Letztes Update am Do, 10.01.2019 10:22

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Millionenschwere Goldmünze gestohlen: Prozessbeginn in Berlin



Berlin (APA/dpa) - Der spektakuläre Diebstahl einer zentnerschweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum war vor knapp zwei Jahren groß in den Schlagzeilen. Heute, Donnerstag, hat am Landgericht der Prozess gegen vier junge Männer begonnen. Den Angeklagten im Alter von 20 bis 24 Jahren wird gemeinschaftlicher Diebstahl in besonders schwerem Fall vorgeworfen.

Die 100 Kilo schwere Münze „Big Maple Leaf“ mit dem Bildnis von Königin Elizabeth II. und einem damaligen Goldwert von knapp 3,75 Millionen Euro war in der Nacht zum 27. März 2017 gestohlen worden. Die Beute ist bis heute nicht aufgetaucht. Ermittler vermuten, dass die Goldplatte zerstückelt und verkauft wurde. Von „Big Maple Leaf“ hatte die Königliche Kanadische Münze nur fünf Exemplare geprägt.

Drei der vier Angeklagten gehören laut Gericht zu einer arabischstämmigen Berliner Großfamilie. Die beiden Brüder (20 und 24 Jahre) sowie ihr Cousin (20) sollen in der März-Nacht unbemerkt über ein Fenster in das Museum eingestiegen sein. Das Trio soll dann eine Vitrine zertrümmert und das Goldstück mit Rollbrett und Schubkarre zu einem Fluchtauto geschafft haben.

Ein 20-jähriger, mitangeklagter Wachmann soll zuvor die Örtlichkeiten ausgekundschaftet haben. Der Deutsch-Türke war laut Angaben Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens im Auftrag des Museums, das zum Weltkulturerbe Museumsinsel gehört.

In der Verhandlung könnte es auch um mögliche Sicherheitsmängel in dem Museum gehen. Schon am Donnerstag soll nach Angaben einer Gerichtssprecherin der Sicherheitschef des Bode-Museums als Zeuge gehört werden. Der Fall wird von einer Jugendkammer des Landgerichts verhandelt. Alle Angeklagten sind nicht in Untersuchungshaft. Drei von ihnen sind laut Gericht wegen verschiedener Delikte nach dem Jugendstrafrecht „vorbelastet“.

Mit Blick auf den Prozess forderte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ein stärkeres Vorgehen gegen Clan-Kriminalität. „Zweifelsfrei ist die Clankriminalität in all ihren Facetten ein Paradebeispiel für völlig misslungene Integration“, sagte BDK-Chef Sebastian Fiedler der Zeitung „Die Welt“ (Donnerstag). „Es wird Jahre dauern und eines riesigen gesellschaftlichen Kraftaktes bedürfen, um diese Kriminalität ansatzweise in den Griff zu bekommen.“

Mitglieder der Großfamilie, zu der die angeklagten Brüder und der Cousin gehören, waren wiederholt im Visier der Ermittler. Im Sommer 2018 wurden 77 Immobilien beschlagnahmt, die dem Clan zugerechnet werden. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Eigentumswohnungen und Grundstücke mit Geld gekauft wurden, das aus einem Bank-Einbruch vom Oktober 2014 stammt. Die Beute von mehr als neun Millionen Euro blieb verschwunden. Aus der Politik wurden Forderungen laut, härter gegen kriminelle Clan-Mitglieder vorzugehen.




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