft und feiern heuer den 70. Jahrestag der Aufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen. Mit den Atom- und Raketentests Kims war das Verhältnis 2017 zwar erschüttert, erholte sich Anfang 2018 aber schnell, als Kim seine Annäherung an Südkorea einleitete und seine Provokationen einstellte.

In seiner Neujahrsansprache vor einer Woche hatte Kim jedoch mit einer Abkehr vom Annäherungskurs gedroht, falls die USA an ihren Sanktionen festhalten. Er bekräftigte zwar die Absicht zur atomaren Abrüstung und Fortsetzung der Gipfeldiplomatie mit den USA, warf aber Washington vor, Zusagen nicht einhalten zu wollen und Pjöngjang einseitige Abrüstungsschritte abzupressen. „Falls die USA ihre vor der ganzen Welt gemachten Versprechen nicht erfüllen, unsere Geduld falsch einschätzen und an Sanktionen und Druckmitteln festhalten, um Dinge einseitig zu erzwingen, werden wir wahrscheinlich keine andere Wahl haben, als einen neuen Weg auszuloten“, hatte Kim gesagt. Er forderte, dass die USA ihre Militärmanöver mit Südkorea beenden und keine strategischen Waffen auf die koreanische Halbinsel gebracht werden dürften.

Mit seinem Besuch in Peking wolle Kim der US-Regierung vor Augen führen, dass er auch andere diplomatische und wirtschaftliche Optionen habe, sagte Harry J. Kazianis vom US-Außenpolitik-Institut Centre for the National Interest. Die Erwähnung eines neuen Weges in Kims Neujahrsansprache könne durchaus als Drohung verstanden werden, sich enger an China anzubinden. „Das sollte Amerika doch ziemlich beunruhigen.“

US-Außenminister Mike Pompeo lobte ausdrücklich Chinas Unterstützung für die Bemühungen um atomare Abrüstung der koreanischen Halbinsel. Er sehe nicht, dass der US-chinesische Handelsstreit dies gefährde, sagte er dem Sender CNBC. „Die Chinesen haben uns sehr deutlich gemacht, dass das getrennte Themen sind“, sagte er. Derzeit führt eine US-Delegation in Peking Gespräche mit der chinesischen Regierung zur Beilegung des Handelsstreits. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte auf die Frage, ob es einen Kontakt zwischen der US-Handelsdelegation und der nordkoreanischen Delegation in Peking geben könnte, die Delegationen seien nicht auf derselben Stufe.




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