Letztes Update am Mi, 09.01.2019 08:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schwechater Satirefestival: Brillanter Auftakt mit Stefanie Sargnagel



Schwechat (APA) - „Zum letzten Mal für längere Zeit“ ist die Autorin Stefanie Sargnagel am Dienstagabend zur Eröffnung des 18. Schwechater Satirefestival im Theater Forum Schwechat mit einer fulminanten Leseperformance aufgetreten. Im gewohnten Outfit mit roter Baskenmütze brachte sie Kostproben aus publizierten Facebook-Postings und lieferte eine brillante Tour de Force durch gegenwärtige Abgründigkeiten.

Wenn sie so nett und adrett am Lesetisch sitzt, meint man, diese junge Frau könne kein Wässerchen trüben. Doch wenn sie einmal ins Reden kommt (und das liegt ihr offenbar sehr), merkt man schnell, dass es ans Eingemachte geht. In beiläufigem Plauderton berichtet sie lakonisch von ihrem geradezu „klassischen gesellschaftlichen Aufstieg“, der sich letztlich darin manifestiert, „selbstbewusst einen lauten Schas lassen“ zu können. Eine fürwahr luftige Metapher für den Mythos vom erfolgreichen Weiterkommen.

Vom Kunststudium („Die Kunstszene ist überhaupt nicht nett, ganz im Gegenteil“) über die Call-Center-Mitarbeit („Kann verstehen, wenn die unfreundlich sind“) bis zum Publikumspreis beim Bachmann-Wettbewerb 2016 war es ein nicht immer leichter Weg für Sargnagel, die eigentlich Sprengnagel heißt und unter ihrem Namen bis zu 50 Wortmeldungen pro Tag postet. „Sobald ich Witze über rechte Männer mach, gibt‘s einen Shitstorm - die sind so sensibel“, resümiert die populäre, wenn auch vielfach angefeindete 32-Jährige.

Laut denkt sie auch über mögliche private Lebensentwürfe nach: „Ich möchte eine Familie gründen, in der ich das Kind bin.“ Als Mitglied der Burschenschaft Hysteria weist sie en passant auf die „Gefahren des Männerwahlrechts“ hin, überhaupt sei der Platz des Mannes zu Hause. Typisch für die Tendenz Sargnagels, Dinge auf den Kopf zu stellen und allem und jedem mit erfrischend radikaler, eloquenter Respektlosigkeit zu begegnen, im Redefluss strukturiert durch Sprachfloskeln wie „ja, genau!“, scheinbar all‘improvviso und doch höchst professionell kalkuliert.

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„Ich sehe mich nicht als feministische Aktivistin, sondern als Humoristin und Satirikerin“, sagt Sargnagel über ihr Selbstverständnis. Eine begnadet gnadenlose Fundamentalsatirikerin, darf man hinzufügen.

(S E R V I C E - 18. Schwechater Satirefestival, bis 21. Februar, Informationen und Karten: Theater Forum Schwechat, Tel. 01/707 82 72, karten@forumschwechat.com und www.satirefestival.at)




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