Letztes Update am Do, 10.01.2019 13:11

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kanadische Wissenschafter messen mysteriöse Radiowellen aus dem All



Paris (APA/AFP) - Wissenschafter in Kanada haben mysteriöse Radiowellen von weit außerhalb unserer Galaxie empfangen. Während eines Testlaufs mit dem riesigen und extrem leistungsfähigen Radio-Teleskop CHIME in der kanadischen Provinz British Columbia seien im Sommer ein Dutzend schneller Radioblitze gemessen worden, schilderten die Astronomen in zwei Studien, die am Mittwoch im Fachblatt „Nature“ erschienen.

In einem Fall wiederholte sich das Radiosignal. Wie und wo die Signale entstanden, sei unklar. Schnelle Radioblitze (Fast Radio Burst - FRB) dauern nur wenige Millisekunden, können aber so viel Energie freisetzen wie die Sonne im Laufe von 10.000 Jahren. Entdeckt wurde das Phänomen 2007.

Nachdem das CHIME-Teleskop nun voll einsatzfähig ist, könnten bis Jahresende womöglich tausend solcher Radioblitze gemessen werden, erklärte Deborah Good, Doktorandin an der University of British Columbia. Sie gehört zu den 50 Wissenschaftern von fünf Forschungseinrichtungen, die an dem Forschungsprojekt beteiligt sind.

„FRBs werden wahrscheinlich in dichten, turbulenten Regionen von Gastgalaxien erzeugt“, sagte der an den Studien beteiligte Astronom Shriharsh Tendulkar von der McGill University. Mögliche Entstehungsorte sind Gaswolken, aus denen Sterne hervorgehen, oder stellare Explosionen wie eine Supernova.

Sich wiederholende schnelle Radioblitze sind ein für die Wissenschaft besonders interessanter Sonderfall. Vor der Messung durch die kanadischen Forscher wurde das Phänomen sich wiederholender Radioblitze erst einmal im Jahr 2012 beobachtet. Es sei auszuschließen, dass die sich wiederholenden schnellen Radioblitze durch Katastrophen entstünden, bei denen ihre Quelle zerstört wird, betonte Tendulkar. „Ein FRB durch das Verschmelzen von zwei Neutronensternen oder eines Neutronensterns mit einem Schwarzen Loch beispielsweise kann sich nicht wiederholen.“

Rätsel geben den Astronomen auch von ihnen registrierte Radioblitze mit besonders großer Wellenlänge von knapp einem Meter auf. Dass es sich dabei um Botschaften von Leben in fernen Galaxien handelt, hielt Tendulkar allerdings für „extrem unwahrscheinlich“. „Als Wissenschafter kann ich das nicht zu 100 Prozent ausschließen“, sagte er. „Aber intelligentes Leben hat kein Astronom als Quelle dieser FRBs im Kopf.“




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