Letztes Update am Fr, 11.01.2019 14:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Slowakei: Autoindustrie steigt 2019 in Elektromobilität ein



Bratislava (APA) - Für die Autobranche der Slowakei soll das Jahr 2019 im Zeichen von Innovationen stehen. Alle vier im Land angesiedelten internationalen Autokonzerne bereiten sich auf den Einstieg in die Elektromobilität vor, um ihre Konkurrenzfähigkeit zu erhalten und strengere Umweltauflagen der Europäischen Union zu erfüllen, berichtete die slowakische Tageszeitung „Hospodarske noviny“ am Freitag.

Die Autoindustrie des Eurolandes Slowakei hatte 2018 erneut ein Rekordjahr. Laut vorläufigen Zahlen des Verbandes der slowakischen Autoindustrie (ZAP SR) wurden insgesamt 1,08 Millionen Neuwagen produziert, während 2017 die Gesamtproduktion der vier Autobauer noch bei 1,025 Millionen Stück lag. Mit 198 hergestellten Autos pro 1.000 Einwohner bleibt die Slowakei der größte Autohersteller pro Einwohner weltweit.

In der Slowakei selbst werden jährlich rund 100.000 Autos neu angemeldet, umweltschonende Fahrzeuge mit Alternativantrieb bilden allerdings nur einen Bruchteil davon. Bis 2025 sollen aber pro Jahr mindestens 15.000 neu registrierte emissionsfreie Autos hinzukommen, bis 2030 sollen Elektroautos sogar ein Drittel der 100.000 Neuzulassungen ausmachen, wenn die Slowakei die neuen, strengen Emissionslimits der EU erfüllen will. Darauf stellen sich jetzt auch die Autobauer im Land ein.

Von den vier Autoherstellern produziert derzeit nur VW Slovakia in Bratislava serienmäßig Elektroautos, der VW e-up! rollt im Werk am Rande der Hauptstadt schon seit 2013 vom Fließband. Die Produktion soll auch in diesem Jahr fortgesetzt werden. Als zweiter „heimischer“ Elektroautobauer wird noch in diesem Jahr PSA Peugeot Citroen in Trnava folgen. Details über das neue Modell und den genauen Anlauftermin werden in wenigen Wochen bekannt gegeben, erklärte Konzernsprecher Peter Svec.

Große Vorbereitungen auf die Produktion von Elektroautos kündigen auch der koreanische Autobauer Kia im nordslowakischen Zilina sowie der neu hinzugekommene Produzent Jaguar Land Rover im westslowakischen Nitra an. Dort ist die Produktion des Discovery erst Ende des Vorjahres angelaufen, laut Miroslava Remanarova von JLR soll es bis 2020 auch eine Elektroversion geben.

Die Produzenten würden sicher in der Lage sein, die neuen Emissionslimits zu erfüllen, erklärte Alexander Matusek, Präsident des Verbandes der Autoindustrie. „Ein großes Fragezeichen ist aber, ob sich auch das Interesse der Kunden daran orientieren wird, was die Politiker beschlossen haben“, betonte er.

Ein staatliches Unterstützungsprogramm für Elektromobilität läuft in der Slowakei derzeit nicht. Das letzte, vorgesehen für die Jahre 2016 bis 2018 in einem Umfang von 5 Mio. Euro, wurde noch 2017 vorzeitig abgebrochen. Immerhin schafften es 800 Interessenten, eine Subvention von je 5.000 Euro für die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs zu beantragen.

Erst letzten Herbst verabschiedete das slowakische Umweltministerium einen neuen Aktionsplan zur Förderung der Elektromobilität. Vorgesehen sind erneut Subventionen für Elektroautos im Umfang von 5 Mio. Euro sowie weiteres Geld für Ladestationen und eine Infokampagne.

Die Autoindustrie, von der die Slowakei besonders abhängig ist, könnte bald aber auch vor einem weiteren Problem stehen. Wegen der aktuellen Abkühlung der deutschen Wirtschaft droht eine sinkende Nachfrage nach Neuwagen, was in der Slowakei vor allem VW Slovakia treffen würde. Der Autobauer hatte 2017 über 100.000 Autos, rund 30 Prozent seiner Gesamtproduktion, allein nach Deutschland exportiert. Auch für Kia ist Deutschland unter den drei Top-Abnehmermärkten, rund 8 Prozent der Jahresproduktion gehen an deutsche Kunden.

Müssten die Konzerne ihre Produktion drosseln, hätte das auch für zahlreiche Zulieferer in der Slowakei unangenehme folgen. Direkt beschäftigt die slowakische Autoindustrie rund 154.000 Arbeitnehmer, ihr Anteil an der gesamten Industrieproduktion der Slowakei lag im Vorjahr bei 46 Prozent, am gesamten Industrieexport des Landes war sie mit 35 Prozent beteiligt.




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