Letztes Update am Mi, 09.01.2019 07:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WWF, Klimaexperten und Ökonomen fordern ökologische Steuerreform



Wien (APA) - Auf Initiative des WWF Österreich machen renommierte Klimawissenschafter und Ökonomen Druck für eine ökologische Steuerreform. Sie appellieren in einem Brief an die Regierungsspitze und die zuständigen Fachminister, der angekündigten „größten Steuerreform aller Zeiten“ auch eine starke Umwelt-Komponente zu geben.

„Das gesamte Steuer- und Abgabensystem muss auf Klimaschutz und Energieeffizienz optimiert werden“, zitiert Hanna Simons, Leiterin Natur- und Umweltschutz beim WWF Österreich, aus dem Offenen Brief.

Die Steuerreform solle aufkommensneutral fossilen Energie- und Ressourcenverbrauch verteuern, während der Faktor Arbeit entlastet wird und Umweltinvestitionen günstiger werden. Jeder Haushalt soll daraus einen Öko-Bonus erhalten. Hinzu kommen sollen Offensivmaßnahmen für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und des Radverkehrs sowie für die thermische Sanierung von Gebäuden. Eine solche Reform solle auch für die Wirtschaft aufkommensneutral ausgestaltet sein, dürfe dabei aber nicht ihre Lenkungswirkung verlieren.

Den Appell unterstützen die renommierten Klimaforscher Helga Kromp-Kolb und Herbert Formayer, der Harvard-Ökonom Gernot Wagner, Klima-Ökonom Karl Steininger und Gottfried Kirchengast, Leiter des Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz, der Innsbrucker Gletscherforscher Georg Kaser, WU-Professorin Sigrid Stagl und der Meteorologe Gerhard Wotawa, Obmann des Climate Change Centre Austria (CCCA). Mit an Bord ist auch Keywan Riahi (IASA), einer der weltweit meistzitierten Klimaforscher sowie Mitautor von UN-Klimaberichten. Dazu kommen die Umwelthistorikerin Verena Winiwarter und die Umweltpsychologin Isabella Uhl-Hädicke, Helmut Haberl und Marina Fischer-Kowalski vom Institut für soziale Ökologie an der Universität für Bodenkultur sowie Thomas Wrbka von der Universität Wien, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des WWF Österreich.

Spielraum für die geforderte Öko-Steuerreform bestehe aufgrund der Ungleichgewichte im aktuellen System. Laut Eurostat liege Österreich bei den Umweltsteuern mit einem Anteil von 5,6 Prozent am Gesamtsteueraufkommen unter dem EU-Schnitt. Auch Treibstoff sei im EU-Vergleich nur sehr niedrig besteuert. Zudem habe das WIFO bereits im Februar 2016 berechnet, dass jährlich bis zu 4,7 Milliarden Euro für kontraproduktive klima- und umweltschädliche Subventionen vergeudet werden. „Aufgrund der Klimakrise muss auf allen Ebenen eine Kostenwahrheit fossiler Energien hergestellt werden. Umwelt- und klimaschädliche Anreize und Subventionen sind daher möglichst rasch abzuschaffen“, fordern die Wissenschafter in ihrem Brief.

„Wenn Österreich seine internationalen Klimaschutzverpflichtungen einhalten will, muss die Bundesregierung endlich entschlossen gegensteuern. Alles andere wäre verantwortungslos und das genaue Gegenteil einer enkelfreundlichen Politik“, warnen WWF und die Wissenschaft in ihrer Initiative. „Weder symbolische Bekenntnisse noch die bisher gestarteten Projekte reichen auch nur annähernd aus, um die notwendige Trendwende zu schaffen. Mehr denn je braucht es daher eine umfassende ökologische Reform des Steuersystems“, bekräftigt WWF-Unterzeichnerin Simons.




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