Letztes Update am Do, 10.01.2019 12:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Niederösterreichischer Handel fordert Fairness im Online-Geschäft



St. Pölten (APA) - Der niederösterreichische Handel hat sich für mehr Fairness im Online-Geschäft ausgesprochen. Franz Kirnbauer, Spartenobmann der Wirtschaftskammer NÖ, forderte am Donnerstag „konkurrenzfähige Rahmenbedingungen“ für heimische Unternehmen im Vergleich zu ausländischen Anbietern. 2017 erwirtschafteten 15.340 niederösterreichische Handelsunternehmen einen Netto-Jahresumsatz von 49,4 Mrd. Euro.

Die Summe der im Bundesland getätigten Online-Käufe beträgt Kirnbauer zufolge 1,25 Mrd. Euro. Mehr als die Hälfte davon fließen demnach zu Anbietern ins Ausland ab. Der heimische Handel sei in Sachen Wettbewerb krass benachteiligt: „Die großen internationalen Anbieter zahlen de facto keine Ertragssteuer. Das ist ein Riesenproblem für uns.“ Kirnbauer fordert mehr Anstrengungen auf europäischer Ebene, um Gleichheit im Wettbewerb zu erreichen. Karl Ungersbäck, Spartengeschäftsführer Handel, schlug bei einer Pressekonferenz in die selbe Kerbe, sieht aber vor allem in Sachen Digitalsteuer wenig Bewegung: „Man kann momentan nicht allzu optimistisch sein.“

Präsentiert wurde am Donnerstag auch das Ergebnis für 2017. „Der Handel war erneut der größte Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor im Land“, gab sich Kirnbauer zufrieden. Die von Eurostat, der KMU Forschung Austria, Statistik Austria sowie vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger zusammengetragenen Daten bescheinigten den Handelsunternehmen mit Sitz in Niederösterreich im aktuell ausgewerteten Bilanzjahr 2016/17 im Schnitt eine Verbesserung der Gewinne auf 2,7 Prozent des Netto-Umsatzes. 69 Prozent der Unternehmen erzielten Gewinne, 31 Prozent schrieben rote Zahlen. Rund 39 Prozent des Umsatzvolumens der marktorientierten Wirtschaft wurde in Niederösterreich im Handel erzielt. Drei Viertel der Handelsunternehmen wiesen 2017 eine positive Eigenkapitalausstattung auf.

Exakt 115.660 Mitarbeiter waren 2017 beschäftigt. 2018 kamen laut Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria von Jänner bis November rund 1.300 neue hinzu. Etwa 52 Prozent der Handelsbeschäftigten waren Frauen, 39 Prozent arbeiteten Teilzeit, rund ein Drittel war bereits mehr als zehn Jahre im selben Unternehmen tätig. 2017 wurden im niederösterreichischen Handel 2.270 Lehrlinge ausgebildet, das entsprach im Vergleich mit dem Jahr 2010 einem Rückgang von 520 Stellen. Anreize sollen hier mit dem neuen Lehrberuf E-Commerce-Kaufmann und dem Schwerpunkt „Digitaler Verkauf“ gesetzt werden.

Kritik übte Kirnbauer am Plastiksackerl-Verbot, das ab 2020 in Kraft treten soll. „Das ist ein Thema, das man nicht nur auf Druck der NGOs darstellen sollte.“ Bereits in den vergangenen Jahren habe sich der jährliche Verbrauch pro Einwohner um rund 40 Prozent auf 30 Stück reduziert. Für Kirnbauer fehlen aktuell die Alternativen zum Plastiksackerl.

~ WEB https://news.wko.at/presse ~ APA284 2019-01-10/12:33




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