Letztes Update am Mi, 09.01.2019 08:31

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Das Rheingold“: Ein „Ring“-Auftakt der Routiniers am Wiener Ring



Wien (APA) - Am 24. Jänner 1878 erklang Wagners „Rheingold“ das erste Mal an der Wiener Staatsoper. Allerdings noch nicht in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf, die aber nun auch bereits im zehnten Jahr am Ring zu sehen ist. So schmiedet seit dem gestrigen Dienstag die Staatsoper wieder das verfängliche Geschmeide in der minimalistischen Ausstattung des einstigen Salzburger Schauspielchefs.

Zum 19. Mal schnappte sich in der Bechtolf‘schen Deutung Alberich das Edelmetall aus seiner liquiden Schutzhülle, um zum Goldschmied zu mutieren, der sich die scheinbare Allmacht sichert und doch von Göttervater Wotan in seine Schranken gewiesen wird. Zwar blieb von der Uraufführung 2009 in gleicher Rolle lediglich der unverwüstliche Herwig Pecoraro als berückend winseliger Mime, und dennoch ist der Staatsopern-“Ring“ 2019 in den Händen von Routiniers.

Sorin Coliban singt anders als bei der Premiere statt dem Mordopfer Fasolt dessen Täterbruder Fafner. Den größten Aufstieg hat allerdings Tomasz Konieczny hinter sich, der sich mittlerweile vom Wüterich Alberich zum gravitätischen Wotan in die Götterwelt hochgearbeitet hat und kurz vor seinem 47. Geburtstag am Donnerstag wieder mit seiner markanten Mischung aus jugendlicher Dynamik und gereifter Färbung überzeugte. Dafür steht ihm mit Jochen Schmeckenbecher ein souverän miesepetriger Alberich gegenüber. Obendrauf gab es noch Norbert Ernst als fluiden Loge.

Entsprechend waren die Ohren auf die einzigen beiden Debütanten des Abends gerichtet: Die Französin Sophie Koch überzeugte bei ihrem Hausdebüt als Hausdrachen Fricka mit feiner Klinge, während der zweite „Ring“-Debütant eher zum Bihänder griff: Axel Kober - als Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein mit den Fluten des namensgebenden Gewässers vertraut - ließ im Graben das Blech von der Leine, suchte weniger den fein ziselierten Klang als die Wucht und stellt damit gleichsam den am Ende umjubelten akustischen Kontrast zu Bechtolfs theaterpraktischer Arbeit dar.

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Die Inszenierung ist eine Reduzierung des „Rheingolds“ auf das Wesentliche oder das minimal Notwendige - je nach Perspektive. Bechtolf verzichtet auf germanische Göttermythen oder zeitaktuellen Bezüge ebenso wie weitgehend auf Ausstattung oder Bühnendynamik. Im Mikrobereich finden sich aber oftmals elegante und stimmige Ansätze in der von Licht und monochromen Farben dominierten Deutung, die ungemein von einer immer noch guten Personenführung lebt. „Dir rat‘ ich, meide den Ring“- Erdas Rat an Wotan - gilt also für die kommenden drei Abende vielleicht für den Göttervater, für das Wiener Publikum hingegen nicht.

(S E R V I C E - Richard Wagner: „Das Rheingold“ an der Wiener Staatsoper, Opernring 2, 1010 Wien. Dirigent: Axel Kober, Regie: Sven-Eric Bechtolf, Bühne: Rolf Glittenberg, Kostüme: Marianne Glittenberg. Mit Tomasz Konieczny - Wotan, Norbert Ernst - Loge, Sophie Koch - Fricka, Monika Bohinec - Erda, Jochen Schmeckenbecher - Alberich, Clemens Unterreiner - Donner, Jörg Schneider - Froh, Anna Gabler - Freia, Herwig Pecoraro - Mime, Jongmin Park - Fasolt, Sorin Coliban - Fafner, Ileana Tonca - Woglinde, Stephanie Houtzeel - Wellgunde, Bongiwe Nakani - Flosshilde. Die weiteren Teile des Rings folgen am 12. Jänner („Die Walküre“), 16. Jänner („Siegfried“) und am 20. Jänner („Götterdämmerung“). www.staatsoper.at).




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