Letztes Update am Fr, 11.01.2019 11:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Winterwetter - Lawinensituation in Salzburg weiterhin angespannt



Salzburg/Österreich-weit (APA) - Die Lawinensituation im Bundesland Salzburg ist auch am Freitag trotz Wetterbesserung angespannt gewesen. Es herrschte verbreitet Warnstufe vier der fünfstufigen Skala. „Lawinen können ganz leicht ausgelöst werden“, so Michael Butschek vom Lawinenwarndienst Salzburg. Einige Gebirgsstraßen sowie die Bahnstrecke am Pass Lueg und zwischen Saalfelden und Hochfilzen waren noch gesperrt.

Das Wetterfenster sollte am Freitag für Erkundungsflüge mit zwölf Hubschraubern genutzt werden, damit sich die Behörden einen besseren Überblick über die Situation verschaffen können. Im Einsatz waren Hubschrauber des Bundesheers, der Polizei und von privaten Anbietern. Auch weitere „Downwash“-Aktionen waren geplant. Dabei wird mit dem Wind, den Rotorblätter von Helikoptern erzeugen, der Schnee von den Bäumen geblasen.

Der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz sah dem heutigen Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. „Einerseits sind endlich Erkundungsflüge und Lawinensprengungen möglich, andererseits könnte das schöne Wetter einige Wintersportler und Wanderer zu äußerst riskanten Aktionen verleiten.“ Um Gebäude und Verkehrswege von den Schneemassen zu befreien, standen auch viele Freiwillige Helfer, mehr als 500 Feuerwehrleute und rund 220 Soldaten des Bundesheers im Einsatz.

Zahlreiche Menschen waren am Freitagvormittag noch von der Außenwelt abgeschnitten - am gestrigen Donnerstag wurden über 9.000 Betroffene gezählt. Rund 350 Gäste des Berghotels „Rudolfshütte“ in Uttendorf im Pinzgau sollten am Freitag ins Tal gebracht werden. In der Gemeinde Taxenbach (Pinzgau) hat eine Lawine im Griesergraben die Zufahrt zu einigen Häusern verschüttet. Rund 40 Personen waren vorerst eingeschlossen. Auch die rund 450 Einwohner von Weißbach bei Lofer waren noch wegen einer Sperre der B311 von der Außenwelt abgeschnitten. Einige Bewohner in Unken und zwölf Personen in der Birgkarhütte am Dientner Sattel waren ebenfalls noch eingeschlossen.

Die rund 6.000 Personen, die sich am Donnerstag in Obertauern aufhielten und den Skiort wegen Lawinengefahr mit dem Auto nicht verlassen durften, konnten am Freitag aufatmen. Die B99 von Untertauern nach Obertauern wurde am Freitag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr für den Verkehr freigegeben, sagte ein Sprecher des Landes Salzburg zur APA. Die Straße wird in der Nacht auf Samstag aus Sicherheitsgründen allerdings wieder gesperrt.

Am Freitagvormittag waren noch einige Straßen gesperrt, beispielsweise die Salzachtalstraße B159 zwischen Golling und Tenneck, die Hochkönigstraße B164 zwischen Mühlbach am Hochkönig und dem Dientener Sattel sowie über den Filzensattel. Der Bahnverkehr am Pass Lueg zwischen Golling-Abtenau und Werfen blieb laut ÖBB bis Freitagmittag eingestellt. Es wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Die Stromversorgung im Bundesland war mittlerweile wieder weitgehend hergestellt. Freitagfrüh waren laut Auskunft der Salzburg AG rund 200 Kunden ohne Strom. In der von Neuschnee geplagten Stadt Salzburg sind am Freitag gegen 9.30 Uhr wegen der Gefahr umstürzender Bäume sämtliche Stadtgärten, Parks, Stadtwälder, Friedhöfe, Spielplätze und die Hellbrunner Allee bis auf Weiteres gesperrt worden.

Wie die Bildungsdirektion vermeldete, blieben am Freitag 33 Schulen im Bundesland zu. Betroffen waren vorwiegend Volks- und Neue Mittelschulen. Geschlossen wurden auch einige wenige Höhere Schulen, etwa das Werkschulheim Felbertal oder die HTL und HBWL in Saalfelden.

Wegen des labilen Schneedeckenaufbaus appellierte Michael Butschek vom Lawinenwarndienst an die Wintersportler, nicht im freien Gelände abseits der Pisten abzufahren. Über der Waldgrenze herrschte große Lawinengefahr. Mit spontanen Lawinenabgängen sei zu rechnen, aus Einzugsgebieten über 2.200 Meter Seehöhe „können sie sehr groß werden und Verkehrswege erreichen“. Unter 1.400 Meter Seehöhe bestehe weiterhin sehr starke Gleitschneeaktivität, auch hier seien größere Abgänge auf exponierte Zufahrten möglich. Unterhalb der Waldgrenze und in den Lungauer Nockbergen war die Lawinengefahr erheblich (Stufe drei).

Die Lawinengefahr werde am Samstag in Bezug auf spontane Lawinen weiter langsam abnehmen. Die Situation bleibe für den Wintersportler aber angespannt. „Am Sonntag folgt ein markanter Anstieg der Lawinengefahr.“




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