Letztes Update am Mi, 09.01.2019 09:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


AKV: Zahlreiche Großpleiten 2018 gefährdeten mehr als 16.700 Jobs



Wien (APA) - Die Insolvenzstatistik für 2018 weist einige Besonderheiten auf. Obwohl sich die Zahl der eröffneten Firmenpleiten um 1,72 Prozent auf 2.972 reduzierte, kam es im vergangenen Jahr aufgrund zahlreicher Großpleiten zu einem hohen Anstieg der Passiva sowie gefährdeter Arbeitsplätze. Wegen einer geänderten Gesetzeslage wurden zudem erstmals seit 1995 mehr als 10.000 Privatkonkurse eröffnet.

2018 waren 16.743 Arbeitsplätze unmittelbar bedroht, um ein Achtel mehr als 2017, geht aus der Insolvenzstatistik für das Gesamtjahr 2018 vom Gläubigerschutzverband AKV Europa hervor. Die Gesamtpassiva der eröffneten Firmeninsolvenzen stiegen um mehr als ein Viertel (+27,27 Prozent) auf 2,51 Mrd. Euro.

Verantwortlich für diesen „exorbitanten Anstieg“ waren mehrere Großpleiten, darunter jene der Fluglinie Niki, der Modekette Charles Vögele, des Anlagenbauers Waagner-Biro, des Raststätten-Betreibers Rosenberger oder der Immobiliengruppe Wienwert.

Während 2017 noch in der Baubranche die meisten Pleiten waren, so wurde im Vorjahr der Handel mit 688 Verfahren am stärksten gebeutelt. Dahinter folgten Bau (625) und Gastronomie (503). „Österreichweit werden wöchentlich 100 Unternehmungen insolvent“, sagte Franz Blantz, Leiter des Insolvenzbereichs, am Mittwoch.

Im vergangenen Jahr wurden 2.233 Verfahren mangels Masse abgewiesen, um fast 4 Prozent mehr als 2017. Das bedeutet, dass bei diesen Unternehmen nicht einmal genug Geld da war, um die Anlaufkosten eines Insolvenzverfahrens von 4.000 Euro abzudecken.

Bei den Privatkonkursen haben die Verbindlichkeiten 2018 mit rund 1,6 Mrd. Euro einen historischen Höchstwert erreicht. In Summe stellten 10.024 Personen einen Privatkonkursantrag, um fast 45 Prozent mehr als 2017. Das ist der höchste Wert seit Einführung des Privatkonkurses im Jahr 1995. „Vor allem vormalige Unternehmer mit Millionenverbindlichkeiten nutzen die neuen Bestimmungen des Privatkonkurses, sodass sich sogar unter den 10 größten, nach Passiva gereihten Insolvenzen österreichweit zwei Privatkonkurse befinden“, so AKV-Chef Hans Musser.

Grund für den starken Anstieg sind neue Regeln für den Privatkonkurs, die am 1. November 2017 in Kraft getreten sind. Mit dem neuen Gesetz werden Schuldner nicht mehr für sieben, sondern für fünf Jahre aufs Existenzminimum gepfändet und früher mussten Schuldner mindestens 10 Prozent ihrer Verbindlichkeiten zurückzahlen. Diese Mindestquote gibt es jetzt nicht mehr.

Die Durchschnittsverschuldung pro eröffnetem Privatkonkurs betrug 160.200 Euro. Zwei Drittel der Privatkonkurse fielen auf Männer, bei denen die durchschnittliche Verschuldung sogar 198.200 ausmachte. Österreichweit beantragten im vergangenen Jahr wöchentlich 193 Privatpersonen ein Schuldenregulierungsverfahren.

(Grafik 0037-19)

~ WEB http://www.akv.at/ ~ APA074 2019-01-09/09:00




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