Letztes Update am Fr, 11.01.2019 07:03

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„Glass“: Der Comicheldengipfel des M. Night Shyamalan



Wien/Hollywood (APA) - 2006 warf M. Night Shyamalan mit seinem finanziellen Flop „Lady in the Water“ einen Metablick auf das Fantasygenre. 2019 nun unternimmt der Filmemacher mit „Glass“ den gleichen Versuch für die Comicschiene, in dem er seine beiden Arbeiten „Unbreakable“ (2000) und zuletzt „Split“ (2016) zusammenführt und zur Reflexion eines ganzen Genres macht. Ab Donnerstag im Kino.

Konkret lässt der 48-jährige Regisseur seine drei legendären Figuren Kevin Wendell Crumb - den jungen Mann mit multipler Persönlichkeitsstörung - , den unverletzlichen David Dunn und den diabolischen Glasknochenpatienten Mr. Glass aufeinandertreffen. Dafür kann Shyamalan auch wieder auf die Darsteller James McAvoy, Bruce Willis und Samuel L. Jackson zurückgreifen. Hatten sich die letzteren beiden in „Unbreakable“ einen Kampf auf Leben und Tod um die Frage der Existenz von Superkräften geliefert, kam der von einer ganzen „Herde“ an Charakteren bewohnte Crumb erst im vorherigen Werk des Vielarbeiters Shyamalan als Entführer zum Einsatz.

Dass sich die beiden vermeintlich voneinander unabhängigen Geschichten verzahnen dürften, wurde erst in der Schlusssequenz von „Split“ deutlich, in der Bruce Willis zu einem Kurzeinsatz kommt. Alle drei Superhelden respektive Bösewichte finden sich nun in der psychiatrischen Einrichtung von Ellie Staple wieder, die die drei davon überzeugen will, dass ihre vermeintlichen Superkräfte schlicht einer Psychose entspringen. Es entspinnt sich ein Machtspiel zwischen den drei Insassen und der Therapeutin um die Wahrheit und die Wahrnehmung der Realität - ein Spiel, bei dem die Rollen von Täter und Opfer wiederholt wechseln und der vermeintliche Spin der Geschichte mit dazu.

Auf den ersten Blick mag „Glass“ wie die Shyamalan-Version der handelsüblichen Marvel-Allstars anmuten, und eben dies ist der Film auch. Zugleich nutzt Shyamalan, der abermals das Drehbuch verfasste, diese offensichtliche Narration, um die Metaebene einzunehmen. Mittels implizierter und zahlreicher expliziter Anspielungen und Verweise wird das eigene Genre im Atemzug seines Entstehens ebenso erfüllt wie desavouiert. Trotz Psychiatriesetting verzichtet „Glass“ dabei auf Gothic-Versatzstücke, setzt kleine, wohldosierte Schockeffekte ohne Splattergewalt. Shymalan lässt sich immer wieder Zeit, lässt seine Geschichte aus ungewohnten Perspektiven, Raumsichten und Spiegelreflexen voranschreiten.

„Glass“ ist die Apotheose eines Strangs im weiten Shyamalan-Oeuvre, der mit „Unbreakable“ noch vor dem Comic-Hype seinen Ausgang nahm und mit „Split“ einen weiteren Schritt im Superheldengenre setzte. Eine weitere Fortsetzung schloss Shyamalan zwar bereits dezidiert aus. Nach der letzten Einstellungen bleibt beim Zuschauer jedoch das Gefühl zurück: Das werden wir noch sehen...

(S E R V I C E - www.glassmovie.com)




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