Letztes Update am So, 13.01.2019 06:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


14 Stiche für schwangere Ex-Freundin: Prozess um versuchten Mord



Wien (APA) - 14 Messerstiche soll ein 37-Jähriger seiner schwangeren Ex-Freundin im Juli 2017 vor ihrem Haus in Wien-Mariahilf verpasst und sie damit beinahe umgebracht haben. Ab kommendem Dienstag muss er sich deshalb vor einem Schwursenat im Wiener Landesgericht verantworten. Neben versuchtem Mord ist auch das Vergehen des Schwangerschaftsabbruches angeklagt. Die Frau verlor bei der Attacke ihr Kind.

Der 37-jährige gebürtige Mazedonier, verteidigt von Mirsad Musliu (Kanzlei Nikolaus Rast), ist laut Anklageschrift bereits in seiner Heimat wegen versuchter Vergewaltigung vor Gericht gestanden. In Österreich gab es zwei nicht einschlägige Vorstrafen. In den vergangenen Jahren pendelte er immer wieder zwischen Mazedonien und Österreich hin und her. 2011 heiratete er in Österreich, bereits im darauffolgenden Jahr wurde die Ehe nicht zuletzt wegen angeblicher Gewalttätigkeiten des fanatischen Muslim gegenüber seiner Frau und dem gemeinsamen Kind geschieden.

Nach etwa eineinhalb Jahren Aufenthalt in Mazedonien kam der 37-Jährige nach Wien zurück und lernte in der Lugner City das spätere Opfer kennen. Laut Anklage gab es ab 2014 eine Lebensgemeinschaft mit der Kellnerin. Die Beziehung soll auch bald gewalttätig geworden sein. Im Sommer 2015 gab es ein Ermittlungsverfahren wegen zweifacher Körperverletzung und fortgesetzter Gewaltausübung. Weil der 37-Jährige aber nach Mazedonien ausgeliefert wurde, um eine Strafe abzusitzen, sah man unter Vorbehalt einer späteren Verfolgung von weiteren Ermittlungen zunächst ab.

Im Frühjahr 2017 kam der Angeklagte nach Österreich zurück. Das spätere Opfer trennte sich wegen fortwährender Übergriffe von dem 37-Jährigen, was dieser aber offenbar nicht wahrhaben wollte. Er stellte ihr laut Anklage online nach, auf Liebesschwüre folgten Drohungen und Suizidankündigungen. Unter anderem schrieb er laut Anklage: „Wenn Du mich verlässt, bin ich tot.“ Die Frau war mittlerweile eine neue Beziehung mit dem Besitzer des Lokals eingegangen, in dem sie arbeitete, und war von diesem auch schwanger. Vor ihrem Ex-Freund hatte sie große Angst.

Der Staatsanwaltschaft zufolge kulminierte der Konflikt am 23. Juli 2017 vor ihrem Wohnhaus in Mariahilf. Der 37-Jährige lauerte um 6.00 Uhr seiner Ex-Freundin auf, die wohlweislich ihren neuen Lebensgefährten gebeten hatte, sie nach Hause zu begleiten. Der Angeklagte soll beiden kommentarlos Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben. Weil ihr neuer Lebensgefährte Angst hatte, er könnte das Ziel der Attacke sein, gab er Fersengeld und bat lediglich zwei Passanten, die Polizei zu verständigen.

Der Angeklagte wandte sich seiner Ex-Freundin zu. Er soll ihr mit einem Messer kommentarlos 14 Stiche in Brust und Bauch versetzt haben. Dass sie ihn noch anflehte: „Hör auf, ich bin schwanger!“, soll ihn nicht gekümmert haben. In der Anklageschrift ist von einem „regelrechten ‚Blutrausch‘“ die Rede.

Die Frau überlebte mit Ach und Krach. Unter anderem trat der Darm aus, es gab eine Stichläsion der Leber und die Gallenblase wurde durchtrennt. Die Schwangere verlor darüber hinaus ihr Kind und verbrachte Monate auf der Intensivstation. Die Frau ist seit dem Überfall bettlägrig und wird von ihrer Schwester gepflegt.

Der 37-Jährige wurde zwei Wochen später am griechisch-türkischen Grenzübergang Kipi bei der Einreise nach Griechenland festgenommen und nach Österreich ausgeliefert. Bei einer Einvernahme am Landesgericht im November 2017 äußerte er sich erstmals zu den Vorwürfen. Er gab die Tat zu, bestritt aber, in Tötungsabsicht gehandelt zu haben. Er habe sich selbst vom neuen Freund seiner Ex-Lebensgefährtin bedroht gefühlt und deshalb zum Pfefferspray gegriffen.

Die Verhandlung ist auf zwei Tage anberaumt. Das Urteil soll demnach am kommenden Donnerstag gesprochen werden.




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