Letztes Update am Fr, 11.01.2019 13:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Winterwetter - Einsatzkräfte nutzten Wetterbesserung



Wien (APA) - Die Atempause aufgrund der Wetterbesserung wurde von den Einsatzkräften am Freitag genutzt, um u.a. Eingeschneite aus ihrer misslichen Situation zu befreien, Lawinen zu sprengen, Straßen freizumachen, die Stromversorgung wieder herzustellen sowie Dächer und Bäume von der Schneelast zu räumen. Doch bereits für das Wochenende waren die nächsten ergiebigen Schneefälle vorausgesagt.

Während sich die Lage in Tirol mit der Wetterbesserung zunehmend entspannte, blieb die Situation auf der Innsbrucker Nordkette noch etwas angespannt. Es konnten zwar erste Erkundungsflüge und zwei Probelawinensprengungen durchgeführt werden. Da dabei aber mehr Schnee mitabgegangen war, als erwartet, nahm die Stadt vor weiteren Sprengungen vorerst Abstand. Man hoffte, dass sich mit der Wetterbesserung der Schnee etwas setzen wird und man dann am Samstag sprengen könne. Die Sicherheitsanweisungen für die rund 280 Bewohner der rund 80 Gebäude in der Roten bzw. Gelben Lawinengefahrenzone in den Stadtteilen Mühlau, Hötting und Hungerburg blieben daher vorerst aufrecht.

Die Stromversorgung in Tirol konnte am Freitag wieder großteils hergestellt werden. Während am Donnerstag noch bis zu 360 Trafostationen in 31 Gemeinden mit 17.000 Stromkunden zeitweise ohne Strom waren, konnte kurz nach Mitternacht die letzte größere Mittelspannungsstörung behoben werden, hieß es seitens der Tinetz. Einzelne Gemeinden, Weiler und Orte waren nach wie vor über die Straße nicht erreichbar, zu größeren Ereignissen oder Lawinenabgängen war es jedoch nicht gekommen.

In Niederösterreich standen am Freitag drei Katastrophenzüge der Feuerwehr im Einsatz. Sie waren nach Mitterbach am Erlaufsee, Annaberg und St. Aegyd am Neuwalde im Bezirk Lilienfeld entsandt worden, teilte Franz Resperger vom Landeskommando mit. Insbesondere Hausdächer mussten von teils immenser Schneelast befreit werden. In St. Aegyd etwa sei es um 27 Objekte gegangen.

Am Hochkar rechnete das Landesfeuerwehrkommando laut Resperger ab Sonntag mit einem umfassenden Einsatz. In dem Skigebiet müssten Betriebe und Liftanlagen freigeschaufelt werden. Großcontainer mit Schneeschaufeln und -wannen, Motorsägen etc. seien bereits nach Göstling a.d. Ybbs (Bezirk Scheibbs) transportiert worden. Ob weitere Katastrophenzüge entsandt werden, würde noch entschieden.

Die Skigebiete Hochkar, Lackenhof am Ötscher und die Maiszinken-Lifte in Lunz am See blieben geschlossen. Auch die Gemeindealpe in Mitterbach am Erlaufsee war weiterhin gesperrt. Am Hochkar war geplant, mehrere Lawinen von einem Bundesheer-Hubschrauber aus zu sprengen. Danach sollte entschieden werden, ob die Alpenstraße ins Skigebiet geräumt werden kann, sagte Göstlings Bürgermeister Friedrich Fahrnberger (ÖVP).

An einen Hubschraubereinsatz war auch bei der Suche nach zwei seit dem Wochenende vermissten Tourengehern in Hohenberg (Bezirk Lilienfeld) gedacht. Zudem sollte versucht werden, die Wintersportler mithilfe des sogenannten Recco-Systems zu orten. Die Männer im Alter von 54 und 58 Jahren hatten einen entsprechenden Reflektor auf ihre Tour mitgenommen.

Die Lawinengefahr in den Ybbstaler Alpen wurde am Freitag auf 4 zurückgestuft. Als groß galt sie auch im Rax-Schneeberggebiet über 1.500 Metern Seehöhe. In den Morgenstunden hatte der Niederschlag aufgehört. Neuerlicher Schneefall wurde ab dem späten Nachmittag ebenso wie für den Samstag erwartet.

Das lang ersehnte Wetterfenster wurde am Freitag in Salzburg für Erkundungsflüge, „Downwash-Einsätze“ und Lawinensprengungen genutzt. Bis zu zwölf Hubschrauber stiegen in die Luft. Die Lawinensituation war noch angespannt, es herrschte verbreitet Warnstufe vier der fünfstufigen Skala. Am Sonntag und Montag sollte die Lawinengefahr wegen starker Schneefälle markant ansteigen.

„Lawinen können ganz leicht ausgelöst werden“, warnte Michael Butschek vom Lawinenwarndienst Salzburg. Wegen eines Abgangs nahe der Tauernautobahn beim Ofenauertunnel wurde zu Mittag die A10 im Bereich Pass Lueg in beiden Fahrtrichtungen vorübergehend gesperrt. Verletzt wurde ersten Informationen zufolge niemand. Im Laufe des Nachmittags musste immer wieder mit kurzfristigen Sperren gerechnet werden.

Einige Gebirgsstraßen sowie die Bahnstrecke am Pass Lueg und zwischen Saalfelden und Hochfilzen waren ebenfalls weiterhin unpassierbar. Aus Sicherheitsgründen blieben auch 33 Schulen geschlossen. Entspannt hat sich die Lage bei der Stromversorgung, sie war am Freitagfrüh wieder weitgehend hergestellt - laut Salzburg AG waren rund 200 Kunden ohne Strom.

Waren am Donnerstag noch rund 9.000 Personen wegen der großen Neuschneemengen und der Lawinengefahr von der Außenwelt abgeschnitten, so hat sich die Zahl am Freitag verringert. Die B99 von Untertauern ins Skigebiet Obertauern, wo gestern rund 6.000 Personen festsaßen, wurde am Freitag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben. Auch die 350 eingeschlossenen Gäste der Rudolfshütte in Uttendorf im Pinzgau durften das Berghotel mittlerweile verlassen.

In Oberösterreich standen die Zeichen zumindest vorübergehend auf Entspannung: Die Lawinenwarnstufe in den alpinen Bereichen wurde auf vier zurückgesetzt. Da sich auch das Wetter besserte und Flüge zuließ, tat sich ein Fenster auf, um die Lawinensituation aus der Luft zu begutachten, Lawinen abzusprengen und Personen zu evakuieren - so barg das Bundesheer eine 66-köpfige deutsche Schülergruppe, die am Hochberghaus festgesessen war.

Allein im Pyhrngebiet waren am Freitag rund 300 Soldaten, Feuerwehrleute und Polizeischüler im Einsatz, um Dächer abzuschaufeln - eine gefährliche Arbeit, denn nachdem am Donnerstag ein Teil eines Firmengebäudes in Rosenau eingestürzt war, brach am Freitag ein Stadeldach unter den Schneemassen zusammen. Die Straßenmeistereien waren unterwegs, um die zuletzt 35 witterungsbedingten Sperren auf den insgesamt 6.000 Kilometern Landesstraßen in Oberösterreich wieder zu beseitigen. So waren ab Nachmittag Obertraun und Hallstatt wieder auf der Straße zu erreichen, nach Gosau konnte man aber weiterhin nur von Salzburg aus gelangen. Bereits seit Donnerstagabend kann man wieder in das Ortszentrum der Mühlviertler Gemeinde St. Leonhard gelangen. Die Gutauer Landesstraße war für den Verkehr wieder freigegeben.

Polizei und Bundesheer haben am Freitag in der Obersteiermark bei besserem Wetter mit Erkundungs- und Evakuierungsflügen begonnen. Gesamt sollten rund 35 Flüge durchgeführt werden, darunter Versorgungsflüge in die Radmer und ins Sölktal. Eine geplante Evakuierung in Hohentauern mit Heeres-Lkw über eine geräumten Forstweg erwies sich als nicht erforderlich, wie Oberst Christian Fiedler der APA sagte. Ein Erkundungsflug mit einem Mitglied der Lawinenkommission habe ergeben, dass die B114 nach Hohentauern geräumt werden könne. Dies sollte bis 14.00 Uhr abgeschlossen sein, dann konnten bis zu 200 Urlauber und Einheimische mit ihren eigenen Fahrzeugen ins Tal gelangen. „Lediglich für bis zu acht Menschen, die kein eigenes Auto besitzen, schicken wir einen geländegängigen Lkw hinauf“, sagte Fiedler.

Mittlerweile haben die Behörden auch entschieden, die Sperre in Schladming ins Ober- und Untertal wieder freizugeben. Freitagvormittag war indessen bei Hieflau eine größere Lawine abgegangen, deren Kegel über die gesperrte Gesäusestraße (B146) bis in die Enns reichte. Häuser und Menschen waren nach ersten Informationen nicht betroffen. Die Sperre aus Sicherheitsgründen hatte damit absolute Berechtigung, hieß es seitens der Behörden.

In Vorarlberg entspannte sich die Lawinengefahrensituation aufgrund der Wetterberuhigung am Freitag etwas. In höheren Lagen im Kleinwalsertal, im hinteren Bregenzerwald und im Arlberggebiet bestand aber weiter große Lawinengefahr der Stufe 4. Die Lage blieb weiter heikel, vor allem in neuschneereichen Gebieten, so die Landeswarnzentrale. Zudem sollte die Sonneneinstrahlung im Laufe des Tages die Gefahr von Selbstauslösungen erhöhen, bereits einzelne Wintersportler konnten Lawinen auslösen. Daher wurde weiter von einem Verlassen der gesicherten Pisten abgeraten. Für Freitagabend wurde wieder Schneefall prognostiziert. Nach einer Wetterbesserung am Samstag waren ab der Nacht auf Sonntag neuerlich ergiebige Schneefälle zu erwarten. Die Lawinengefahr steige damit ab Sonntag wieder an, mahnte die Landeswarnzentrale.

In Kärnten herrschte am Freitag entlang der Landesgrenze zu Salzburg weiterhin Lawinenwarnstufe vier. Stürmischer Wind hatte hier am Donnerstag erneut für abgeblasene Geländeteile und störanfällige Triebschneeablagerungen gesorgt. „Mit der Sonneneinstrahlung verliert die Schneedecke etwas an Festigkeit und aus steileren Geländeteilen sind spontane mittlere und große Lawinen möglich“, hieß es dazu vom Lawinenwarndienst Kärnten. Für Samstag wurden wieder ausgedehnte Wolken prognostiziert, später könnte es erneut Schneeschauer geben. Was die Lawinengefahr angeht, so wurde ein leichter Rückgang vorhergesagt.




Kommentieren