Letztes Update am Fr, 11.01.2019 14:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italiens Autobahnchef vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen



Rom (APA) - Der Chef von Italiens Autobahnbetreibers „Autostrade per l‘Italia“, Giovanni Castellucci, gegen den Ermittlungen in Zusammenhang mit dem Brückeneinsturz in Genua laufen, ist am Freitag bei einem Prozess wegen eines Busunglücks in Süditalien 2013 freigesprochen worden, bei dem 40 Personen ums Leben kamen. Die Staatsanwaltschaft hatte für Castellucci zehn Jahre Haft wegen Totschlags gefordert.

Von den 15 Angeklagten bei dem Prozess wurden sieben freigesprochen. Acht Angeklagte wurden zu Haftstrafen bis zu zwölf Jahren verurteilt. Der Inhaber der Reisegesellschaft, die den Bus gemietet hatte, wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Sein Bruder, der den Bus steuerte, kam bei dem Unfall ums Leben. Angehörige der Opfer protestierten vehement gegen Castelluccis Freispruch, berichteten italienische Medien am Freitag.

40 Todesopfer und neun Schwerverletzte lautete die Bilanz des schwersten Busunfalls der vergangenen Jahre in Europa, der sich in der süditalienischen Bergregion Irpinien ereignet hatte. Der mit Ausflüglern aus der Region besetzte Reisebus rammte auf einer Autobahn in der Provinz Avellino östlich von Neapel eine stehende Kolonne, durchbrach die Leitschiene und stürzte von einer Brücke rund 30 Meter ab. Der Aufprall war so heftig, dass der Bus in zwei Teile zerbrach. Unter den Toten waren mehrere Kinder.

Die Ermittlungen richteten sich auch gegen vier hohe Funktionäre des Infrastrukturministeriums, die ihren Aufsichtspflichten nicht nachgekommen sein sollen, sowie gegen die Autobahngesellschaft „Autostrade per l‘Italia“, die in Italien ein Netz aus 3.000 Kilometer Autobahnen betreibt und über eine Holding von der Benetton-Familie kontrolliert wird.

Bei dem Unglück Mitte August war die Morandi-Autobahnbrücke auf einer Länge von mehr als 100 Metern eingestürzt. Dabei kamen 43 Menschen ums Leben. Seitdem wird gegen Castellucci ermittelt. Unklar ist, ob vorangegangene Warnungen zum maroden Zustand der Brücke nicht ernst genommen und Instandhaltungen verschleppt wurden.




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