Letztes Update am Fr, 11.01.2019 07:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Ute Bock Superstar“: Die Menschlichkeit der Helferin



Wien (APA) - In seinem Dokumentarfilm „Ute Bock Superstar“ beleuchtet Houchang Allahyari das Leben der Flüchtlingshelferin von der Kindheit bis zu ihrem Tod im Jänner 2018. Gerade weil der Film die Menschlichkeit der prominenten Aktivistin unterstreicht, inspiriert er zu mehr zivilen Engagement und zeigt, welch große positive Wirkung eine einzelne Person auf andere Menschen haben kann. Ab Freitag im Kino.

Mit den Worten „Ute Bock ist ein Symbol für die Hilfe, die wir geben können, wenn wir wollen“ von Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei einer Gedenkveranstaltung nach Bocks Tod am Wiener Heldenplatz eröffnet Allahyari seinen Film. Diese Aussage dient auch als Wegweiser: Bock als Symbol, Bock als moderne Heldin, Bock als Superstar. Aber der Filmemacher mit iranischen Wurzeln erhöht Bock nicht künstlich, denn das ist auch nicht nötig.

In seinem dritten Film über Ute Bock (nach „Bock for President“ 2009 und „Die verrückte Welt der Ute Bock“ 2010) spricht Allahyari, der selbst mit Bocks Schwester Helga verheiratet war, mit verschiedensten Menschen aus dem Umfeld der Aktivistin, die als Erzieherin begann und sich bis zu ihrem Tod kompromisslos für Menschen in sozialer Not eingesetzt hat. Er zeigt früher aufgenommene Gespräche mit Bock und unterhält sich mit Familienmitgliedern, Unterstützern und Personen, die von ihr Hilfe empfingen. So kommen in den 99 Minuten von ehemaligen Heimbewohnern bis hin zur österreichischen Filmschauspiel- und Kabarettprominenz viele Menschen zu Wort, deren Leben sich durch Bock verändert haben. Durch die vielen, teils sehr bewegenden privaten Eindrücke, Anekdoten und Erzählungen wird schnell klar, dass man sie nicht künstlich zu einer Ikone machen muss, ihre Taten tun dies ohnehin.

Einerseits erinnert der Film an die Menschenrechtsaktivistin und erzählt ihr Leben, andererseits ist er ein inspirierendes Plädoyer für soziales Engagement. Neben den großen positiven Auswirkung auf die Leben vieler Personen wird immer wieder Bocks Menschlichkeit unterstrichen: Sie war bekannt für ihre Mischung aus Witz und Bärbeißigkeit und wird in ihrer Art gar mit Hans Moser und Helmut Qualtinger verglichen. Kabarettist Josef Hader bringt es auf den Punkt, wenn er auf die Normalität des Besonderen verweist, die Ute Bock ausgestrahlt hat. Mit dieser Betonung auf das Menschliche zeigt Allahyari ohne erhobenen Zeigefinger, dass jeder einen Beitrag leisten kann.

Bocks Tod ist auch nicht das Ende ihres Engagements. Die im Film gezeigte Arbeit im weiterhin existierenden Ute Bock Haus, das 2008 mit der Unterstützung des Unternehmers Peter Haselsteiner gegründet wurde, und die Tätigkeit anderer Wiener humanitärer Organisationen, die mit der Aktivistin kooperiert haben, bestätigen dies. So spricht Allahyari auch mit denjenigen Menschen, die Unterstützung benötigen: Die Erzählung einer jungen Frau, die seit neun Jahren in Österreich lebt und zu ihrem 18. Geburtstag den Abschiebebescheid bekommen hat, obwohl sie gut integriert ist, ist besonders berührend.

Bis hin zu ihrer Pflegerin an ihrem Totenbett hat Bock die Menschen nachhaltig beeindruckt und ist zum Symbol für die Menschlichkeit und das zivile Engagement, das sie als normal empfand, avanciert. Dass sie einige Leute wegen ihrer Arbeit hassten, habe sie nicht weiter gestört, und sie erzählt, dass wohl auch ihr Vater nicht mit ihrem Lebensweg einverstanden gewesen wäre. Gerade in der jetzigen politischen Situation, die für Haselsteiner die „Grenzen des Humanismus überschreitet“, sei dieses Engagement aber besonders wichtig. Trotz allem setzte Bock unbeirrbar ihre Arbeit fort - das Lichtermeer am Heldenplatz bei der Gedenkveranstaltung zu ihrem Tod beweist die breite gesellschaftliche Unterstützung.

Allahyari zeigt mit diesem Film unverschnörkelt, dass ziviles Engagement und Hilfe nicht nur von Heiligen erwartet werden dürfen, sondern ein normales menschliches Verhalten darstellen. Ihre Unbeirrbarkeit stilisiert Ute Bock zwangsläufig auch ohne den Einfluss des Regisseurs zu einem inspirierenden Symbol, ohne dabei abgehoben zu erscheinen.

(S E R V I C E - http://stadtkinowien.at/film/1085/)




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