Letztes Update am Di, 08.01.2019 13:14

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wohnungspreise steigen 2019 ungebremst



Wien (APA) - Wohnraum ist nach wie vor ein knappes Gut. Die Preise dürften heuer im Schnitt genauso stark zulegen wie 2018. „Im ‚big picture‘ sehen wir keine Preisdämpfer im laufenden Jahr - wir haben in Wien einen Bauboom“, sagte der Chef des Immobiliendienstleisters EHL, Michael Ehlmaier, am Dienstag vor Journalisten in Wien. Der Markt werde sich erst mittel- bis langfristig entspannen.

„Wir gehen für 2019 von einer weiteren Steigerung von 1,5 Prozent bei den Mieten und von bis zu 5 Prozent, vielleicht auch knapp darüber, bei den Kaufpreisen aus“, präzisierte die Geschäftsführerin der zur EHL-Gruppe gehörenden EHL Wohnen GmbH, Sandra Bauernfeind, in Bezug auf Neuvermietungen bzw. Neubauprojekte. Die Mieten wiesen im internationalen Vergleich aber weiterhin ein „relativ geringes Niveau“ auf.

Die Nachfrage nach Wohnungen ist ungebrochen hoch. Der treibende Faktor sei „sicher die Entwicklung der Bevölkerung“. „Das Bevölkerungswachstum ist nach wie vor gegeben, schwächt sich allerdings mehr ab als noch vor einigen Jahren gedacht“, so die Immobilienexpertin. 2015 hätte es noch etwa 43.000 „zusätzliche Wiener“ gegeben, 2018 nur noch 22.000 bis 23.000.

Doch auch die nach wie vor niedrigen Zinsniveaus befeuern die rege Nachfrage nach Wohnungen. Kredite sind zu relativ attraktiven Bedingungen zu bekommen: „Finanzierung ist kein ‚Deal Breaker‘“, stellte Bauernfeind fest. Finanzierungen würden von den Banken problemlos vergeben - „15 bis 20 Jahre fix bekommt man unter 2 Prozent“, sagte die EHL-Wohnimmobilien-Chefin unter Verweis auf die Zinskonditionen.

Um der massiven Nachfrage nach Wohnraum gerecht zu werden, wird auch fleißig gebaut: Die Baubewilligungen und Baufertigstellungen bewegten sich laut Bauernfeind derzeit auf einem Rekordniveau, das zuletzt in den Neunzigerjahren zu sehen gewesen sei. Die Bewilligungen hätten sich im Jahresabstand von 7.000 bis 9.000 auf aktuell knapp 20.000 mehr als verdoppelt, die Fertigstellungen von 4.000 bis 6.000 auf rund 11.500. Entgegen dem Trend der Vergangenheit seien „deutlich mehr Mietwohnungen geplant als Eigentumswohnungen“, vermerkte Ehlmaier.

„Dieser Bauboom ist auch verantwortlich für die entsprechend gestiegenen Baupreise. Diese erhöhten sich im Laufe des vergangenen Jahres laut EHL um 20 bis 30 Prozent. In den Jahren davor hätten sich vor allem die Grundstückspreise empfindlich verteuert. „Wir werden auch 2019 mit steigenden Baupreisen konfrontiert sein - die Auftragsbücher sind voll“, so die EHL-Expertin.

Wien wächst vor allem dort, wo Flächenreserven für die Neuproduktion von Wohnraum zur Verfügung stehen - im 22., 11. und 21. Bezirk. Der flächenmäßig größte 10. Bezirk habe durch die U1-Verlängerung nach Oberlaa gewonnen, aber auch der 14. sei „von einer regen Neubautätigkeit geprägt“.

„Das bestehende Mietrechtsgesetz (MRG) hat dafür gesorgt, dass die internationalen Immobilieninvestoren relativ spät zu uns gekommen sind - sie konzentrieren sich auf Neubauprojekte“, berichtete Bauernfeind weiters. Sie meint, dass ein MRG gefunden werden müsse, dass es dem Eigentümer erlaube, mit seiner Immobilie zumindest kostendeckend wirtschaften zu können. „Das Interesse an Immobilien wird auch 2019 ungebrochen hoch sein - die Investoren lassen sich auch nicht durch ein Mietrechtsgesetz so stark abschrecken wie in der Vergangenheit“, vermerkte Ehlmaier. Wien gelte bei Anlegern als „sicherer Hafen“.




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