Letztes Update am Do, 10.01.2019 15:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unfälle prägten Biografie von „Luigi Monetti“



Linz (APA) - Zwei Unfälle haben das Leben von Ludwig Scharinger geprägt: Durch einen Motorradunfall zweigte sein Lebensweg vom Bauernhof in Richtung Finanzwelt ab und ließ ihn zum „heimlichen Landeshauptmann von OÖ“ werden. Ein lebensgefährlicher Treppensturz ließ es dann plötzlich still werden um den ehemaligen Gesellschaftslöwen - und ersparte ihm, sich als Angeklagter im Grasser-Prozess verantworten zu müssen.

Heute, Donnerstagvormittag, ist der langjährige ehemalige Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich in Linz gestorben. Er stand im 77. Lebensjahr.

Ludwig Scharinger wurde am 19. Oktober 1942 als ältestes von sieben Kindern in Arnreit (Bezirk Rohrbach) im Mühlviertel geboren. Er absolvierte zunächst die landwirtschaftliche Fachschule in Wieselburg und studierte dann an der Linzer Johannes Kepler Universität (JKU) Betriebs- und Sozialwirtschaft.

Seine Bank-Karriere war nicht von Beginn an vorgezeichnet, ursprünglich sollte er den elterlichen Hof übernehmen. Ein Verkehrsunfall während der Bundesheerzeit, bei dem er sich den Fuß verletzte, machte diese Pläne aber zunichte - und katapultierte ihn in die Finanzwelt unter dem Giebelkreuz, wo er sich wegen seiner Nase für Geschäfte und seiner gleichnamigen Musikgruppe den Spitznamen „Luigi Monetti“ erwarb. Bei Geldsachen gelang es ihm stets, komplizierte Dinge in bewusst einfacher Sprache zu erklären.

1972 trat er in die damalige Raiffeisenzentralkasse Oberösterreich ein, 1985 wurde er Generaldirektor. Bis zu seinem Pensionsantritt 2012 leitete er die Geschicke der Bank. Unter seiner Führung hat sie sich von der Kassa für die Landwirte zur stärksten Regionalbank Österreichs und mit internationalen Geschäftsverbindungen gemausert. Sein Nachfolger Heinrich Schaller betonte heute in einer Aussendung, dass unter Scharinger „die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich eine außergewöhnliche Entwicklung genommen“ habe. Im politischen Geschehen galt er als graue Eminenz der ÖVP-Sphäre und als „heimlicher Landeshauptmann von Oberösterreich“, der in vielen Bereichen mitmischte und mit dem roten Linzer Bürgermeister Franz Dobusch genauso gut konnte wie mit dem schwarzen Landeshauptmann Josef Pühringer. Scharinger war zudem tschechischer Honorarkonsul und bis 2012 Vorsitzender des Universitätsrates der Linzer Universität.

Privat war der nach Eigendefinition „gläubige Mensch“ Scharinger verheiratet, mit seiner Frau Anneliese hatte er vier Töchter. Der begeisterte Jäger, ausgefuchste Tarockierer und passionierte Trompetenspieler war lange Zeit ein fixer Bestandteil des oberösterreichischen Wirtschafts- und Gesellschaftslebens. Still um ihn wurde es allerdings nach einem Unfall in Russland 2013, von dem sich der damals 70-Jährige nie mehr wirklich erholte.

Während seines Ruhestandes war er mit Freunden privat nach Russland gereist, wo es zu dem Unglück kam. Nach dem Sturz wurde er zunächst in ein Krankenhaus in Jekaterinburg eingeliefert, bevor er nach Linz geflogen wurde. Dort versetzen ihn Ärzte wegen eines Schädel-Hirn-Traumas in künstlichen Tiefschlaf. Außerdem hatte er sich noch Schulter und Unterarm gebrochen.

Scharinger erholte sich zwar weitgehend, galt aber seither als gesundheitlich angeschlagen - letzlich ist er nach Angaben aus seinem Umfeld auch an Spätfolgen des schweren Sturzes verstorben. Scharingers Gesundheitszustand wirkte sich auch auf den Grasser-Prozess aus: Der Ex-RLB-Boss befand sich auch unter den 15 Angeklagten im Verfahren um Korruptionsverdacht bei Bundeswohnungsprivatisierung und Linzer Terminal Tower. Er war allerdings nicht verhandlungsfähig, was ihm von einem gerichtlichen Gutachter attestiert worden war. In den Vernehmungen der anderen Angeklagten wurde immer wieder die Rolle Scharingers in der Affäre erörtert - vor allem ob er an der vorgeworfenen Korruption führend mitgewirkt habe oder zumindest beteiligt war. Er wurde dabei unter anderem als „Alphatier“ beschrieben, dessen Linzer Verbindungen nützlich gewesen seien.

~ WEB http://www.rlbooe.at ~ APA457 2019-01-10/15:35




Kommentieren